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Fotografien von Vernon Trent in der Galerie Entwicklungsraum Der Experimentier-Fanatiker

Von Tom Bullmann | 11.09.2011, 18:45 Uhr

Ungewöhnlich: Obwohl in der Galerie Entwicklungsraum Fotografie ausgestellt wird, handelt es sich bei den Exponaten, die es dort zu entdecken gilt, überwiegend um Unikate. Der Grund: Vernon Trent stellt seine Abzüge selbst in der Dunkelkammer her, sodass die Farb- und Helligkeitswerte stets variieren. Außerdem entwickelte er spezielle Techniken, mit denen er seinen Negativen eine individuelle, künstlerische Handschrift verleiht.

Vernon Trent ist ein Experimentier-Fanatiker. Bisweilen gleicht sein Arbeitsplatz einer Giftküche. Zum Beispiel, wenn er Aufnahmen in Nassplattentechnik produziert. Bei dieser historischen Art, mit einer amerikanischen „Wetplate-Camera“ zu arbeiten, muss die belichtete Glasplatte mit einer zyankalihaltigen Flüssigkeit fixiert werden. „Es bietet sich an, mit Mundschutz zu agieren“, sagt der in Rumänien geborene Künstler. Eine dieser Nassplatten-Aufnahmen, ein hockender Akt, ist in der laufenden Ausstellung zu sehen und fasziniert durch seine sanften Konturen.

Trent, der entgegen der Signalwirkung seines Künstlernamens eher klassisch fotografiert, zeigt drei Werkgruppen: Stillleben, vorwiegend Blumen und Blüten, Akte und experimentelle Arbeiten. Für seine Stillleben benutzt er überwiegend Plaubel-Kameras, mit denen er außergewöhnliche Schärfen im Makrobereich erzielt, während die Umgebung, zum Beispiel rund um das Staubgefäß einer Blüte, in weichen Konturen zerfließt.

Bei seinen Akt-Sessions arbeitet er vielseitig: Digitale Kameras setzt er ein, um die Umgebung und das Licht zu ergründen und mit seinem Model die Ergebnisse zu besprechen, für die Realisation seiner Bilder arbeitet er dann mit Analog- und Polaroid-Kameras.

So kommen schließlich sehr sinnliche Fotografien zustande, in denen Trent intensiv mit Licht und Schatten spielt. Wie bei den Fotografien von Mona. Besonders freut es den bei Düsseldorf lebenden Fotografen, dass er die Werke mit diesem Model als Motiv zeigen kann, das er vor einem Jahr porträtierte. Nach der Session verlegte er einen belichteten Film, den er erst jetzt wiederfand – mit Ergebnissen, die nicht nur ihn faszinieren.

Mehrere Aufnahmen von Mona sind in der Ausstellung zu sehen, unter anderem auch ein Experiment, das Trent mit der Folie startete, die man von einem Polaroid-Foto abzieht und normalerweise wegwirft. „Darauf befindet sich ein Negativ des Fotos, das ich auf ein mit Platin-Palladium behandeltes Papier lege. Sonnenlicht sorgt dafür, dass das Foto auf dem Papier entwickelt wird“, beschreibt Trent seine Vorgehensweise. Der Effekt: ein malerisches Foto mit antikem Touch, weil das Ergebnis leicht brauntönig daherkommt.

Dennoch sind die Bilder von Vernon Trent weit davon entfernt, kitschig zu sein. Stattdessen zeichnet sich der Bildkünstler durch eine entschleunigte Ästhetik aus, die der Dunkelheit Raum gibt, Schatten ihr eigenwilliges Spiel treiben lässt, Ungewöhnliches in den Fokus stellt und eine faszinierende Ruhe ausstrahlt.

Galerie Entwicklungsraum (Lohstraße 40/41):„Seance“. Fotografien von Vernon Trent. Bis 4. Oktober(Finissage mit Model Kat Love am 3. Oktober), Di.–Fr. 15–19.30 Uhr, Sa. 11–16 Uhr.