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Geweiht am 4. Advent des Jahres 1955 Martinskirche in Osnabrück-Hellern besteht seit 60 Jahren

Von Joachim Dierks | 16.12.2015, 08:00 Uhr

Vor 60 Jahren, am 4. Advent des Jahres 1955, wurde die Martinskirche im heutigen Osnabrücker Stadtteil Hellern geweiht. Es war nicht der heilige Martin hoch zu Ross, der Mantel teilende und Martinsgans stiftende Bischof von Tours, der gebeten wurde, Namenspatron der Martinskirche in Hellern zu werden. Die Evangelischen haben es bekanntlich nicht so mit den Heiligen. So ist es hier denn auch Martin Luther persönlich, der der evangelisch-lutherischen Martinskirche seinen Namen verlieh. Da es eine Lutherkirche in Osnabrück schon gab, blieb es bei dem Vornamen.

Zuvor mussten die evangelischen Christen aus Hellern weite Wege auf sich nehmen, wenn sie Gottes Wort hören wollten. Das alte Dorf Hellern gehörte zu St. Marien, die Bauerschaft Hörne zu St. Katharinen. 1901 bekam Hasbergen die Christuskirche, sie betreute anschließend die Helleraner westlich der Düte. Nach 1945 wuchs die Einwohnerschaft beträchtlich durch Flüchtlinge und Vertriebene. „Der Ruf nach einem gemeindlichen Zentrum im Ort wurde immer lauter“, heißt es in der Kirchenchronik – ein Satz, der in der Nachkriegszeit so oder ähnlich in vielen wachsenden Ortsteilen und Stadtrandgemeinden zu hören war.

Die Muttergemeinde St. Marien schuf erste Abhilfe durch Entsendung ihres Pastors Erwin Müller zu Gottesdiensten in der Trauerhalle des Krematoriums, ab 1954 in der Pausenhalle der neu erbauten Helleraner Schule. Ein Harmonium zur Gesangsunterstützung wurde von Heinrich Meyer zu Heringen gestiftet, Kirchenvorstand an St. Marien. Bereits 1953 hatte sich der Kirchenvorstand bereitgefunden, ein Baugrundstück für eine eigene Kirche in Hellern zu erwerben. Da die Kirchgänger sich mit der zentralen Lage der Schule als Ort der Gottesdienste recht gut angefreundet hatten, sollte die Kirche möglichst nicht weit davon entfernt entstehen. Bauer Borgmeier verkaufte das passende Stück an der Großen Schulstraße, Ecke Eselspatt, schräg gegenüber der Schule. Der Kirchenbauausschuss sammelte Entwurfsideen und Geld. 20000 DM brachten die Helleraner als Eigenbeitrag auf, Architekt Heinz Däke entschied den Wettbewerb für sich.

Dann ging alles recht schnell. In großer Vorfreude auf die eigene Kirche fanden sich im April 1955 sangeskräftige Gemeindeglieder zusammen und gründeten unter der Leitung der späteren Organistin Wilma Auffahrt einen gemischten Chor. Es dürfte ziemlich einmalig in der Landeskirche sein, dass der Chor schneller stand als die Kirche. Zur Grundsteinlegung am 19. Juni 1955 hatte er bereits ein beachtliches Repertoire eingeübt und begleitete die Feier mit seinem Gesang. Am Erntedankfest wurde die Richtkrone über dem Turm aufgezogen und am 18. Dezember 1955, am vierten Adventssonntag, beging die Gemeinde die „feierliche Ingebrauchnahme“.

Anders als bei vielen der zehn Jahre später gebauten Kirchen kann man hier auf den ersten Blick erkennen, dass es sich um eine Kirche handelt. Das klassische Ensemble von Langhaus und separat gestelltem Turm beeindruckt durch klare Formen und schnörkellose Sachlichkeit. Das farbige Rundfenster im Altarraum, eine Rose mit acht Blütenblättern und eine Taube darstellend, ist ein Geschenk der politischen Gemeinde Hellern. Der Innenraum wurde häufiger umgestaltet, was dazu führte, dass der Landeskonservator die Kirche nicht unter Denkmalschutz stellen wollte. Die jetzigen Pastoren Thomas Herzberg und Kerstin Schaper-Herzberg sind gar nicht so traurig darüber. „Das lässt uns die Möglichkeit, mit der Zeit zu gehen, uns immer mal wieder an neue Gottesdienstformen und Nutzungswünsche anzupassen“, sagt Thomas Herzberg. Das Pastoren-Ehepaar, das sich heute die Pfarrstelle teilt, belegt auf der Zeitleiste des Martinspfarramtes die Position 5. Es begann mit Pastor Franz Chappuzeau (1956 bis 1964), ihm folgte Dr. Hans-Christoph Piper (1965 bis 1970), sodann Johannes Heinemeyer (1970 bis 1981) und schließlich Herzbergs Vorgänger Volker Hormann (1981 bis 2008).

Am 1. Oktober 1956 erlangte die Martinsgemeinde ihre kirchenrechtliche Selbstständigkeit. Im gleichen Jahr wurde das Pfarrhaus an der Großen Schulstraße fertig. Zum Kirchenensemble gehören weiterhin das angebaute Gemeindehaus (1967) und der Kindergarten (1972). Aktuell sehnt die Gemeinde die Fertigstellung der neuen Kinderkrippe und die Umgestaltung der Kindertagesstätte herbei. An diesem Sonntag gibt der Kirchenvorstand nach dem Zehn-Uhr-Gottesdienst einen Empfang aus Anlass des 60. Jahrestages der Kirchweihe.