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Fall für Apothekerkammer erledigt Rausschmiss aus Osnabrücker Apotheke: Keine Konsequenzen

Von Sebastian Stricker | 28.05.2014, 12:39 Uhr

Der Osnabrücker Apotheker, der im Herbst 2013 einer angeblich unterzuckerten jungen Diabetespatientin seine Hilfe verweigert haben soll, hat nach Einstellung des Strafverfahrens auch keine disziplinarischen Maßnahmen durch die Apothekerkammer Niedersachsen zu befürchten. Das teilte der Anwalt des Apothekers jetzt auf Nachfrage der Neuen Osnabrücker Zeitung mit.

„Es besteht von unserer Seite kein Handlungsbedarf. Der Vorgang ist für die Apothekerkammer erledigt“, heißt es in einem der Redaktion vorliegenden Schreiben des Kammerjustiziariats. Es sei nicht nachzuweisen, dass es eine erkennbare Notlage gegeben und der Apotheker seine Berufspflicht schuldhaft verletzt hat.

Die Kammer prüfte den Fall, nachdem der Vater der Diabetespatientin sich dort über das mutmaßliche Fehlverhalten des Apothekers beschwert hatte. Seine 15-jährige Tochter soll im Herbst 2013 den Apotheker mit dem Hinweis, akut unterzuckert zu sein, um kostenlosen Traubenzucker gebeten haben. Geld für eine Packung aus dem Verkaufsregal hatte sie nicht dabei. Der Apotheker schickte das Mädchen weg, weil er nach eigenen Angaben weder die gewünschten Gratisbonbons auf Lager hatte noch eine abzurechnende Tüte anbrechen wollte. Ferner habe er keinerlei bekannte Symptome eines Zuckermangels wie Zittern und Schwitzen festgestellt. Der Apotheker habe vielmehr den Eindruck gehabt, dass das Mädchen „gerade Wert auf einen Geschenkartikel gelegt habe, den Apotheken normalerweise vorrätig haben“, zitiert die Rechtsabteilung der Kammer aus einer schriftlichen Stellungnahme des Anwalts.

Bei der Untersuchung des Vorfalls bediente sich die Apothekerkammer auch der Akten von Strafverfolgungsbehörden. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hatte im Oktober ein Ermittlungsverfahren gegen den Apotheker wegen des Verdachts auf unterlassene Hilfeleistung eröffnet, dieses aber im Januar gegen Zahlung von 500 Euro eingestellt.