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Gegen mehr Unterricht Lehrer-Protest vor Osnabrücker Gymnasien

Von Dietmar Kröger | 18.03.2014, 17:27 Uhr

Der Protest geht weiter. Nachdem die Gymnasiallehrer schon beim Besuch von Ministerpräsident Stephan Weil in Osnabrück in der vergangenen Woche ihren Unmut über die zusätzliche Unterrichtsstunde, die sie in Zukunft geben sollen, und den Wegfall der einstündigen Altersermäßigung ab dem 55. Lebensjahr deutlich artikuliert haben, wollen sie sich am Donnerstag noch einmal zu Wort melden. „5 vor 12“ heißt die von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisierte Aktion unter anderem vor dem Ratsgymnasium.

Die Aktion soll kurz aber prägnant sein. Muss sie auch, denn sie findet in der großen Pause statt. „Wir werden unsere Dienstpflicht nicht verletzen und deshalb in der Pause vor das Schultor treten, um auf das Thema Arbeitszeit hinzuweisen“, sagt Hartmut Ahrens, Personalratsvorsitzender des Ratsgymnasiums und Sprecher des Plenums der Personalräte Niedersächsischer Gymnasien und Kooperativer Gesamtschulen für den Bezirk Weser-Ems (PPNG). Landesweit werden die Gymnasialpädagogen auf den in ihren Augen „Wortbruch“ der Landesregierung hinweisen. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt, denn am gleichen Tag findet in Hannover eine Anhörung zur Arbeitszeitverordnung im Landtag statt.

Die Lehrer werfen der Landesregierung vor, wortbrüchig zu sein, weil sie während der derzeit laufenden Phase des Ausgleichs der Arbeitszeitkonten die Zahl der Unterrichtsstunden um eine erhöht. Bei Einführung der Arbeitszeitkonten 1998 (die Lehrer erklärten sich seinerzeit bereit, eine Stunde mehr zu arbeiten, um den gestiegenen Schülerzahlen gerecht zu werden) hatte die damalige SPD-Landesregierung noch zugesagt, während der Ausgleichsphase – also der „Rückzahlung“ der geleisteten Mehrarbeit – die Unterrichtsverpflichtung nicht zu erhöhen. Dass sie nun doch eine Stunde mehr Unterricht erteilen sollen, sei gegen die Abmachung, so die Gymnasiallehrer, deren Verbandsvertretungen GEW und Philologenverband sich in dieser Sache in seltener Einmütigkeit zusammengefunden haben.

Hinzu kommt, dass die Landesregierung die Altersermäßigung ab 55 um eine Unterrichtsstunde komplett streichen will. Gleichzeitig soll die Ermäßigung ab 60 von zwei auf eine Stunde gekürzt werden. „Die Enttäuschung in den Kollegien ist groß“, so die GEW in ihrem Aufruf zu der Protestaktion. „Die Landesregierung muss spüren, dass die Lehrkräfte keine Ruhe geben, bis sie sich endlich bewegt.“

Parallel zu der Protestaktion informiert die niedersächsische Lehrerschaft mit einem in 25000er Auflage erschienen Flyer in Landkreis und Stadt Osnabrück sowie in weiteren Regionen Niedersachsens die Eltern über ihr Anliegen. Die Schülerschaft weiß mittlerweile hinlänglich Bescheid: 5000 Schüler hatten bereits im vergangenen Dezember im Osnabrücker Schlossgarten für ihre Lehrer das Wort ergriffen.