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Erzeugnisse aus der Region Osnabrücker Marktschwärmer haben noch wenig Käufer

Von Harald Preuin, Harald Preuin | 27.05.2017, 12:49 Uhr

Landwirtschaftliche Produkte online bestellen und einmal pro Woche die Ware direkt vom Erzeuger persönlich entgegennehmen. „Marktschwärmer“ heißt diese Idee des virtuellen Wochenmarktes, die im November 2016 in Osnabrück an den Start gegangen ist. Am Sonntag, 11. Juni, von 9 bis 18 Uhr, wollen die regionalen Erzeuger die Verbraucher von ihrer Idee und ihren Produkten bei einem Tag der offenen Tür überzeugen.

Vier Erzeuger sind mit 35 regionalen Produkten dabei. Das zarte Pflänzchen hat die Winterzeit zwar überstanden, aber von gesundem Wachstum ist die Idee noch entfernt. Bei der Premiere im November 2016 waren zehn Erzeuger vertreten. Doch nun soll weiter mit guten Argumenten „gedüngt“ werden, schließlich geht es um regionale Produkte, die vom Erzeuger geliefert werden.

Immer wieder dienstags

Gastgeber nennt sich Winfried Hanekamp, Organisator des Verteilmarktes, der immer dienstags von 16.30 bis 18.30 Uhr im Zooeingang (Klaus-Strick-Weg 10) stattfindet. Die unter der Woche online bestellte Ware, kann dann abgeholt werden. Bezahlt ist sie dann schon, so wie es üblich ist im Online-Handel, mit der Garantie der Auslieferung.

Hanekamp, selbst Marktbeschicker auf Wochenmärkten in Osnabrück und Georgsmarienhütte, hat sich vom Charme der bundesweiten Marktschwärmer-Bewegung einfangen lassen: „Keine Lust mehr auf Obst und Gemüse dubioser Herkunft aus dem Supermarkt und Tierprodukte mit ungewisser Aufzucht und Transportwegen rund um den Globus? Viele verschiedene und qualitativ hochwertige Lebensmittel werden quasi direkt vor der eigenen Nase angebaut und produziert, ganz gleich, ob es sich dabei um frisches Gemüse, Obst, Fleisch, Eier, Milchprodukte, Brot, Honig oder Marmelade handelt. Man findet alles hier um die Ecke.“

Pro Woche 10 bis 15 Bestellungen

Der 53-jährige Gastgeber ist ein wenig zwiegespalten, wenn er die wachsende Zahl potenzieller Käufer, die sich ohne Kosten oder Abnahmeverpflichtung als Mitglieder registrieren lassen können, mit der Zahl der Käufer vergleicht. 349 Mitglieder haben sich zur Marktschwärmerei bekannt, doch nur fünf Prozent von ihnen haben bislang tatsächlich etwas gekauft. Anders herum gesagt: Pro Woche gingen bei den beteiligten Erzeugern zwischen 10 und 15 Bestellungen ein. Zu wenig, um auf den grünen Zweig zu kommen, besonders wenn die Erzeuger zur Verteilung auch noch lange Anfahrtswege in Kauf nehmen.

„Das rechnet sich einfach nicht“, hörte man aus dem Erzeugerkreis, der sich im November 2016 auf einen „langen Atem“ eingeschworen hat. Hanekamp: „Wenn sich jedes Mitglied nur einmal monatlich mit seinem Lebensmittelbedarf eindecken würde, käme Bewegung in die Sache“. So setzt er auf den Multiplikatoreffekt, trommelt für die Idee der regionalen Vermarktung, die in vielen deutschen Städten einen gesunden Zulauf hat. Schließlich gehe es auch um Genuss, sagt Hanekamp: „Unsere Mitglieder kaufen regional und fair ein – aber eben auch lecker.“

Tag der offenen Tür am Zoo

Da Werbung in den sozialen Netzwerken zwar Mitglieder für das Marktkonzept gebracht hat, aber nur wenige Käufer, soll der Tag der offenen Tür am Sonntag, 11. Juni, zur ausgedehnten Präsentation genutzt werden. Neue Erzeuger stehen auf der Liste. Sie wollen dauerhaft die Möglichkeit nutzen, ihre Waren regional abzusetzen. Mit dabei sind ein Gallowayhof, ein Obstanbauer, eine Hofkäserei, eine Marmeladenmanufaktur sowie ein Bierbrauer mit handwerklich produzierten Getränken. Natürlich werden Spargel und Erdbeeren angeboten, neben den ersten jungen Kartoffeln aus der Region und Gemüse, Räucherfisch, Brot und Kuchen sowie Brotbackmischungen und Mehl aus heimischem Dinkelgetreide.

Da das Marktschwärmer-Konzept der Vermarktung via Internet in vielen Städten funktioniert, könne die niedrige Kaufquote daran nicht liegen. Hanekamp ist als geborener Optimist davon überzeugt, dass das Event im Juni am Zooeingang mit Verkostungen aller Art der Durchbruch wird: „Mein persönliches Ziel ist, im Herbst 2017 die 1000-Mitgliedermarke zu erreichen“.

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