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Faszination für Roxette-Frontfrau Für Marie bis ans Ende der Welt

Von Sarah Engel | 19.07.2014, 22:50 Uhr

Mit neun Jahren entdeckte Manuel Terron eine Kassette, die sein Leben veränderte. Die Melodie ließ ihn nicht mehr los, die Stimme verzauberte ihn. Seine Leidenschaft für Marie Frederiksson, Sängerin der Band Roxette, war geboren und begleitet ihn bis heute.

Seine Leidenschaft begann mit einem Diebstahl. Heimlich schlich sich Manuel Terron ins Zimmer seiner großen Schwester, ein blitzschneller Griff in den Kassettenrekorder, und schon hatte er das Mixtape in seiner Hand. Roxette stand in kleinen Lettern auf dem Tonträger. Es war 1988 und Manuel Terron neun Jahre alt. Wilde Frisuren oder verrückte Glitzerkostüme interessierten den Knirps damals nicht. Als er die Kassette in den Rekorder legte, nicht ahnend, was ihn erwarten würde, war es um ihn geschehen. „Ihre Stimme hat mich umgehauen“, gesteht der heute 35 Jahre alte Osnabrücker.

Marie Frederiksson, Sängerin der schwedischen Band Roxette, ließ ihn seit diesem Tag nicht mehr los. Er kaufte Platten, schnitt jede noch so kleine Meldung über sie aus Magazinen wie Bravo, Pop Rocky oder Popcorn aus und befüllte damit Aktenordner. Noch heute lagert er in seinem Keller neben alten Postern vier schwere Mappen – voller Schnipsel und Titelseiten. Wer sie öffnet, blättert sich neben deutschen, schwedischen, dänischen oder polnischen Covern die Bandgeschichte entlang. In der analogen Welt der 90er-Jahre fand Terron über den Fanclub der Band Brieffreunde aus aller Welt. „Die Deutsche Post hat damals richtig gut an uns verdient“, erzählt der Friseur und lacht. An sein erstes Konzert erinnert sich Terron, als ob es gestern gewesen wäre. 1994 erlebte er Marie und ihren Bandkollegen Per Gessle zwischen 15 000 Menschen live. Ein Erlebnis, das in den nächsten zwanzig Jahren um persönliche Treffen getoppt wurde.

Für Marie und ihre Musik bereiste er Städte in der ganzen Welt, 2000 begegnete er ihr zum ersten Mal persönlich. Kurz zuvor hatte der begeisterte Hobby-Zeichner der Sängerin ein Porträt von ihr mit der Bitte, dieses zu signieren, gesandt. „Ich erinnere mich an dich“, begrüßte die Künstlerin ihn. „Dein Bild habe ich dir schon zurückgeschickt.“ Ein Schnappschuss des Treffens schmückt neben CDs, Platten, persönlichen Autogrammen und natürlich der Kohlezeichnung seine Wohnung am Schölerberg.

Als 2002 Frederikssons Krebserkrankung öffentlich wurde, geriet Manuel Terrons Welt aus den Fugen. „Ich war nur am Flennen, musste meine Schwester anrufen“, erinnert er sich. Die Notoperation der Künstlerin ging ihm sehr nah. Sie ist mehr für ihn als nur eine Sängerin. Wenn er über Frederiksson spricht, klingt es, als sei sie eine gute Bekannte. Er mache sich oft Sorgen über ihre Gesundheit, frage sich, warum sie sich, gezeichnet von ihrer Krankheit, heute noch Konzerte antut. „Aber ich merke, sie will einfach fetzen, sie braucht das“, überlegt er laut. Terron bewundert die Kraft der Sängerin, ihre Willensstärke inspiriert ihn. „Klar, belächeln mich einige dafür“, gibt er zu. Kritikern begegnet er gerne mit einer Gegenfrage: „Für was brennst du?“ Erst dann werden viele nachdenklich, realisieren, dass ihnen diese Lebensfreude im Alltag fehlt.

Von Februar bis April gab Marie Frederiksson in Schweden eine kleine Solotournee. Terron war selbstverständlich dabei. Von Osnabrück aus fuhr er jedes Wochenende in den Norden, nahm 1000 Kilometer lange Zug-, Auto- und Fährreisen auf sich. Am Abend nach den Shows wartete er in der Lobby auf sie. Ein kurzes Gespräch, eine kleine Umarmung. Dabei achtet Terron darauf, die Frontfrau nicht zu nerven. „Ich stehe nicht jeden Abend im Hotel parat wie viele andere“, sagt er und betont, dass er das Wort „Fan“ gar nicht mag. „Das klingt mir zu sehr nach fanatisch.“ Vielmehr will Terron seine Unterstützung zeigen. Nach ihrer Erkrankung habe er sich gefragt: „Wie lange wird das für sie noch funktionieren?“ Das sei der Punkt gewesen, ab dem seine Leidenschaft exzessiv wurde. Er widmete ihr ein Buch mit seinen Zeichnungen, sandte ihr ein Exemplar zu. Auf YouTube veröffentlichte er ein Video über seine Leidenschaft zu der Künstlerin. In eine eigens kreierte Lederjacke steckte er stundenlange Arbeit. Frederiksson zeigte sich gerührt. „Oh shit“, rief sie beim Anblick der Jacke überrascht, zückte ihren Stift und signierte das Stück. Selbst Frederikssons Mann weiß inzwischen, wer Manuel Terron ist.

Dieser wollte während der kleinen Schwedentour jeden Moment mit der Sängerin auskosten, ihre Musik festhalten für schlechte Zeiten. Als Ende April die Abschlussshow in Stockholm endete, entschied er für sich kürzerzutreten. „Schöner und intimer kann es nicht werden“, weiß Terron. Nur wenige Wochen später wurden seine Pläne durchkreuzt. Die Band der Sägerin hatte es schon angedeutet, durch die Presse wird es offiziell: Roxette gehen Ende des Jahres auf große Welttournee. Auch Manuel Terron wird wieder mit dabei sein.

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