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Gegen Mehrarbeit 5000 Osnabrücker Schüler demonstrieren für Lehrer

Von Dietmar Kröger | 06.12.2013, 13:27 Uhr

Gymnasiasten aus der Stadt und dem Landkreis haben sich am Freitag im Osnabrücker Schlossgarten versammelt, um gegen die Landesregierung zu protestieren. SPD und Grüne wollen in der kommenden Woche den Pädagogen an den niedersächsischen Gymnasien eine Unterrichtsstunde Mehrarbeit verordnen.

Eigentlich hatten die Schüler Vertretern von Rot-Grün eine Unterschriftensammlung übergeben wollen. Eingeladen war unter anderem der Osnabrücker Landtagsabgeordnete Frank Henning (SPD). „Von denen hat sich aber keiner gemeldet. Die sind wohl zu feige“, zeigte sich Nele Albers, eine der Organisatorinnen der Kundgebung, enttäuscht vom Fernbleiben der Politiker. Immerhin 6000 Unterschriften hatten die Schüler nach eigenen Schätzungen in den vergangenen Tagen gesammelt. Wie schon am Tag zuvor bei einer Informationsveranstaltung im Gymnasium Oesede nahmen aber lediglich Burkhard Jasper (CDU) und Gabriele König (FDP), ebenfalls beide Mitglieder des Niedersächsischen Landtages, an der Kundgebung teil.

„Wieviel sind wir der Landesregierung wert“, fragte Philip Schöttler vom Gymnasium in der Wüste unter dem Beifall seiner nach Polizeischätzungen 5000 Mitschüler. Schöttler beklagte die Mehrarbeit, die den Lehrern aufgebürdet werde und die gleichzeitig dazu führe, dass keine jungen Pädagogen mehr in den Schuldienst nachrücken können. „Wir leiden immer darunter, wenn die Mittel gekürzt werden“, so Schöttler weiter. Deshalb fordere die Schülerschaft eine dauerhafte finanzielle Unterstützung der Gymnasien als Faktor einer erfolgreichen Bildungspolitik.

Hätten die Lehrer keine Chance mehr, ihre außerunterrichtlichen Aktivitäten fortzusetzen, müsse darunter die Schülerschaft leiden, so Rabea Bücker vom Graf-Stauffenberg-Gymnasium. Vor allem das schulische Miteinander sehen sie und die anderen Gymnasten gefährdet, denn gerade hier würde der Zusammenhalt und die Gemeinschaft zwischen den Schülern gefördert. Das beträfe nicht nur Klassen- und Studienfahrten, so die einhellige Meinung der Kundgebungsteilnehmer. Schulfeste, Konzerte, Sportveranstaltungen und anderes mehr seien davon ebenso betroffen.

Der Protest der Schüler richtete sich im Schlossgarten denn auch nicht gegen die Lehrer und die von ihnen angekündigte Streichung von Klassenfahrten. Vielmehr saß die Landesregierung als Auslöser eben jener Streichung auf der Anklagebank. „Wir brauchen keine Feinde, wir haben Rot-Grün“, vermeldete ein Plakat. Ein anderes forderte „Ein Herz für Lehrer“.

Burkhard Jasper lobte den Einsatz der jungen Leute, die innerhalb kürzester Zeit diese Kundgebung auf die Beine gestellt hatten, und versprach ihnen, sich im Landtag für ihr Anliegen und gegen die Stundenerhöhung für Lehrer einzusetzen. „Seine Fraktion werde sich bei den Haushaltsberatungen eindeutig gegen den Beschluss positionieren. „Das machen wir nicht mit.“

Auch Gabriele König kündigte an: „Wir werden an eurer Seite stehen.“ Die Beschlüsse der Landesregierung gingen zulasten der Gymnasien und zugunsten der Gesamtschulen, vermutete die Liberale einen bildungspolitischen Winkelzug hinter den Plänen der Regierungskoalition. Gleichzeitig geißelte sie die Landesregierung, in ihrem Umfeld neue Stellen zu schaffen, während sie den Lehrern Mehrarbeit aufbürde.

Die Polizei hatte mit der Schülerkundgebung wenig Arbeit. Und das obwohl die Schülerdemo im Schlosspark mit 5000 Teilnehmern mit großem Abstand die größte in dieser kundgebungsreichen Woche war. Demonstriert wurde bereits gegen die Innenministerkonferenz (250 Teilnehmer) und die NPD traf am Freitag mit 20 Vertretern am Hauptbahnhof auf etwa 60 Gegendemonstranten.