Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Erste Wohnungen bereits vermietet Haus am Osnabrücker Rosenplatz soll Studenten locken

Von Cornelia Achenbach | 06.09.2011, 08:02 Uhr

Das „Skandalhaus“ am Rosenplatz wandelt sich: Die verrotteten grünen Balkonverkleidungen sind verschwunden, stattdessen hängen dort silberne Quader. Und ein Schild weist darauf hin, dass Zimmer zu vermieten sind. Insbesondere Studenten werden angesprochen. Dabei musste das Haus im Jahr 2009 zwangsgeräumt werden. Die Stadtwerke hatten wegen akuter Brandgefahr den Strom abgestellt.

Manchmal gelangt ein Journalist an die Grenzen seines eigenen Anspruchs. Der Anspruch ist der: Eine Geschichte soll erzählt werden. Und zwar lückenlos und so, dass alle Seiten zu Wort kommen. Bei der Geschichte des Hauses am Rosenplatz ist das nicht möglich. Denn der Eigentümer Marc Aurel Lehmann aus Berlin ist nach reiflicher Überlegung nicht gewillt, mit der Neuen Osnabrücker Zeitung „zusammenzuarbeiten“, wie er über seinen Makler ausrichten lässt. Ein Gang durchs Haus, ein Foto von den offenbar renovierten Wohnungen, ein Gespräch – nicht möglich. Daher müssen wir uns auf die Aussage eines Interessenten verlassen, der auf der Suche nach einer Wohnung auch das Rosenplatzhaus besichtigt hat.

Sein Eindruck: Nicht nur die grünen Balkonverkleidungen sind verschwunden, sondern auch der Dreck, mit dem man zuletzt das Haus verbunden hat. Die einst beschmierten Wände sind weiß gestrichen, der Fußboden ist mit Laminat ausgelegt. Laut ist es, erzählt uns der Interessent. Es brennt wieder Licht im Rosenplatzhaus. Auch der Aufzug fährt wieder. Gerade er ruft bei vielen Osnabrückern grausige Erinnerungen hervor – war doch im Jahr 2005 im Fahrstuhlschacht ein Mann in den Tod gestürzt.

Wird denn nun endlich alles gut im Rosenplatzhaus? Zumindest setzt der Eigentümer bei der Vermietung verstärkt auf Schüler und Studenten, möchte damit womöglich einer „Gettoisierung“, wie sie einst in diesem Haus bestand, vorbeugen. Der Interessent zuckt mit den Schultern. „Ich hatte so ein bisschen das Gefühl, dass die einem das Geld aus der Tasche ziehen wollen.“

370 Euro sollte er für rund 33 Quadratmeter warm zahlen. Dazu die Küche übernehmen, zwei Monatskaltmieten Kaution und zwei Monatskaltmieten Courtage zahlen. „Außerdem hätte ich ein Jahr lang keine Kündigungsmöglichkeit, höchstens dann, wenn man einen Nachmieter stellt.“ Man wolle verhindern, dass es sich die Studenten kurzfristig anders überlegten, soll der Makler ihm gesagt haben. „Für Osnabrück und die laute Lage finde ich das zu teuer“, so der Interessent.

Zumal noch nicht alles wieder ganz in Schuss ist: Der Fahrstuhl fährt zwar wieder, doch noch klemmt die Tür. Und auch manche Treppenstufen müssen noch von Pflastersteinen gestützt werden. Die Renovierung ist noch nicht abgeschlossen. „Aber ich hätte schon diesen Montag einziehen können. Die Hälfte der Wohnungen soll schon vermietet sein“, sagt der Interessent.

Dabei ist das Objekt von der Stadt noch gar nicht abgesegnet worden – derzeit unterliegt das Haus einer „Nutzungsuntersagung“, zu Deutsch: Es darf eigentlich niemand darin wohnen. „Demnächst soll es einen Termin geben, an dem geprüft wird, ob die Mängel beseitigt wurden und ob die Nutzungsuntersagung aufgehoben werden kann“, sagt Stadtsprecher Sven Jürgensen.

Dass trotz der Vorgeschichte des Hauses bereits einige Wohnungen Interessenten gefunden haben, liegt sicher an der einzigartigen Wohnungsmarktsituation in diesem Herbst: Denn wegen des doppelten Abiturjahrgangs und des Wegfalls des Wehrdienstes strömen mehr Erstsemester denn je an die Osnabrücker Hochschulen. Das Studentenwerk hat erst kürzlich vermeldet, dass die Studentenwohnheime bereits belegt sind. Da stellt für viele Studenten das Haus am Rosenplatz eine Alternative dar. „Uns wurde das Objekt am Rosenplatz auch schon einmal als mögliches Studentenwohnheim angeboten, aber wir haben dankend abgelehnt“, heißt es vonseiten des Studentenwerks Osnabrück.

Auch die Mitarbeiter des Rosenplatzquartiers sind skeptisch. „Wir hatten dem Eigentümer ursprünglich ein Modernisierungskonzept vorgelegt, das er jedoch abgelehnt hat“, sagt Susanne Ahrens von der Gesellschaft für Stadtentwicklung. Eine wirkliche Modernisierung finde ihrer Ansicht nach derzeit nicht statt. Dabei wäre eine Förderung durch das Programm „Soziale Stadt“ möglich gewesen. Das von Stadt, Land und Bund geförderte Programm stellt Mittel für Stadtteile mit besonderem Förderungsbedarf zur Verfügung.