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Erzählcafé für Eltern Osnabrücker Hebammen führen Gespräch über Geburtskultur

Von Regine Hoffmeister | 07.05.2015, 08:55 Uhr

An Sonntag, 10. Mai, findet von 14.30 bis 17 Uhr im Mütterzentrum im Haus der Jugend das erste Erzählcafé unter dem Titel „Der Start ins Leben“ statt. Mütter und Väter aller Generationen sind eingeladen, ihre Erfahrungen und ihr Wissen zum Thema Geburt miteinander zu teilen. Gastgeber der Veranstaltung ist der Hebammenverband Stadt und Landkreis

An den moderierten Tischen des Erzählcafés, die nach Geburtsjahrzehnten aufgeteilt sind, können sich Mütter über ihr Erleben von Schwangerschaft und Geburt miteinander austauschen. Hebammen berichten über ihre Arbeit früher und heute, und auch wer keine Kinder hat, kann an diesem Nachmittag mehr über die Zeit der eigenen Geburt erfahren und mitdiskutieren.

„Den Austausch in der Familie zwischen Mutter und Tochter, Großmutter und Enkelin über Schwangerschaft und Geburt gibt es heute kaum noch“, erklärte Anna Maria Schmitz-Hülsmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Osnabrück, zum Hintergrund der Veranstaltung. Junge Frauen stünden heute einer hochtechnisierten Geburtsmedizin gegenüber und blieben mit ihren Fragen und Sorgen oft allein. Dafür solle das Erzählcafé ein Forum bieten.

Keine Krankheit

„Eine Schwangerschaft wird heute zunehmend pathologisiert, eine Geburt als medizinischer Notfall eingestuft“, sagte Initiatorin Jutta Stukenborg, Kreisvorsitzende des Deutschen Hebammenverbands in Stadt und Landkreis Osnabrück. Der Fokus liege auf den möglichen Komplikationen, sodass sich viele Schwangere eine natürliche Geburt am Ende gar nicht mehr zutrauen. „Die Zahl der Kaiserschnitte hat von den Neunzigerjahren bis heute von etwa 20 auf fast 50 Prozent zugekommen.“ Dieser Anstieg sei nicht allein aus medizinischen Gründen zu rechtfertigen. „Die Frauen werden auch zu wenig bestärkt, in ihre eigene Fähigkeit zu vertrauen, ein Kind gebären zu können“, so die erfahrene Hebamme. 

Hebamme als Stütze

Silvia van Geel, selbst junge Mutter und Leiterin der Osnabrücker Stadtgruppe der Bundeselterninitiative Motherhood, hatte das Glück, in ihrer Schwangerschaft von einer Beleghebamme begleitet zu werden. „Die Eins-zu-eins-Betreuung während  Schwangerschaft, Geburt und Wochenbettzeit war für mich und meine ganze Familie eine ganz große Stütze“, berichtete sie. Während der Geburt in einem Kölner Krankenhaus habe ihre Hebamme sie vor einer größeren medizinischen Intervention geschützt, was sich letztlich als richtig erwiesen habe.

Diese intensive Betreuung und auch die menschliche Zuwendung seitens einer Hebamme haben heute aber immer weniger Frauen, weil immer mehr Hebammen aufgrund der hohen Versicherungsbeiträge gezwungen seien, ihren Beruf aufzugeben. „Mit dem Verein Motherhood setzen wir Eltern uns bundesweit für die Hebammen ein“, erklärte die Stadtgruppenleiterin. Ziel sei es, wieder eine flächendeckende Hebammenversorgung aufzubauen, damit Frauen in dieser in vielen Fällen aufregendsten Zeit ihres Lebens eine Vertrauensperson an ihrer Seite haben.

Neben dem Initiator Hebammenverband unterstützen die Hebammenzentrale Osnabrück, das Mütterzentrum, das städtische Gleichstellungsbüro und das Familienbündnis Osnabrück das Gesprächsforum.