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Feinste Einblick in den Körper Osnabrücker Strahlenklinik verbessert Diagnostik bei Krebs

Von PM. | 21.12.2015, 11:01 Uhr

Das Klinikum Osnabrück hat als erstes Krankenhaus in der Region ein fest installiertes PET-CT in Betrieb genommen. Das in einem Container-Anbau des Gebäudeflügels der Röntgen- und Strahlenklinik aufgestellte Großgerät ermöglicht dreidimensionale Aufnahmen aus dem Inneren des Körpers, auf denen Tumore und entzündliche Erkrankungen sowie auch eine Veranlagung für die Alzheimer-Erkrankung deutlich besser als mit anderen bildgebenden Verfahren erkannt werden können.

Nach den Worten von Prof. Dr. Bernd Tombach, dem Chefarzt der Röntgen- und Strahlenklinik, vereint die Untersuchung in einem PET-CT das Beste aus zwei Welten – nämlich der Radiologie und der Nuklearmedizin, wie es in einer Pressemitteilung des Klinikums heißt.

Das Verfahren kombiniert die Computer-Tomografie (CT), bei der die inneren Körperstrukturen mit Röntgenstrahlen hochaufgelöst sichtbar gemacht werden, mit der Positronen-Emissions-Tomografie (PET), die durch schwach radioaktive Substanzen, so genannte Tracer, die Aktivität von Tumoren oder Entzündungen anzeigt. Aus dieser Kombination beider Untersuchungstechniken zu einem sogenannten Hybridverfahren resultiert eine maximale Genauigkeit und Empfindlichkeit.

Kleinste Tumoren können erkannt werden

Aktive Tumorzellnester können mit dem PET-CT bereits ab einer Größe von fünf bis sieben Millimeter erkannt und genau im Körper geortet werden. Wenn die PET- und CT-Untersuchungen einzeln gemacht werden, können wichtige Informationen verloren gehen. So sind auf alleinigen CT-Bildern kleinere Tumore nicht immer eindeutig als solche zu identifizieren und auf PET-Bildern ist dagegen keine genaue räumliche Zuordnung der Befunde im Körper möglich. Letztendlich ist jedoch die präzise Aussage über Ausdehnung und Aktivität einer Tumorerkrankung von entscheidender Bedeutung für die Wahl des individuellen Behandlungsverfahrens.

Da sich auf den PET-CT-Aufnahmen genau erkennen lässt, ob sich die Aktivität von Tumorzellen durch Therapiemaßnahmen verändert hat, sind sie auch zur Kontrolle gut geeignet. „Die Aufnahmen aus dem PET-CT ermöglichen es uns, die Therapien viel besser als bisher individuell auf die Patienten abstimmen zu können. So lässt sich mit solchen Aufnahmen zum Beispiel entscheiden, ob die Patienten bei einer Chemotherapie noch weitere Zyklen durchlaufen müssen beziehungsweise ob eine ergänzende Strahlentherapie noch nötig ist“, sagt Tombach.

Mediziner einig: Neue Technik ist die Zukunft

Wie die Nuklearmedizinerin Dr. Vika Müller-Kniefert und Privatdozent Dr. Hendrik Bolte von der Röntgen- und Strahlenklinik erklären, werden die Befunde immer gemeinsam von Radiologen und Nuklearmedizinern besprochen. Im Anschluss wird mit den behandelnden Ärzten aus weiteren Fachrichtungen im Rahmen wöchentlicher interdisziplinärer Tumorkonferenzen die jeweilige Therapie festgelegt. „In der gemeinsamen Befundung liegt ein entscheidender Vorteil gegenüber der Einzelauswertung beider Verfahren“, sind sich Müller-Kniefert, Bolte und Tombach einig. Alle drei sehen in der PET-CT „das bildgebende Untersuchungsverfahren der Zukunft“.

Seit 2008 wird die PET-Technologie bereits auf dem Finkenhügel genutzt – allerdings war das Gerät nur einmal wöchentlich für ambulante Untersuchungen auf einem Truck verfügbar. Wie Chefarzt Tombach verdeutlicht, soll den Patienten auf dem Finkenhügel die bestmögliche medizinische Versorgung geboten werden, deswegen habe sich die Geschäftsführung schnell für die Anschaffung eines PET-CT entscheiden. Die Untersuchungen im PET-CT können fast ohne Wartezeiten durchgeführt werden, sie werden ambulant gemacht und sind über die Nuklearmedizin im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) am Klinikum Osnabrück auch für „externe“ Patienten per Überweisung vom Haus- oder Facharzt zugänglich.

Ablagerungen im Gehirn werden angezeigt

Vorteil: Die „Röhre“ im PET-CT hat einen größeren Durchmesser als andere derartige Geräte. „Darin ist es längst nicht so eng“, so Müller-Kniefert. Ähnlich wie bei anderen Tomografie-Verfahren werden die Patienten liegend durch eine Röhre gefahren und von einem rotierenden Scanner umrundet, der unzählige Schnittbilder aufnimmt, die vom Computer zu einem 3D-Modell des Körpers zusammengerechnet werden, in dem Knochen, Weichteile, Entzündungsherde und Krebsherde hochauflösend dargestellt sind. Durch die zeitgleiche Markierung mit dem Tracer können aktive Tumoren von Narbengewebe oder Entzündungen unterschieden werden. Auch in der Neurologie und in anderen medizinischen Disziplinen leisten die PET-CT-Aufnahmen gute Dienste. „Wir können zum Beispiel Ablagerungen im Gehirn, die auf eine Veranlagung für die Alzheimer-Krankheit hindeuten, viel früher und genauer – oft vor Ausbruch der eigentlichen Erkrankung- erkennen“, so Müller-Kniefert.

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Problem bei PET-CT: Während die Untersuchungen in anderen europäischen Ländern ebenso wie in den USA bei einer Vielzahl von Krebsarten von den Krankenkassen getragen werden, müssen in Deutschland für alle Patienten einzelne Kostenübernahmeanträge gestellt werden. „Bei uns sind die Untersuchungen bisher nur bei Bronchialkarzinomen und eingeschränkt auch bei Lymphomen anerkannt. Die Kostenübernahme wird mittlerweile aber auch vielfach bei anderen Krebsarten bewilligt, wobei sie aber immer einzeln beantragt werden muss und Stellungnahmen vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) nötig sind. Das ist viel Aufwand, aber wir stellen diese Anträge natürlich gerne für unsere Patienten und wir setzen uns für eine Anerkennung des Verfahrens ein“, so Müller-Kniefert.