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Eintrag ins Goldene Buch Verhaltene Proteste gegen Vitali Klitschko in Osnabrück

Von Christian Ströhl | 26.03.2015, 23:41 Uhr

Weniger Demonstranten als erwartet haben gestern Abend gegen den Auftritt Vitali Klitschkos in Osnabrück protestiert. Weder der Eintrag ins Goldene Buch im Rathaus, noch das Friedensgespräch in der Osnabrück-Halle wurden spürbar gestört.

Das Geplänkel vor dem eigentlichen Schlagabtausch kennt Vitali Klitschko aus seiner Zeit als Profiboxer zu genüge. Diesmal stellt er sich jedoch als Bürgermeister Kiews in der politischen Arena. Seine Gegner sind demnach keine muskelbepackten Hünen, sondern weniger als ein Dutzend Demonstranten. Diese werfen ihm vor, sich bei den Maidan-Protesten mit der rechtsextremen Swoboda-Partei verbündet zu haben, um den damaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch zu stürzen.

Klitschko will Frieden

Der ehemalige Boxer ließ sich von den Anfeindungen gegen seine Person allerdings nicht aus der Ruhe bringen. Sein Mantra lautete: „Ich will den Frieden in die Ukraine zurückholen.“ Bereits im Friedensaal des Rathauses bemühte er sich darum, die Wogen zu glätten. „Wir müssen Kompromisse finden, um den Krieg zu beenden.“

Vor dem Rathaus postierten sich gerade einmal zwei Demonstranten der „Vereinigung der Verfolgten des Nazi Regimes“ (VVN). Deren Mitglied Helmut Schmitz erklärte, dass sich die Proteste hauptsächlich auf den Vorplatz der Osnabrück-Halle konzentrierten.

 Der Liveticker vom Klitschko-Besuch in Osnabrück zum Nachlesen 

Und in der Tat: Die Aktion des Osnabrücker Künstlers Henning Heigl zog die Blicke vieler der gut 1100 Besucher des Friedensgesprächs auf sich. Heigl brachte an der Wasser-Stele links vor dem Eingang Transparente mit der Aufschrift „Odessa“ an, um an das Massaker mit 48 Toten am 2. Mai vergangenen Jahres zu erinnern. „Wer mit Nazis paktiert, der will diesen Krieg“, lautete eine Botschaft auf den wenigen Plakaten.

Ein Vorwurf, den er sich gefallen lassen muss. Zumal Klitschko, der auch Vorsitzender der prowestlichen ukrainischen Partei UDAR ist, im Vorfeld seines Osnabrück-Besuchs einen Pakt mit der Swoboda-Partei im Interview mit unserer Redaktion sogar einräumte: „Wir haben dort zusammen gegen das Regime von Janukowitsch gekämpft […].“ Er machte aber zugleich klar: „Jetzt über irgendwelche Verabredungen zu reden ist sinnlos.“

Die wenigen Demonstranten, die trotzdem gekommen waren, fühlten sich in ihrer Aktion bestärkt. „Klitschko - Du bist ein Kriegshetzer“, war ebenfalls auf einem der Transparente vor der Osnabrück-Halle zu sehen. (Weiterlesen: Ukraine-Politik spaltet auch in Osnabrück) 

Eine Osnabrücker Apotheke machte aus dem Trubel um den Auftritt Klitschkos in Osnabrück sogar einen Werbeslogan. Der lautet: „Wie haben es durchgeboxt! Bei uns kommt jeder ins goldene Buch.“