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Es fehlt das Geld Raumnot an Osnabrücker Schulen wird immer größer

Von Dietmar Kröger | 12.02.2017, 14:16 Uhr

Da behaupte noch mal jemand, Osnabrücks Politiker seien sich nicht einig, wenn es um den Zustand der Osnabrücker Schulen geht. „Wir haben einen Sanierungsstau in der öffentlichen Infrastruktur, das geht auf keine Kuhhaut“, durfte Jens Martin (SPD) unwidersprochen in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses behaupten.

Der Ausschuss widmete sich ausführlich dem Thema „Schulbauten“, das aus einer Anfrage der SPD hervorgegangen war. Überhaupt: Die Damen und Herren Kommunalpolitiker ließen sich Zeit, die Fragen, die ihnen offensichtlich unter den Nägeln brannten, in Ruhe zu diskutieren. So wurde die Sitzung in Teilen schon fast zu einer Generaldebatte, der der neue Schuldezernent Wolfgang Beckermann mit Interesse folgte.

Schülerzahlen steigen

Die Diskussion über den baulichen Zustand der Osnabrücker Schulen entwickelte sich aus der Anfrage der SPD an die Verwaltung, ob die Ausbaustandards von Schulgebäuden neu an heutige Bedürfnisse angepasst werden müssen. Fraglich sei vor allem, wie flexibel auf sich verändernde Schülerzahlen reagiert werden könne zum Beispiel durch den Einsatz von Containern oder modernen modularen Bautechniken, die ein Umsetzen von Schulraum je nach Bedarf an verschiednen Orten möglich macht.

Ausschussvorsitzender Jens Martin (SPD) fand, wie auch die Vertreter der anderen Parteien, die schriftliche Antwort der Verwaltung nicht erschöpfend genug.

Schulen vor dem Raumkollaps

Gleichwohl bot sie ihm und seinen Kollegen Anlass, über das bislang noch nicht geklärte Problem der Umstellung der Gymnasialzeit von acht auf neun Schuljahre zu diskutieren. Wenn demnächst ein Jahrgang mehr an den Schulen unterzubringen ist, drohen die schon jetzt zum Teil äußerst knappen Raumressourcen den endgültigen Kollaps zu erleben. Das in diesem speziellen Fall mit Containerklassen Abhilfe zu schaffen ist, wie von der Verwaltung ins Spiel gebracht, mochte der Ausschuss so recht nicht glauben. Petra Knabenschuh erinnerte an das Konnexitätsprinzip. „Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen“, meinte die CDU-Ratsfrau und verwies damit auf das Land Niedersachsen, dass die Umstellung von G8 auf G9 beschlossen hatte.

Beim neuen Schuldezernenten stieß sie damit durchaus auf fruchtbaren Boden. „Machen sie das gerne in Ihren Parteien zum Thema“, forderte Wolfgang Beckermann die Ausschussmitglieder auf, das Problem nach Hannover zu tragen. Die Grenzen der Nettoneuverschuldung legten der Stadt enge Fußfesseln an und das, obwohl – so Beckermanns kritischer Hinweis – derzeit die Zinsen Investitionen durchaus sinnvoll erscheinen ließen.

Schulraum ist Lebensraum

„Wir haben viele Übergangslösungen mit Containern, die zu dauerhaften Lösungen geworden sind“, merkte der Vorsitzende des Stadtelternrates Wolfgang Schaefer an. Und Elisabeth Neumann gab Wissenswertes aus ihrem reichen Erfahrungsschatz im Schulausschuss preis: „ Ich bin seit etwa 30 Jahren in diesem Ausschuss und das war immer ein Thema.“ Früher sei billig und schnell gebaut worden, „deswegen beschäftigt uns das Problem bis heute“. Neumann forderte, den baulichen Zustand der Osnabrücker Schulen grundlegend zu diskutieren. Allerdings dulde das Thema keinen Aufschub. „Wir haben da nicht mehr viel Zeit“, denn Schulraum sei auch Lebensraum, sagte Neumann, während Brigitte Strangmann (Grüne) den Raum als den dritten Pädagogen bezeichnete und wie Neumann eine ebenso gründliche wie zeitnahe Debatte anmahnte.

Ausstattung im Landkreis besser

Ein wichtiger Faktor sei die Entwicklung der Schülerzahlen, so Martin. Nachdem die Stelle des Statistikers im Fachbereich Schule nun nach langer Zeit wieder besetzt sei, hoffe er auf Zahlen, mit denen Politik und Verwaltung die weitere Schulentwicklungsplanung in Angriff nehmen können. Neumann erinnerte daran, die Entwicklung im Landkreis in die Überlegungen einzubeziehen. Dort schlafe man nicht, mahnte die Christdemokratin, die Konkurrenzsituationen zu erkennen glaubt. Der Landkreis sei mit der Ausstattung seiner Schulen vielerorts deutlich weiter als die Stadt.

Nun ist es nicht so, dass die Stadt gar nicht mit Bautrupps in ihren Schulen unterwegs wäre. Ludger Rasche vom Fachbereich Immobilien hatte zum ständigen Tagesordnungspunkt „Stand der Baumaßnahmen“ eine ansehnliche Liste vorbereitet. Frohe Kunde hatte er für die Schüler, Eltern und Lehrer der Grundschule in Hellern im Gepäck: Hier läuft alles nach Plan. Noch vor den Osterferien sollen die Mobilklassen aufgestellt werden. Der Umzug kann dann während der Ferien erfolgen. Damit könnten Kinder und Lehrer endlich ihrer in weiten Teilen schimmeligen Schule „adé“ sagen.