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Freizeit in der Steinzeit Ursprünge der Menschheit im Museum am Schölerberg

Von Thomas Wübker | 11.02.2017, 19:21 Uhr

Die Ursprünge der Menschheit können am Samstag und Sonntag im Museum am Schölerberg betrachtet werden. Bei den ersten Indoor-Steinzeittagen Deutschlands haben sich vor allem viele Familien darüber informiert, wie das Leben im Osnabrücker Land vor mehreren tausend Jahren ausgesehen hat, und wie die Menschen damals gelebt, gearbeitet und ihre Freizeit verbracht haben.

Die Steinzeit muss unbequem gewesen sein, glaubt der fünfjährige Hannes. Es hat ihm zwar Spaß gemacht, mit dem Bogen zu schießen. Als er aber erfährt, dass sich die Steinzeit-Menschen damit ihr Essen besorgt haben, findet er es doch besser, dass Mama und Papa einfach in den Supermarkt gehen können.

Steinzeitmode

„Die Steinzeit war nicht unbequemer als andere Zeitalter auch“, sagt Klaus Haller, Archäologe und Organisator der Steinzeittage, um dann nachzuschieben: „Ich bin aber dankbar für die technischen Segnungen der Moderne.“ Ohne sie hätte er wohl schwerlich die hochkarätigen Exponate und Experten für die zwei informativen und unterhaltsamen Tage im Museum am Schölerberg zusammenbringen können. Im Fokus standen dabei eine Modenschau aus der Steinzeit, Feuerschlagen, eine Fischereivorführung oder eine Führung zum Großsteingrab auf dem Schölerberg.

Haller selbst zeigte dem Publikum unter anderem, wie aus Bronze Messerspitzen gegossen werden können. Dafür schlug er zwei Feuersteine aneinander, entflammte Stroh und erhitze die Bronze bis sie flüssig war. Dann goss er die Flüssigkeit in eine vorgefertigte Form. Technik der Steinzeit.

Der achtjährige Pierro bestaunte dieses Handwerk zusammen mit seinem Papa Paul Vennemann. Der erzählte, dass der erste Wunsch seines Sohns Paläontologe war. Die Wissenschaft der Menschen vergangener Zeitalter, so die Definition von Paläontologie, ist aber schon Vergangenheit für Pierro. Jetzt will er sein Glück beim Militär versuchen. Beim Gießen der Messerspitze konnte er seine beiden Interessen gut miteinander verbinden.

„Archäo-Gaukler“

Falls Pierro mal Musiker werden und seine paläontologischen Interessen mit ins Spiel bringen möchte, kann er bei Jean-Loup Ringot nachfragen. Er ist Doktor der Geologie, Museumspädagoge und - wie er selbst über sich sagt - „Archäo-Gaukler“. Sein Platz im großen Saal des Museums, wo die Steinzeittage neben dem Amphitheater im Eingangsbereich stattfanden, war der Anlaufpunkt vieler Kinder. Dort konnten sie Spiele der Steinzeit spielen, auf einem Lithophon, einer Art Xylophon aus Feuersteinen spielen, mit Muscheln Töne erzeugen oder mit Steinen Körner mahlen.

Ihre Freizeit haben die Steinzeit-Menschen oft mit Musik verbracht, so Ringot. Er spielte auf Flöten aus Tierknochen und einer „Klarinette“ aus Schwanknochen, die wie eine Schalmei klang. Dazu hatte er ein ganzes Sortiment aus Mammutknochen mit dabei, die als Schlag- und Rhythmusinstrumente benutzt wurde. „Die Steinzeit-Menschen hatte richtige Orchester“, sagte Ringot augenzwinkernd.

Steinzeitfest in Jeggen

Dass die Steinzeit bis in die heutige Zeit präsent ist, zeigt sich vor allem an den Megalith-Gräbern. Eins steht auch in der Nähe des Museums am Schölerberg. Wie sie damals errichtet wurden, zeigten Bodo Zehm und Judith Franzen von der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück an einem Modell. Am 30. April wollen sie einen rund drei Tonnen schweren Findling über Rollen mit Seilen beim Steinzeitfest in Jeggen bewegen.