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Geschäftsführer entlassen Missmanagement im Namen des Friedens: Hintergründe zur Absage des „1. Osnabrücker Friedensfestivals“

Von Tom Bullmann | 07.06.2011, 10:37 Uhr

Im vergangenen Jahr sollten Scooter und Sunrise Avenue in Osnabrück den Open Air-Ausnahmezustand an der Halle Gartlage ausrufen, in diesem Jahr am Pfingstwochenende Samy Deluxe und Irie Révoltés im Schlossinnenhof für Festivalstimmung sorgen. Aber offenbar scheinen sich immer noch Veranstalter an ihren Formaten zu verheben: Das „OSrockt!“ fand 2010 nicht statt und auch das „1. Osnabrücker Friedensfestival“ wurde jetzt kurzfristig abgesagt.

Mehr als 20 Bands und Solokünstler, überwiegend aus dem Bereich Reggae, Ragga, HipHop, Ska, Worldmusic und Singer/Songwriter, sollten am kommenden Wochenende im Schlossinnenhof auftreten. „Uns geht es um eine Standortbestimmung des Themas Frieden in der Friedensstadt Osnabrück“, verlautbarte der Veranstalter, der „Verein zur Förderung von Erleben und Begegnung durch Musik, Kunst, Kultur“, kurz „Erlbeg e.V.“, bei der Ankündigung des Festivals. Spaß sollte mit Ernsthaftigkeit einhergehen. Doch daraus wird jetzt nichts. Obwohl der Schlossinnenhof angemietet, eine Bühne bestellt und eine PA-Firma beauftragt worden war, für die entsprechende Licht und Tontechnik zu sorgen, wird der idyllische Platz an Pfingsten weder Bands noch Zuschauer beherbergen. Der Grund: massive Probleme seitens des Veranstalters. „Es kam zu kritischen Ausfällen in der Vorfinanzierung des Festivals“, heißt es in der offiziellen Begründung der Absage. Was sich dahinter verbirgt, lässt sich noch nicht genau sagen, aber: "Der Geschäftsführer des Big Buttinsky - das ist eine vom Verein betriebene Clubkneipe in der Filmpassage – fühlte sich mit der Betreuung des Festivals beauftragt, auch weil er maßgeblich die Idee zu dem Event hatte“, erklärt Dirk Näpel, der für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zuständig ist.</p>

Geschäftsführer entlassen

Am 28. Mai wurde besagter Geschäftsführer aus seinem Job entlassen. „Wegen der Klärung der rechtlichen Fragen können wir den Namen nicht nennen“, sagt Karsten Bleßmann, erster Vorsitzender des Erlbeg e.V., der sich jetzt um die Rückabwicklung des Festivals kümmert. „Wir wollen, dass alle Menschen, die ein Ticket gekauft haben, ihr Geld zurückbekommen“, so Bleßmann. Tatsächlich bekommen diejenigen, die ihr Ticket über CTS Eventim gekauft haben, egal ob bei einer Vorverkaufsstelle oder per Internet, ihr Geld zurück - allerdings ohne die Vorverkaufsgebühr. Das ist bei Käufen über das Internetportal so üblich. Besser dran sind da die Musikfans, die bei der Touristinfo der Stadt Osnabrück eine Karte gekauft haben, denn die bekommen ihr Geld komplett zurück. „Wir wollen nicht, dass unsere Kunden unter der Festivalabsage leiden, denn die können am wenigsten dafür“, sagt Dieter Frauenstein von der Tourist-Information in der Bierstraße. </p>

Zum Glück waren die Eintrittgelder von den erwähnten Vorverkaufsstellen noch nicht an den Veranstalter überwiesen worden, sodass die Rückabwicklung sich hier einfach gestaltet. Wie es in weiteren Vorverkaufsstellen aussieht - insgesamt sollen mehr als 260 Tickets verkauft worden sein - darüber liegen uns zurzeit noch keine Informationen vor. Allerdings dürfte dem Erlbeg e.V. weiterer Ärger ins Haus stehen. Die Hamburger Firma Buback Tonträger, bei der die Auftritte der Headliner Samy Deluxe und Irie Révoltés gebucht worden waren, haben in dieser Sache ihre Anwälte mit der Prüfung der Rechtslage beauftragt.