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Gedenken an „finnische Jäger“ Auf Osnabrücker Johannisfriedhof ruhende Soldaten geehrt

Von Joachim Dierks | 22.02.2019, 16:12 Uhr

Wenig bekannt und kaum beachtet ist das Gräberfeld für die Toten des Ersten Weltkriegs in der V. Abteilung des Osnabrücker Johannisfriedhofs, auf dem ganz hinten rechts auch finnische Soldaten ruhen. 101 Jahre nach ihrem Tod bekamen die zwölf „finnischen Jäger“ jetzt hohen Besuch aus ihrer Heimat und wurden mit Kranzniederlegungen geehrt.

„Jäger“ sind in diesem Zusammenhang nicht Waidmänner, die Wild erlegen, sondern eine Truppengattung des Heeres. Jäger gehören wie Fallschirmjäger oder Gebirgsjäger zur Infanterie. Im Ersten Weltkrieg meldeten sich 1900 junge Finnen als Freiwillige zur Ausbildung im preußischen Jägerbataillon Nr. 27. Sie nahmen nicht nur an Lehrgängen teil, sondern kämpften unter anderem auch an der Kurland-Front auf deutscher Seite gegen Russland. Bürgerlich-demokratische Kräfte in Finnland hatten die Absicht, die gut ausgebildeten und später heimgekehrten Jäger zum Kern einer eigenen Armee zu machen, die Finnland aus der russischen Oberherrschaft befreien sollte.

Eisenbahnunglück

Zwölf dieser finnischen Jäger starben am 15. Januar 1918 bei einem Eisenbahnunglück zwischen Ostercappeln und Bohmte, als ein D-Zug aus Hamburg auf ihren Militärzug auffuhr. Insgesamt waren 31 Tote und 66 Verletzte zu beklagen, die meisten von ihnen deutsche Soldaten auf dem Weg in den Fronturlaub. Mit militärischem Zeremoniell wurden die finnischen Soldaten an der Seite ihrer deutschen Kameraden auf dem Johannisfriedhof beigesetzt.

In der finnischen Öffentlichkeit genießen die preußisch ausgebildeten Jäger eine besondere Verehrung, weil sie für die Erlangung der finnischen Unabhängigkeit vom zaristischen wie auch später vom bolschewistischen Russland stehen. Der Traditionsverband der finnischen Jäger hat dabei die zwölf in Osnabrück bestatteten Mitglieder nicht vergessen und schon beizeiten ihre Grabsteine mit dem Jäger-Ehrenkreuz in Bronze verziert.

Jägerstiftung ehrt ihre Toten

Eigentlich schon zu ihrem 100. Todestag sollten die Zwölf nochmals eine besondere Ehrung durch Aufstellen einer Gedenk- und Informationstafel auf dem Johannisfriedhof erfahren. Aus terminlichen Gründen gingen 101 Jahre ins Land. Doch das tat der Feierlichkeit keinen Abbruch, als jetzt eine hochrangige Delegation von neun ehemaligen Generälen und Offizieren der finnischen Jägerstiftung Kränze und Blumengestecke an den Gräbern niederlegte. Zwei Mitglieder der Delegation hatten eine besonders enge Beziehung, weil zwei der hier Ruhenden zu ihrer Verwandtschaft gehören. Eine Abordnung des Reservisten-Verbandes der Bundeswehr, der gemeinsam mit der Kriegsgräber-Fürsorge für die Pflege des Gräberfeldes einsteht, säumte mit brennenden Fackeln den Weg zu den Gräbern.

Der Präsident der Jägerstiftung, Generalmajor a. D. Jukka Pennanen, enthüllte gemeinsam mit Osnabrücks Finanzvorstand Thomas Fillep die Gedenktafel. Deren Zustandekommen geht auf die Zusammenarbeit von städtischer Friedhofsverwaltung im Osnabrücker Servicebetrieb, vertreten durch Eva Güse, mit dem Förderkreis Hasefriedhof-Johannisfriedhof, vertreten durch Rainer Hafke und Niels Biewer, zurück.

Stipendium fürs GSG

Fillep bezeichnete die Veranstaltung als ein „wunderbares Beispiel gelebten europäischen Zusammenhalts“ in der Friedensstadt Osnabrück. Pennanen dankte in perfektem Deutsch der Stadtverwaltung und den Osnabrücker Bürgern, dass sie das Gedenken an seine finnischen Landleute auch zu ihrer Sache gemacht hätten, und speziell der Witwe des Osnabrücker Geschichtsforschers Koch, dessen Untersuchungen zu den finnischen Jägern er für das finnische Nationalarchiv entgegennehmen durfte. Gleichzeitig übergab er ein mit 1000 Euro dotiertes Stipendium an die Fachschaft Geschichte des benachbarten Graf-Stauffenberg-Gymnasiums, vertreten durch Lehrerin Sylvia Landscheidt, auf dass die Erinnerung an wichtige Epochen der europäischen Geschichte auch durch aktuelle Nachforschungen wach bleibe. Der in Osnabrück lebende finnische Theologe Juha Eerola stimmte „Ein feste Burg ist unser Gott“ an, das erst auf Finnisch und dann auf Deutsch gesungen wurde. Ein Empfang im historischen Friedenssaal des Rathauses rundete den Besuch der finnischen Delegation ab.