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Filmpremiere im Haus der Jugend Mitch Miller wandert als Römer durch Europa

Von Claudia Sarrazin | 21.09.2016, 13:31 Uhr

In Römerrüstung und mit Hund reiste der Osnabrücker Mitch Miller durch Europa und ließ sich dabei von seinem Kamerateam begleiten. So entstand ein ungewöhnliches Porträt von Europa, das Millers Firma und Reiseblog „Walk´n Travel“ im Haus der Jugend zeigt.

Mit einer 30 Kilogramm schweren Römerrüstung reiste der Osnabrücker Mitch Miller im Sommer 7000 Kilometer durch 13 europäische Länder. „Mein Ziel war es nicht, alles zu Fuß zu erwandern, mir ging es um den interkulturellen Austausch“, erklärte Miller: „Die AfD und der unterschwellige Hass den Flüchtlingen gegenüber, das hat mich echt genervt“, erläuterte er seine Motivation für die Reise. Davon abgesehen interessiere er sich sehr für Geschichte und die Römerzeit.

Planänderung kurz vor der Abreise

Ursprünglich wollte Miller in drei Wochen als Römer gekleidet die Alpen überqueren. Die Planungen dafür dauerten rund zwei Monate. „So lange habe ich gebraucht, bis ich alles beisammen hatte“, berichtete Miller, der sich seine rund 2000 Euro teure Römerrüstung „mühevoll im Internet“ zusammen kaufen musste. Denn Römerrüstung von der Stange gibt es nicht – auch nicht bei Vereinen und Fans der Antike, die Schlachten der Römer nachstellen oder deren Lagerleben möglichst originalgetreu nachleben. „Zwei Tage bevor es losging, habe ich es mir anders überlegt“, so der Osnabrücker, der am nächsten Tag seine Kollegen Carolin Rupp und Jake Mason über die Planänderung informierte. Das Schild der Ausrüstung war gerade angekommen, als die Gruppe ihre Reisplanung auf den letzten Drücker über den Haufen warf. Zu den neuen Stationen Tour gehörten nun unter anderem Italien, Slovakei, Kroatien, Albanien und Rumänien.

Auf der Straße unterwegs

Rund 500 Kilometer marschierte Miller in Stahl und Leder, den Rest legte er mit seinen beiden Hunden, den Husky-Mischlingen Bella und Kuura, per Anhalter zurück. Sein Tagesziel seien meist 15 Kilometer gewesen, erklärte Miller, der seine Wasserreserve und sein Gepäck stets in einem Beutel an seinem Speer baumelnd trug und mit seinen Hunden meist unter freiem Himmel übernachtete. Tagsüber musste Miller feststellen, dass seine Römersandelen aus Leder schon nach kurzer Zeit schmerzhaft ins Fleisch einschnitten. Er sei daher viel barfuß gelaufen, erzählte Miller, der auch lernte, dass die Schulterplatten einer Römerrüstung  durch die Reibung und bei heißen Außentemperaturen „sehr fiese Stellen“ auf der Haut hinterlassen. Einmal probierten Miller und sein Team zudem auch aus, ob sich auf der heißen Rüstung Spiegeleier braten lassen. Und ein anderes Mal teste Miller in einem Fluss, ob man mit Rüstung schwimmen gehen kann oder sofort untergeht. Die Ergebnisse dieser Experimente sind in seiner Dokumentation zu sehen.

Ein Selfie mit dem Römer

„Jedes Land hat mich gut aufgenommen, die meisten haben mich angelacht, viele Autos haben gehalten, die Kinder waren begeistert, und ich habe 200 bis 300 Selfies mitgemacht“, fasste Miller die Reaktionen zusammen, die er unterwegs erhielt. „In Venedig haben mich die Touristen überhaupt nicht wahrgenommen, aber die Verkäufer haben alle geguckt: Was macht der da“, berichtete Miller weiter, der sich außerdem gerne an „superschöne Strecken und sehr, sehr frisches Obst sowie Lavendelhonig“ erinnerte.

Reisen als Beruf oder Berufung

Mit seinen 25 Jahren hat Miller bereits mehr als 100 Länder auf sechs Kontinenten bereist. Er arbeitet als Reisejournalist, betreibt den Reiseblog „Walk´n Travel“ und tourt mit dem Format „Reiselust“ durch Deutschland. Das ist eine neue Form der seit Jahrzehnten beliebten „Diavorträge“ über Reisen. Diese heißen auch heute noch meist so, obwohl es sich meist um Powerpoint-Vorträge handelt. Bei „Reiselust“ kommen pro Abend mehrere sehr unterschiedliche Reisende – vom Studenten bis zum Rentner, vom Urlauber bis zum Reiseprofi – zu Wort. Und am Ende wählt das Publikum seinen Favoriten. Auf die Frage nach seinen drei liebsten Reisezielen antwortete Miller: „Nepal, Alaska und Peru, aber es gibt nicht den schönsten Ort.“ Und welches Reiseequipment hat der Outdoorspezialist als Römer in Europa unterwegs am meisten vermisst? „Meine Luftmatratze und Bücher, ich habe keinen Kindle“, antwortete Miller ohne zu überlegen.