Ein Artikel der Redaktion

Gespräche mit der Stadt Zieht die Hochschule Osnabrück aufs Coca-Cola-Gelände?

Von Sebastian Stricker | 12.07.2015, 20:05 Uhr

Nach dem Aus für den Coca-Cola-Standort Osnabrück will die Stadt das Firmengelände an der Oldenburger Landstraße 2 rasch überplanen. Mit der Hochschule Osnabrück werden bereits Gespräche geführt. Eine Erweiterung des angrenzenden Campus Haste erscheint vielen wünschenswert.

Für die Abfüllung und Logistiksparte des Getränkeherstellers besteht spätestens seit Freitag keine Hoffnung mehr. Nach Angaben der Gewerkschaft NGG habe der Konzern einen Erhalt bis zuletzt abgelehnt, damit fallen in Osnabrück ab August über 100 Arbeitsplätze weg – Ende einer jahrelangen unternehmerischen Achterbahnfahrt. (Weiterlesen: Coca-Cola in Osnabrück seit 2003 von Schließung bedroht) 

Doch wenn die Limonadenfabrik bald Geschichte ist – was passiert dann mit dem knapp 16.000 Quadratmeter großen Firmengrundstück am nördlichen Autobahnzubringer? Diese Frage stellte sich am Donnerstagabend auch der Stadtentwicklungsausschuss.

Nicht jedes Gewerbe zulassen

Aus Sicht der Bauverwaltung bietet sich jetzt die Chance, den seit 1981 gültigen Bebauungsplan für diese Fläche so zu ändern, dass eine künftige Nutzung gezielter geregelt werden kann. „Es geht darum, mitreden zu können“, erklärt Stadtbaurat Frank Otte. Zwar komme an dieser Stelle nicht jedes Gewerbe infrage. Einzelhandel etwa scheide aus: Erstens wegen des ohnehin hohen Verkehrsaufkommens an dem als „Coca-Cola-Kreuzung“ bekannten Knotenpunkt Bramscher Straße (B68)/Fürstenauer Weg/Oldenburger Landstraße. Zweitens wegen der Vorgaben des Märkte- und Zentrenkonzepts, das die Versorgung im Oberzentrum Osnabrück steuert.

Dem Fachbereichsleiter Städtebau, Franz Schürings, greifen diese Einschränkungen aber zu kurz. Er schlägt vor, künftig „nicht mehr alles zu erlauben, was dort heute zulässig ist“. Schließlich handele es sich um eine „wichtige Stadteingangssituation“, die ansehnlich sein soll. Ein „Lagerplatz, wo sich Paletten türmen“, entspreche da nicht unbedingt seinen Vorstellungen. Büro- und Dienstleistungsgebäude würden schon besser passen.

FH-Erweiterung „ideal“

An dieser Stelle kommt die Hochschule Osnabrück ins Spiel. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft zum Coca-Cola-Gelände (vormals Heydt) liegt der Campus Haste. Die „grüne“ Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur mit ihren 2700 Studenten unterhält hier knapp zwei Dutzend Gebäude – darunter Hörsäle, Labore und Gewächshäuser, außerdem Versuchsflächen und einen Staudengarten. Auch der zugehörige Versuchsbetrieb Wabe-Zentrum in Wallenhorst ist nur zwei Kilometer entfernt. Besteht nun also nicht die seltene Gelegenheit, den Campus Haste zu vergrößern – vielleicht sogar durch ein weiteres Studentenwohnheim? Zumal der entsprechende Bebauungsplan Nr. 404 eh seit Jahr und Tag die Bezeichnung „Fachhochschule Haste“ trägt.

„Solche Überlegungen hat es in der Vergangenheit immer gegeben“, sagt Franz Schürings. Und für CDU-Ratsfrau Anette Meyer zu Strohen, selbst Landwirtin, wäre dies geradezu „ideal“, wie sie im Ausschuss betonte. „Das würden wir alle begrüßen!“ Der Auftrag an die Stadt, den Bereich Oldenburger Landstraße 2 neu zu gestalten, erging jedenfalls schon mal einstimmig. Auch wenn der Rat am 21. Juli noch der Form halber seinen Segen geben muss.

Architekten mit Vorahnung

Bleibt die Frage, was der Wunschkandidat von solchen Gedankenspielen hält. Im März 2014 wiegelte die Hochschule Osnabrück noch ab, obwohl niederländische Architekten in ihrem Entwurf für einen „Masterplan Campus Haste“ anstelle von Coca-Cola bereits Häuser und einen kleinen See eingezeichnet hatten. Momentan sei es keine Absicht, diesen Bereich zu integrieren, sagte damals Arno Kröger, Leiter des Gebäudemanagements, unserer Redaktion. Einen Auftrag der Hochschule Osnabrück, dieses Gebiet in die Skizze einzubeziehen, habe es nicht gegeben. Erst wenn es den Coca-Cola-Standort einmal nicht mehr geben sollte, könne man sich überlegen, die Planungen auszudehnen.

Haken wir aus aktuellem Anlass also nach bei Hochschulsprecher Ralf Garten: Doch auch der hält sich trotz der jüngsten Entwicklungen bedeckt. „Wir haben keine konkreten Pläne“, erklärt er auf Nachfrage. Immerhin: „Die Hochschule ist im Gespräch mit der Stadt.“