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Im Video: Preise, „Patchies“, Parcours Worauf Eltern beim Schulranzenkauf achten sollten

Von Cornelia Achenbach, Cornelia Achenbach | 21.02.2017, 14:05 Uhr

Das nächste Schuljahr ist zwar noch etwas hin, gekauft werden die Schulranzen für die künftigen Erstklässler allerdings jetzt schon. Eltern, die sich noch nie mit der „Materie Tornister“ beschäftigt haben, dürften zunächst eines erleben: einen Schock. Preise, Ranzenparcours, Ranzenparty und Ergonomie – wir erklären alles Wichtige rund um den Ranzen.

Das Wichtigste – und für viele Eltern Erschreckende – vorweg: Schulranzen sind teuer. Unter 170 Euro ist es schwer, in einem Fachmarkt fündig zu werden. Mit etwas Glück gefällt dem Kind ein „Vorjahresmodell“, das es auch einmal für knapp 100 Euro gibt. Die teuersten Exemplare im Osnabrücker „Bimarkt“ an der Hannoverschen Straße liegen bei etwa 240 Euro. „Da ist dann allerdings auch einiges mit drin“, sagt Geschäftsführerin Carla Gundlach. Gemeinsam mit der sechsjährigen Lenia Pohl öffnet sie einen Ranzen in leuchtenden Neonfarben. Lenia hat sich eigentlich längst einen Tornister ausgesucht. Aber extra für uns zeigt sie, wie ein Schulranzenkauf heutzutage abläuft. Wer die Vorstellung hat, einfach in ein Geschäft zu gehen, sich einen Schulranzen auszusuchen und damit zur Kasse zu schlendern, der irrt sich nämlich gewaltig. „Eine Beratung ist bei uns unter einer Stunde kaum machbar“, sagt Carla Gundlach.

Alles inklusive?

Zurück zum Ranzen und dessen Inhalt: einen Turnbeutel, ein bereits bestücktes Federmäppchen und ein Etui für Bastelsachen holt Lenia aus dem Inneren heraus. Manche Ranzen enthalten sogar Trinkflaschen. Nicht alle Tornister sind gleich bestückt, daher sollten sich Eltern nicht von einem vermeintlich günstigen Exemplar täuschen lassen – wer noch Stifte und Mäppchen dazu kaufen muss, kommt schnell auf einen Preis, der dem der hochpreisigen Tornister entspricht.

Eine Stunde Beratung

Lenia streift sich den Ranzen über – auf geht es zum „Parcours“: Lenia soll hüpfen, balancieren, Fahrrad fahren, rennen und krabbeln. Was nach einer kleinen Sportstunde klingt, macht aber alles Sinn, wie Bimarkt-Geschäftsführerin Carla Gundlach erläutert: Ist er Schulranzen zu breit, können die Kinder nicht frei mit den Armen schwingen. Beim Krabbeln zeigt es sich, ob der Tornister in den Nacken rutscht, beim Balancieren wird getestet, ob das Gewicht auch wirklich zentriert ist, und auch beim Fahrradfahren geht es um Bewegungsfreiheit.

Um den Tornister auch unter „realen Bedingungen“ zu testen, muss Lenia ein Gewicht, das in etwa dem ihrer Schulbüchern entspricht, in den Ranzen packen. Wie es sich mit dem Ranzen läuft? „Super!“, sagt die Sechsjährige. Allerdings würden das wohl Kinder immer sagen, wenn das entscheidende Einhorn oder der ersehnte Dinosaurier auf dem Ranzen gedruckt ist. Daher sei das geschulte Auge des Fachpersonals auch so wichtig, so Carla Gundlach.

„Kletties„ und „Patchies“

Da sich der Geschmack von Kindern bekanntlich schnell ändert und die Einhörner von heute morgen schon „extrem peinlich“ sein können, gibt es die sogenannten „Kletties“ oder – je nach Hersteller – „Patchies“: Motive, die auf den Schulranzen haften und leicht wieder entfernt werden können. Aus einem schlichten Tornister wird so ruckzuck ein herrlich glitzernder Pferde-Kitsch-Ranzen – und genauso schnell eben wieder ein schlichter Tornister, für den sich keine Viertklässlerin schämen muss.

Ranzenpartys

„Unsere Idee ist ja nicht, dass das Kind zu uns ins Geschäft kommt, einen Ranzen toll findet, und der dann direkt gekauft wird. Wir wollen, dass der Ranzen auch sitzt“, sagt Bodo Meyer, Geschäftsführer von Spielzeug Nagel in Georgsmarienhütte-Oesede. „Und wenn es dann eben unbedingt ein FC-Bayern-Ranzen sein muss oder ein Ranzen mit ‚Anna und Elsa‘, dann kann man durch Kletties schnell einen daraus machen.“

Seit mittlerweile elf Jahren veranstaltet „Spiel + Freizeit Nagel“ zu Beginn des Jahres sogenannte Schulranzeninfotage. An diesen Tagen informiert ein Orthopäde Eltern über Ergonomie, für die Kinder gibt es eine Betreuung. Mit sogenannten „Ranzenpartys“ haben diese Infotage allerdings nichts zu tun – die sieht Bodo Meyer eher kritisch. Ranzenpartys funktionieren ungefähr so: Tornister-Hersteller mieten in ganz Deutschland Räume in Autohäusern oder Hotels an, manche tun sich auch mit Kaufhäusern oder Fachmärkten zusammen. Dann stellen sie ihre Modelle vor und verkaufen sie – häufig zu günstigeren Preisen. Da der Andrang bei diesen Veranstaltungen groß ist, fällt die Beratung jedoch häufig spärlich aus.

Dabei sei das doch gerade so wichtig: sich Zeit für die Kinder zu nehmen. „Der Kauf muss dem Kind Spaß machen“, sagt Bodo Meyer, „wir wollen das hier richtig zelebrieren. Das Kind soll sich doch auf die Schule freuen.“ (Weiterlesen: Tatort-Star freut sich über Spende für Osnabrücker Verein)