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Gelungene Fortsetzung des Kassenschlagers: „Männerherzen ... und die ganz, ganz große Liebe“ „Männerherzen“: Intelligente Komödie

Von Frank Jürgens | 16.09.2011, 13:27 Uhr

Vor zwei Jahren landete Drehbuchautor und Regisseur Simon Verhoeven mit schmerzenden „Männerherzen“ einen Volltreffer an den Kinokassen. Klar, dass so etwas Folgen hat. Auch wenn es wieder mal nur um die „ganz, ganz große Liebe“ geht, trifft Verhoeven mit ganz, ganz viel Witz, Hirn und natürlich Herz erneut ins Schwarze.

Da schlurft er nun völlig niedergeschmettert durch die Provinz, der geschlagene Frauenheld und Musikproduzent Jerome (Til Schweiger). In Heuchelheim bei Gießen – wo Schweiger tatsächlich aufwuchs – sucht er Asyl bei einer Jugendliebe. Stattdessen landet er in seinem alten Kinderzimmer. Während Mutti (Christine Schorn) ihrem „Hansi“ das erste von ganz vielen Wurstbroten schmiert, scheint es für den schrägen Schlagersänger Bruce Berger (Justus von Dohnány) nur noch steil aufwärtszugehen. Dass sowohl dieser als auch Kumpel Jerome noch heftig mit dem äußerst schmierigen Schlagerfuzzi Maurizio Marquez (Pasquale Aleardi) anecken werden, kann ja noch niemand ahnen.

Auch nicht Philip und Nina (Maxim Mehmet und Jana Pallaske). Deren Bio-Laden brummt, und beim gemeinsamen Schwangerschaftskurs machen die werdenden Eltern auch schon mal die Eisenbahn. Weniger schön läuft es hingegen für Niklas (Florian David Fitz), der in tiefer Trauer um seine verlorene Maria (Inez Björg David) beinahe zum Stalker gestempelt wird. Bleiben noch Günther (Christian Ulmen) und sein einstiger Peiniger Roland (Wotan Wilke Möhring). Während sich der linkische Günther nun mit Rolands Ex-Frau Susanne (Nadja Uhl) zu vergnügen versucht, brummt der impulsive Roland im Knast seine Strafe für die Sache mit dem Krokodilbecken ab.

Das bunte Beziehungsgeflecht um allerlei verwirrte „Männerherzen“ dreht sich auch in der Fortsetzung munter weiter. Regisseur und Drehbuchautor Simon Verhoeven versucht dabei gar nicht erst, das Genre neu zu erfinden. Stattdessen konzentriert er sich erfolgreich darauf, die Geschichte mit ihren zahlreichen Handlungssträngen übersichtlich zu gestalten und voranzubringen. Statt auf Klamauk setzt Verhoeven dabei auf treffsicheren Witz mit Hirn und natürlich Herz. Das Timing stimmt, die Pointen sitzen, und die exquisite Schauspielerschar, nun noch ergänzt durch Schorn, Aleardi und Michael Mendl, sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Im Gegensatz zu vielen anderen Komödienversuchen, in denen Grimassen geschnitten und verbale Flatulenzen zum Besten gegeben werden, setzt Verhoeven auf altbewährte Mittel, zu denen ein sauber ausgefeiltes Drehbuch und ernsthafte Schauspielkunst zählen.

So bestimmen nach regelrecht klassischem Vorbild allerlei Missverständnisse, Doppeldeutigkeiten, Verwechslungen und Fehleinschätzungen sowie falsch verstandene und übertrieben umgesetzte gute Ratschläge (knabbern, nicht zubeißen!) den Verlauf dieses Fortsetzungstheaters zwischen Boulevard und Screwball. Das Thema mag dabei als so einfältig empfunden werden wie der Titelsong über die „ganz, ganz große Liebe“. Aber das ist beinahe schon Nebensache. Auf die Umsetzung kommt es an. Und die ist, nun ja, ganz, ganz gut gelungen.

„Männerherzen ... und die ganz, ganz große Liebe“. D 2011. R: Simon Verhoeven. D: Christian Ulmen, Til Schweiger, Nadja Uhl, Justus von Dohnány. 112 Min. Ab 6 Jahren. Cinema-Arthouse, Cinestar, Filmpassage.