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Entlastungsbeschluss anfechten? Vorstand von osradio 104,8 steckt in der Zwickmühle

Von Sebastian Stricker | 11.12.2014, 08:45 Uhr

Der Druck auf die Führung von osradio 104,8 wächst. Keine zwei Wochen nach der skandalumwitterten Jahreshauptversammlung werden Rücktritts- und Abwahlforderungen beim Osnabrücker Bürgerfunk-Veranstalter immer lauter.

Auch die Amtsenthebung der Geschäftsstellenleiterin ist beantragt. Zur Rettung von Verein und Sender, denen seit Monaten eine Betrugsaffäre zu schaffen macht, halten manche es sogar für nötig, die umstrittene Entlastung des alten Vorstands gerichtlich anzufechten.

Ein Fall fürs Gericht

Deutliche Worte richtet etwa Caspar David Hermanns, Rechtsanwalt und Vereinsmitglied, an den Vorstand von osradio 104,8. Als einer derjenigen, die bereits auf der Versammlung Ende November kritische Fragen gestellt und eindringlich vor einer Entlastung gewarnt hatten, fordert er das Lenkungsorgan nun schriftlich auf, „Schaden von dem Verein abzuwenden“ und schleunigst vor dem Amtsgericht gegen den folgenreichen Beschluss zu klagen.

Nur so könne möglicherweise noch verhindert werden, dass Regressansprüche in Höhe von bis zu 90.000 Euro verfallen, die osradio 104,8 an seinen früheren Vorsitzenden Burkhard Holst stellt. Als Hauptverdächtiger in der Betrugsaffäre war dieser im Sommer – also mitten im Geschäftsjahr – zurückgetreten. Für Jurist Hermanns besteht mithin kein Zweifel, dass die „uneingeschränkt ausgesprochene Entlastung des Vorstandes“ auch Holst umfasst.

„Glatte Lüge“

„Es ist geradezu töricht, diese Rechtstatsache zu ignorieren, und es ist ebenso bestürzend, dass dies immer noch nicht eingesehen wird“, heißt es in seiner E-Mail an den Vorstand vom 6. Dezember. Die vom Verein öffentlich und im Widerspruch zu vielen anderen vertretene Behauptung, Holst bei der Abstimmung ausdrücklich ausgeklammert zu haben, sei eine „glatte Lüge“, unterstreicht Hermanns im Gespräch mit unserer Redaktion.

Dem Vorsitzenden Bernhard Wellmann wirft er deshalb vor, das Versammlungsprotokoll „zu verdrehen“. Was fatal wäre, wenn es stimmte: Denn vom Wahrheitsgehalt der Niederschrift hängt es ab, ob die Niedersächsische Landesmedienanstalt als Lizenz- und Kontrollbehörde der Osnabrücker Lokalfunkstation erneut die Sendeerlaubnis streitig macht. 

Wellmann überfordert?

Laut Caspar David Hermanns steckt der Vorstand von osradio 104,8 also in einer Zwickmühle: Unternimmt er nichts, um die „offensichtlich rechtswidrige“ Entlastung zu kassieren, machten sich seine Mitglieder selbst der Untreue strafbar. Zieht die Vereinsführung jedoch gegen den Beschluss vor Gericht, käme dies dem Eingeständnis gleich, vorsätzlich getäuscht zu haben. Die Folgen wären wohl absehbar.

Insgesamt kommt Hermanns zu der Erkenntnis, dass Wellmann „dem Ganzen nicht gewachsen“ sei. In seiner E-Mail bittet er ihn, sein Amt „alsbald zur Verfügung zu stellen, denn Sie haben einen im Dreck sitzenden Karren noch weiter hereingestoßen“.

Holst wehrt sich

Auch vonseiten Holsts sieht sich der geschäftsführende osradio-Vorstand zunehmend heftiger Gegenwehr ausgesetzt. Die Ehefrau des Ex-Vorsitzenden fordert mit Brief vom 8. Dezember unter anderem die Herausgabe sämtlicher Protokolle von ordentlichen Mitgliederversammlungen der Jahre 2009 bis 2014. Zudem untermauert Gabriele Holst ihre am 28. November formulierten Anträge, die etwa auf die umgehende Trennung des Vereins von zwei amtierenden, aber ebenfalls von der Staatsanwaltschaft beschuldigten Führungspersonen abzielen.

Nach NOZ-Informationen macht osradio 104,8 bislang keine Anstalten, den nun teilweise mit Fristen versehenen Anträgen und Forderungen zu entsprechen. Überhaupt scheint es still geworden um die Führungsriege: Vorstandssprecher Wellmann jedenfalls lehnt bis heute Stellungnahmen zu den brisanten Entwicklungen seit der Jahreshauptversammlung ab.