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Entscheidung in Osnabrück Ab Mittwochnachmittag freie Fahrt auf dem Neumarkt

Von Wilfried Hinrichs | 16.02.2016, 22:28 Uhr

Die genaue Uhrzeit steht noch nicht fest, aber am Mittwoch „im Laufe des Nachmittags“ soll der Neumarkt in Osnabrück wieder für den Autoverkehr freigegeben werden.

Osnabrück. 70 Minuten brauchte der Verwaltungsausschuss am Dienstagabend, um zu einer Entscheidung zu kommen, die absehbar war: Die Stadt verzichtet auf eine Beschwerde gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts Osnabrück und hebt unverzüglich die baustellenbedingte Sperrung des Neumarktes auf. Das teilte Stadt-Sprecher Sven Jürgensen nach der Sitzung im Rathaus mit.

Zuvor müsse allerdings die Verkehrssicherheit aller Verkehrteilnehmer hergestellt werden, schränkte Jürgensen ein. Die konkreten Vorbereitungen für die Aufhebung der Sperre könnten am Mittwochmorgen beginnen. Jürgensen geht davon aus, das im Laufe des Nachmittags die Straßenmarkierungen geändert, die Verkehrsschilder und Hinweistafeln überklebt oder abmontiert sein werden, sodass der Verkehr auf einer Spur je Fahrtrichtung freigegeben werden kann. Der beste Zeitpunkt sei, wenn der Schülerverkehr vorbei und der abendliche Berufsverkehr noch nicht eingesetzt habe, sagte Jürgensen.

OB Griesert: „Ich bin sehr froh“

 „Ich bin sehr froh“, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU), dass der Verwaltungsausschuss so schnell die Voraussetzungen dafür geschaffen hat, den Neumarkt für den Kfz-Verkehr wieder zu öffnen. Damit vermeiden wir eine unkalkulierbare Vielzahl von Klagen, deren Kosten die Stadt zu tragen gehabt hätte.“ Darüber hinaus könnten nun die nächsten Schritte für die weitere Modernisierung des Neumarktes „sorgfältig geplant und umgesetzt werden“, sagte Griesert und ergänzte: „Wünschenswert wäre es in diesem Zusammenhang, wenn die Verwaltung möglichst bald vom Investor des geplanten Einkaufscenters einen verbindlichen Bauzeitenplan erhalten könnte.“

 Kommentar lesen: Noch viele Fragen offen 

Die Vertreter von SPD, Grünen, FDP, UWG/Piraten und Linken billigten die Neumarkt-Öffnung. „Auch wenn das Gericht nur im Einzelfall entschieden hat, muss der Neumarkt jetzt für alle geöffnet werden. Alles andere wäre nicht vermittelbar,“ heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Frank Henning (SPD), Michael Hagedorn (Grüne), Thomas Thiele (FDP), Wulf-Siegmar Mierke (UWG/Piraten) Giesela Brandes-Steggewentz (Linke).

„Niemand darf in Gefahr geraten“

Mit einem Ergänzungsantrag hat diese Regenbogenkoalition das Problem der Verkehrssicherheit auf die Agenda gesetzt. „Freie Fahrt ist okay. Aber auf der Osnabrücker Verkehrsfläche, die am meisten genutzt wird, darf niemand in Gefahr geraten. Hier sind Oberbürgermeister und die Verwaltung in der Pflicht, jetzt schnellstmöglich hierfür Sorge zu tragen“, so die Sprecher weiter. „Die generelle Frage eines autofreien Neumarktes bleibt für uns auf der Tagesordnung“, betonen die Kommunalpolitiker.

Fritz Brickwedde äußerte sich zufrieden über den einstimmigen Öffnungsbeschluss. „Ich bin froh, dass die Zeit vorbei ist, dass Bürger gegen die Stadt um ihr Recht kämpfen müssen“, sagte der CDU-Chef. „Bedauerlich finde ich, dass mein Rechtsstandpunkt, den ich drei Mal im Rat vorgetragen haben, nicht viel eher akzeptiert worden ist.“

Stadtwerke Osnabrück nicht sehr glücklich

Die Stadtwerke Osnabrück sind nicht sehr glücklich, dass der Busverkehr sich den knappen Platz auf dem Neumarkt wieder mit den Autofahrern teilen muss. „Maßgeblich ist für uns ein möglichst reibungsloser und störungsfreier Busverkehr. Wir erwarten allerdings zusätzliche Verspätungen auf allen Linien, insbesondere in den Hauptverkehrszeiten“, teilte Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer am Dienstag mit.

Nach früheren Berechnungen der Stadtwerke geht eine Verlangsamung des Bussystems spürbar ins Geld. Verringert sich die Durchschnittsgeschwindigkeit um einen Kilometer pro Stunde kostet das nach Stadtwerke-Angaben 1,4 Millionen Euro im Jahr zusätzlich, weil mehr Personal und mehr Busse eingesetzt werden müssen, um den Fahrplan einzuhalten. Das Durchschnittstempo ist in den vergangenen Jahren von 20 km/h auf 18 km/h gesunken.

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