Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Freie Fahrt für Reformation Ökumene-Führerschein für Ehrenamtliche

Von Bärbel Recker-Preuin, Bärbel Recker-Preuin | 15.06.2016, 19:30 Uhr

Freie Fahrt für die Ökumene und das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017. 16 katholische und evangelische Christen sind gut gerüstet und sie geben ihre Erfahrungen, wie Ökumene gerade im Lutherjahr gelingt, jetzt an andere weiter. Am Ende eines Pilotprojektes beider Konfessionen erhielten sie ihren Ökumene-Führerschein.

Ohne engagierte Gemeindemitglieder liefe in den evangelischen und katholischen Gemeinden in Stadt und Landkreis Osnabrück wesentlich weniger. Weil gerade Ehrenamtliche die Ökumene voranbringen, sparten Generalvikar Theo Paul und Woldemar Flake, Ökumene-Beauftragter im Haus kirchlicher Dienste der evangelischen Landeskirche Hannovers, nicht mit Lob und Dank für die 16 Führerscheinabsolventen. „Ein neuer Geist wird das Reformationsgedenken im nächsten Jahr prägen“, sagte Theo Paul und Woldemar Flake bat die Ehrenamtlichen im Sinne der Ökumene „gemeinsam, stellvertretend, auch eigenständig zu handeln“.

Pilotprojekt „Ökumene-Führerschein“

Auf Einladung von Frieder Marahrens, pädagogischer Leiter der Evangelischen Erwachsenen Bildung, und seinem katholischen Kollegen Frank Buskotte hatten sich die Interessierten im Februar erstmals getroffen. Sie schlossen sich einer Seminarreihe an, die in verschiedenen Aspekten die Geschichte der Reformation in Osnabrück behandelte: Liturgie, Sakramente, kirchliche Strukturen der Konfessionen und ökumenische Möglichkeiten des Reformationsjubiläums. Das Ziel des Führerscheinkonzeptes von Marahrens und Buskotte: Verbindendes und Trennendes der Konfessionen erkennen, Gemeinsamkeiten entwickeln und das Lutherjahr ökumenisch feiern. Der Ökumene-Führerschein soll nun mit neuem Wissen Vielfalt in das Jubiläumsjahr bringen.     

Wissen für die Gemeinden umsetzen

Dass das meiste gelungen ist, zeigte die Resonanz der Teilnehmer beim Abschlussabend in der evangelischen Familien Bildungsstätte. Gelobt wurden vor allem die Exkursionen in beiden Kirchen. Wer einen Führerschein besitzt, will auch fahren. Die Seminarteilnehmer werden sich mit ihrem Wissen in ihren Gemeinden einbringen: in der Jugendarbeit und im Firmunterricht, beim ökumenischen Kirchgang, dem Pilgerweg durch den Stadtteil oder im Erzählcafè, so einige Vorschläge.

Ökumene lebt von Menschen

„In der Ökumene gibt es das Gaspedal, die Bremse – leider auch den Rückwärtsgang“, sagte ein Führerschein-Teilnehmer und sprach damit Probleme an, auf die Ehrenamtliche mit ihren Ideen gelegentlich in den Gemeinden stoßen würden. Es komme auf die Personen – zumeist auf die Pastoren – an, ob die Ökumene in Schwung komme oder nicht“, so die Meinung der Teilnehmer.

Die ersten Ökumene-Führerscheinbesitzer setzen eher auf das Gaspedal, ohne die unterschiedlichen Konfessions-Konturen verwischen zu wollen. Auf alle Fälle sei für neue Wege in einem ökumenisch geprägten Reformationsjubiläumsjahr jede Menge Potenzial vorhanden, freute sich Frank Buskotte.