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Furiose Fusion mit Querflöte Jin Jim liefern im Lutherhaus starke Soundmixtur

Von Tom Bullmann, Tom Bullmann | 24.02.2017, 19:49 Uhr

Vier Musiker aus dem Raum Köln verwandelten das Lutherhaus mit Querflöte, Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug in ein quirliges Experimentallabor. 

Hoffentlich winkelt er nicht das Bein an, denkt man inständig, wenn Daniel Manrique Smith seiner Querflöte die wildesten Klänge entlockt. Natürlich erinnern das Ploppen, das Überblasen sowie das gleichzeitige Singen und Spielen an die Experimente, die Ian Anderson von Jethro Tull einst zum Querflöten-Pionier machten. Allerdings führt Smith´s Stil und der seiner drei Kollegen zu völlig anderen Ergebnissen. Im Lutherhaus wird kein Progressive Rock gespielt, sondern eine einzigartige Mischung aus Jazz, Worldbeat, klassischer Musik und Rock. Und das Bein winkelt Smith auch nicht an.

Jin Jim heißt die Band, die hier ihr Osnabrück-Debüt feiert – leider vor kleinem Publikum, denn Weiberfastnacht und Orkanwarnung haben dafür gesorgt, dass nicht viele Neugierige ins Lutherhaus gekommen sind. Die, die sich anlocken ließen, erleben dafür eine Band, die mit enormer Spiel- und Experimentierfreude überrascht. Der gebürtig aus Peru stammende Smith sowie Schlagzeuger Nico Stallmann, Kontrabassist BenTai Trawinski und Gitarrist Johann May haben sich für einen musikalischen Weg abseits ausgetretener Pfade entschieden. So hört sich das Flötenspiel beispielsweise wie eine Human Beatbox an, bevor es, statt in einen HipHop-Track überzuleiten, virtuos barocke Melodielinien entwirft.

Traumhaft schnelle Finger an den Basssaiten, unkonventionelle Rhythmik und unerwartete Breaks vom Schlagzeug sowie verzerrte Riffs und andere Effekte vom Gitarristen vermischen sich zu einer unglaublich spannender Klangfusion, die bisweilen auch richtig groovy daherkommt.

Und Humor haben die in Köln heimischen Musiker auch: „Ich komponiere häufig beim Fahrradfahren“, antwortet Stallmann auf die überraschende Frage einer Zuhörerin nach der Herkunft der Stücke. Im Stück „Duende“ treibt dann ein kleiner spanischer Kobold sein Unwesen, der das Quartett im Flamenco-Modus klatschen und rufen lässt.

Träumerische Passagen in „City Lights“, furioses Davondriften in der neuen Komposition „7 x 7 x 7“, dessen Titel sich auf das Siebener-Taktgefüge bezieht, und abwechslungsreiche Stilmixturen in dem Opus „Die Ankunft des Kaisers“ lassen das Konzert zu einem unvergesslichen Ereignis werden.