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Fotobuch für den OB Osnabrücker Projekt für Toleranz und gegen Rassismus

Von Markus Strothmann | 01.12.2015, 19:14 Uhr

Während der Internationalen Wochen gegen Rassismus lernten rund 20 muslimische, jüdische und christliche Jugendliche aus Osnabrück die Eigenheiten – und Gemeinsamkeiten – der Religionen und Kulturen der anderen kennen. Ein Fotobuch dokumentiert mit zahlreichen Bildern ihre Treffen in Moschee, Synagoge und der Osnabrücker Polizeiinspektion. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert erhielt jetzt im Rathaus ein Exemplar des Buches.

Die Teilnehmer kannten sich vor dem Projekt größtenteils nicht, fanden aber schnell zusammen. „Wir haben gemerkt, dass unsere Religionen viele Gemeinsamkeiten haben. Die Zeit, die wir zusammen verbracht haben, hat uns zusammengeschweißt, wir sind Freunde geworden“, sagte Karolina Becker bei der Übergabe. Wolfgang Griesert zeigte sich sehr erfreut über das Präsent, aber noch mehr über das Engagement der jungen Leute. „Bücher mit Bildern gewährleisten für mich einen barrierefreien Zugang“, witzelte er, das folgende Lob war aber völlig ernst gemeint: „Religiös motivierte Grüppchenbildung ist eher keine Bereicherung. Wer miteinander redet, kann solche Spaltungen aber leicht überwinden. Vor dem Hintergrund, dass sich die Zusammensetzung unserer Gesellschaft noch mehr verändern wird, auch durch die zahlreichen Flüchtlinge, wird das immer wichtiger.“ Teilnehmerin Jasmin Zeitun bestätigte die Einschätzung, dass das Projekt unter diesem Gesichtspunkt erfolgreich war: „Ich hatte vorher noch nie Freunde oder Bekannte die Juden sind“ – das ist mittlerweile anders.

Eigenes Verhalten reflektiert

Die Dialogbeauftragte der Polizeidirektion Osnabrück Sabina Ide zum Hintergrund: „Der Startschuss kam von der Stadt, naheliegender Ansprechpartner für uns war dann der Präventionsverein Osnabrück. Wir wollten junge Leute reinholen, die das Leben hier in der Stadt ausmachen. Relativ schnell waren dann circa 20 Jugendliche dabei.“

Die Teilnehmer beschäftigten sich bei den Treffen mit den Eigenheiten von Judentum und Islam und tauschten sich aus über selbst gemachte Ausgrenzungserfahrungen, aber auch über Situationen, in denen sie sich selbst intolerant verhalten haben. Den Höhepunkt bildete eine Aktion am Nikolaiort, bei der die Jugendlichen sich mit schwarz-rot-goldenen Stoffbahnen als lebende Deutschlandfahne präsentierten und Passanten einluden, mitzumachen. Viele waren dabei, auch davon sind mehrere Bilder im Fotobuch.

Interesse versus Aversionen

„Man muss sagen, dass Passanten mit offensichtlichem Migrationshintergrund viel schneller am Gespräch interessiert waren, und auch eher bereit, mitzumachen. Viele Urdeutsche waren da skeptischer“, sagte Sabina Ide. Ein älterer Herr ging sogar dazu über, die Jugendlichen mit seiner persönlichen Aversion gegen den Islam zu konfrontieren. „Das haben sie sehr gut gekontert.“ Dua Zeitun von der Muslimischen Jugend Osnabrücker Land: „Das fand ich unter allem Niveau, so junge Menschen derartig anzugreifen.“ Unterm Strich überwogen die positiven Reaktionen aber bei Weitem. Ob die Aktion in der City wirklich den Endpunkt der gemeinsamen Zeit markiert hat, ist indessen noch offen. Avraham Radbil, Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Osnabrück: „In Berlin hat neulich ein neues Hummusrestaurant eröffnet. Es wäre toll, da hinzufahren.“