Ein Artikel der Redaktion

Fairytale-Festival 2015 in Osnabrück Nach Feuerschwanz-Ausladung: Band Unzucht spricht von Zensur

Von Sebastian Stricker | 29.05.2015, 08:05 Uhr

Mit Sorge verfolgen andere Bands des Fairytale-Festivals 2015 in Osnabrück die Vorgänge um die ausgebootete Mittelalter-Rockgruppe Feuerschwanz. Die Sexismus-Vorwürfe aus Reihen des Veranstalters könnten „Leben und Karrieren zerstören“, sagte ein Sprecher der Band Unzucht unserer Redaktion am Donnerstag. Die nachträgliche Streichung des Headliners sei „Zensur“.

Noch gehört die Band Unzucht zwar zum Line-up für das Fairytale-Festival 2015 am 13. Juni im Schlossinnenhof. Aber nach dem mit „frauenfeindlichen Textinhalten“ und Angst vor Randale begründeten Auftrittsverbot für Feuerschwanz sind auch die Musiker aus Leipzig ins Blickfeld der autonomen Referate des Uni-Asta gerückt . Grund: Mit „Kleine geile Nonne“ haben sie ein Lied im Repertoire, das die Lesben- und Schwulenvertretungen nach eigenen Angaben „problematisch“ finden. (Weiterlesen: Schaltet Feuerschwanz Anwalt gegen Uni-Asta ein?) 

Für Unzucht zunächst ein Grund zum Lachen. In einem Eintrag auf ihrer Facebook-Seite heißt es dazu: „Nachdem die Kollegen Feuerschwanz vom diesjährigen Fairytale Festival ausgeschlossen wurden, warten wir dann einfach mal ab, ob die Unzucht denn nun auftreten darf, haha.“ Doch inzwischen sei die Stimmung in der Band umgeschlagen, wie Schlagzeuger und Manager Toby Fuhrmann unserer Redaktion auf Nachfrage erklärt. „Das grenzt an Rufmord. Solche Vorwürfe sind supergefährlich, sie können Leben und Karrieren zerstören. Dafür gibt es viele Beispiele.“ Auch wenn – wie in diesem Fall – überhaupt nichts dran sei, „es bleibt immer etwas hängen“. Er könne es deshalb verstehen, wenn Feuerschwanz sich dazu entschließen sollte, die Sexismus-Vorwürfe einer strafrechtlichen Würdigung zu unterziehen. (Weiterlesen: Feuerschwanz kontert Sexismus-Vorwurf: alles Satire) 

„100-prozentig lustig gemeinte Lieder“

Die autonomen Referate des Uni-Asta hätten mit ihrem Anspruch auf Deutungshoheit über „100-prozentig lustig gemeinte Lieder, über die sich noch nie jemand aufgeregt hat“ unvorsichtig und anmaßend gehandelt, so Fuhrmann weiter. „Tausend Fans zu verbieten, Lieder zu hören, mit denen Einzelne ein Problem haben, geht gar nicht.“ Es sei „erschreckend“, welchen Einfluss eine „winzige Minderheit“ hier geltend gemacht habe, obwohl deren Einwände gegen das Line-up des Fairytale-Festivals 2015 „zu spät“ gekommen sei. So werde ihr Anliegen, für Gleichberechtigung einzutreten, konterkariert. Seine Empfehlung: „Die autonomen Referate sollten sich auf tatsächliche Probleme konzentrieren und nichts herbeireden.“

Der angekündigten Sexismus-Prüfung von Unzucht-Titeln sieht der Manager gelassen entgegen. „Ich wüsste nicht, was sie bei uns finden sollen.“ Der Song „Kleine geile Nonne“ sei als Beleg für Frauenfeindlichkeit genauso ungeeignet wie etwa die von den autonomen Asta-Referaten besonders beanstandete Feuerschwanz-Nummer „Wunsch ist Wunsch“. Unter dem Strich sei die Entscheidung des Veranstalters, Feuerschwanz vom Fairytale-Festival 2015 auszuladen, „total lächerlich“. Toby Fuhrmann: „Eine Band nicht zu buchen, ist keine Zensur. Sie wieder auszuladen, dagegen schon.“