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Gefährdendes Halten und Parken Osnabrücker Radfahrer und Fußgänger 6733-mal ausgebremst

Von Jörg Sanders | 09.02.2017, 09:12 Uhr

Falschparker auf Rad- und Gehwegen sind eine Gefahr für Radler und Fußgänger. Sie zwingen sie zum Ausweichen auf die Straße. Die Grünen-Fraktion im Rat der Stadt Osnabrück wollte nun wissen, wie oft Falschparker deshalb verwarnt worden sind.

In der Summe listet die Verwaltung 6733 Fälle für das Jahr 2016 auf, in denen der motorisierte Verkehr Radfahrer und Fußgänger ausbremste oder gar gefährdete. Allein 6061 Fälle gingen auf das Konto von Falschparkern auf Gehwegen. In diesem Punkt verstehen Polizei und OS-Team offenbar keinen Spaß: Durchschnittlich fast 17-mal pro Tag verwarnten sie diese Sorte Falschparker. 29 von ihnen wurden abgeschleppt.

 Weiterlesen: Je dicker das Auto, desto häufiger Falschparker 

Falschparker auf Radwegen selten verwarnt

Dementgegen werden Falschparker auf Radwegen äußerst selten verwarnt. Lediglich 114 Fälle listet die Tabelle der Verwaltung auf. Damit wird nicht mal alle drei Tage ein Falschparker auf einem Radweg zur Kasse gebeten, obgleich das täglich ungezählte Male in Osnabrück vorkommt – wie unter anderem der Blog „Osnabrücker Radwege“ dokumentiert. Allerdings gibt es wesentlich mehr Geh- als Radwege.

Zählt man weitere Tatbestände hinzu wie etwa das Halten auf Radwegen und das Parken auf Schutzstreifen oder einer Kombination aus Rad- und Gehweg, kommt die Verwaltung auf insgesamt 343 Fälle. Auch das ist nicht mal eine Verwarnung pro Tag. In lediglich zwei Fällen wurde abgeschleppt, weil Fahrzeuge auf unbeschilderten Radweg geparkt hatten und dadurch andere behinderten.

Der Auflistung der Verwaltung zufolge nahm die Stadt 138.280 Euro durch das unerlaubte Halten und Parken auf Geh- und Radwegen sowie Schutzstreifen ein.

 Weiterlesen: Wie viel Geld hat Osnabrück 2016 mit Knöllchen eingenommen? 

Häufiger geblitzt

Wesentlich häufiger werden zu schnell fahrende Autofahrer in Osnabrück zur Kasse gebeten. 53.498 Mal wurden sie im vergangenen Jahr erwischt. 1,1 Millionen Euro nahm die Stadt durch sie ein. Im Jahr zuvor waren es 10.000 Fälle mehr gewesen.

Was tun gegen Falschparker?

Die Grünen-Fraktion wollte ferner wissen, wie die Stadt Falschparkern auf Rad- und Gehwegen entgegengewirkt kann. Die Verwaltung beschränkt die Antwort auf einen Satz, in dem sie Poller und Fahrradbügel vorschlägt, um das Gefährdungspotenziel zu verringern.

Die Grünen erachten die Falschparker nicht nur als Ärgernis, sondern auch als verkehrsgefährdend. Fußgänger – insbesondere mit Rollatoren und Kinderwagen –, Radfahrer und Rollstuhlfahrer würden zum Ausweichen auf die Straße gezwungen, was „mitunter zu lebensbedrohlichen Situationen“ führe, argumentiert die Fraktion in ihrer Anfrage.

 Alle Tatbestände und deren Anzahl: 


  • Halten auf Gehweg (10 Euro Verwarnungsgeld): 12 Fälle
  • Halten auf dem Gehweg und Behinderung anderer (15 Euro): 1
  • Parken auf dem Gehweg (20): 6061 (5 durchgeführte Abschleppungen)
  • Parken auf dem Gehweg länger als eine Stunde (30): 127 (2 Abschleppungen)
  • Parken auf dem Gehweg und dadurch Behinderung anderer (30): 183 (20 Abschleppungen)
  • Parken auf dem Gehweg länger als eine Stunde und dadurch Behinderung anderer (35): 6 (2 Abschleppungen)
  • Halten auf einem unbeschilderten Radweg (10): 1
  • Halten auf einem unbeschilderten Radweg und dadurch Behinderung anderer (15): 3
  • Parken auf einem unbeschilderten Radweg (20): 29
  • Parken auf einem unbeschilderten Radweg und dadurch Behinderung anderer (30): 7 (2 Abschleppungen)
  • Halten auf einem Radweg (Zeichen 237) (10): 5
  • Halten auf einem Radweg (Zeichen 237) und dadurch Behinderung anderer (15): 2
  • Halten auf einem Geh- und Radweg (Zeichen 240/242) (10): 2
  • Halten auf einem Radweg (Zeichen 237): 114
  • Parken auf einem Radweg (Zeichen 237) und dadurch Behinderung anderer (30): 1
  • Parken auf einem Radweg (Zeichen 237) länger als eine Stunde (30): 1
  • Parken auf einem Geh- und Radweg (Zeichen 240/241) (20): 70
  • Parken auf einem Geh- und Radweg (Zeichen 240/241) und dadurch Behinderung anderer (30): 44
  • Parken auf einem Geh- und Radweg (Zeichen 240/241) länger als eine Stunde (30): 1
  • Parken auf einem Schutzstreifen für den Radverkehr (Zeichen 340) (20): 51
  • Parken auf einem Schutzstreifen für den Radverkehr (Zeichen 340) und dadurch Behinderung anderer (30): 12