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Facebook und Grillverbot Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl in der Lagerhalle Osnabrück

Von Kathrin Pohlmann | 05.09.2011, 15:38 Uhr

Eine Podiumsdiskussion für Jugendliche am Abend eines normalen Wochentags? Das klingt vielleicht erst einmal langweilig, aber an diesem Abend waren die Jugendlichen gefragt, spannende Themen, die sie in Osnabrück bewegen, auf den Tisch zu bringen. Sie hatten die Chance, den Politikern aus sechs Parteien ordentlich auf den Zahn zu fühlen, ihre Fragen zu stellen, zu diskutieren und kritisch nachzuhaken.

Der Bund der deutschen katholischen Jugend Osnabrück-Stadt und der Stadtjugendring hatten in die Lagerhalle eingeladen, um vor der Kommunalwahl über Themen wie Jugendarbeit, Beteiligung von Jugendlichen an der Stadtpolitik und die Förderung benachteiligter Schüler zu diskutieren. Moderiert wurde die 90-minütige Runde von Michael Schiffbänker von der Neuen Osnabrück Zeitung.

„Ich habe das Gefühl ihr werdet nicht ernst genommen“, sagte Maik Schoske (Linke) eingangs und betonte, dass nie etwas aktiv für Jugendliche getan werde. Dass Jugendliche mehr unterstützt werden müssten, der Meinung war auch Anne Hüttl (Grüne). Gleichzeitig aber sagte sie, dass Jugendliche auch Verantwortung übernehmen und Initiative zeigen sollten.

Initiative zeigten die Zuhörer, als es um ihre Fragen ging, die sie aufschrieben und per Zettel an den Moderator weitergaben. Wird es ein Grillverbot in Osnabrücks Schlossgarten geben? Oder: Sind die anwesenden Politiker in sozialen Netzwerken aktiv? Zum Thema Grillverbot waren sich alle Parteien einig: Das wird nicht kommen.

Bei den sozialen Netzwerken gingen die Meinungen auseinander. „Ja, natürlich bin ich bei Facebook vertreten. Das ist für junge Leute unerlässlich und wichtig“, sagte Marius Keite (CDU). Charlotte Winkler (FDP) war der gleichen Meinung: „Wir präsentieren auf Facebook Inhalte und Fotos. Für uns ist das unerlässlich geworden.“ Die Vertreter der anderen Parteien stehen sozialen Netzwerken kritisch gegenüber. „Ich bin in keinem Netzwerk. Wer Spaß daran hat, der soll es machen“, sagte Ulrich Sommer (SPD) und bekam Unterstützung von Wulf-Siegmar Mierke (UWG). „Ich bin weder bei Facebook noch bei Twitter. Man sollte vorsichtig damit umgehen, die rechte Szene nimmt das viel in Anspruch. “

Auch bei dem Thema Schule diskutierten die sechs Vertreter der Parteien untereinander ohne die Beteiligung der anwesenden Jugendlichen. „Unser Bildungssystem ist ein Auslaufmodell, denn viele Jugendliche haben mit ihrem Abschluss keine Perspektive – Hauptschüler zum Beispiel“, erklärte Ulrich Sommer (SPD). Beim Stichwort Inklusion, dem gemeinsamen Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern, meinte Anne Hüttl (Grüne): „Die Umsetzung ist schwierig, denn es müssen kleinere Klassen geschaffen und mehr Betreuung angeboten werden.“ Vor allem fehle es an Geld und Ideen für die Umsetzung, sagte Ulrich Sommer (SPD).

Organisatorin Melanie Jacobi vom Katholischen Jugendbüro war „gut zufrieden“ mit der Veranstaltung und mit der Anzahl der Gäste, aber eine lebhafte Diskussion zwischen Politikern und Jugendlichen kam nicht zustande. „Es stimmt, die Diskussion war nicht sehr kontrovers“, sagte die Organisatorin.

„Was für eine blasse Veranstaltung. Ist die Jugend von heute denn so langweilig?“, fragte sich Marianne Reiners nach der Diskussionsrunde. Die ältere Dame hätte sich mehr Engagement und Leidenschaft seitens der Jugendlichen gewünscht.

Besucher Sebastian Stanik musste sich nicht von den Politikern überzeugen lassen, denn er wusste im Vorfeld schon, wem er am 11. September seine Stimme geben wird. „Ich fand die Veranstaltung informativ, unentschlossenen Wählern hat sie sicher geholfen.“ „Das Fazit der Jugendlichen fiel sehr positiv aus“, sagte Melanie Jacob abschließend.