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Eindrücke in Bildern und Video Schweigeminute: So gedenkt Osnabrück der Opfer von Paris

Von Ulrike Schmidt | 16.01.2015, 14:07 Uhr

Mehrere Tausend haben bei der Osnabrücker Schweigeminute um 12 Uhr um die Opfer der Attentate von Paris getrauert. Die Stadt Osnabrück hatte nur mit Hunderten Trauernden gerechnet.

Von Louisa Bokern, Rainer Lahmann-Lammert, Leo Riepenhoff, Ulrike Schmidt, Jann Weber und Jean-Charles Fays

Vor dem Rathaus

Verwaltungsangestellte, Polizisten, Feuerwehrleute und Mitglieder des Theaters versammeln sich auf dem Markt, wo Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und Vertreter verschiedener Religionen die Trauernden begrüßen. Das Gymnasium Carolinum versammelte sich komplett, um den 17 Opfern von Paris zu gedenken. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hatte zu der Schweigeminute aufgerufen. Auch die Muslime in Osnabrück schließen die Opfer der Attentate von Paris in ihr Freitagsgebet ein. Zuvor hatten Griesert, anschließend der jüdische Rabbiner Avraham Radbil, der katholische Stadtdechant Bernhard Stecker, Superintendent Friedemann Pannen Friedensverse gesprochen. Wie geplant läuteten um 11.55 Uhr die Glocken von Marienkirche und Dom.

Schüler und ihr Lehrer erheben sich

Zur gleichen Zeit Mathe-Leistungskurs im Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium: Lehrer Joachim Müller beginnt mit dem Unterricht im zwölften Jahrgang. Mathematik ist nicht gerade das Fach, in dem viel über den Terror in Paris gesprochen wird, doch die Schüler erzählen, dass sie sich in Fächern wie Französisch, Deutsch, Religion und Geschichte mit dem Thema beschäftigen. Der Gong ertönt – ausnahmsweise um genau 12 Uhr. Die Schüler und ihr Lehrer erheben sich, wie in allen Schulen. Eine Minute lang – und wohl noch einige Sekunden mehr – ist es still im Mathe-Leistungskurs.

Busse steuern die Haltestellen an

Wenige Hundert Meter entfernt fährt der Stadtbus, Linie 31, auf der Knollstraße in Richtung Dodesheide: Die meisten Plätze sind leer, am Steuer sitzt Endir Siranovic, der ein bisschen nervös ist, weil er so eine Schweigeminute noch nicht erlebt hat. 11.59 Uhr, die Haltestelle „Klinikum Gertrudenberg“ liegt hinter uns, über die Unebenheiten der Knollstraße geht es der Dodesheide entgegen. Auf einmal ist sie da, die Lautsprecherdurchsage, die im Gerappel beinahe untergeht. Ein paar Wortfetzen dringen durch, „Terroropfer“, „Frankreich“, „Schweigeminute“. Inzwischen hat Siranovic die Haltestelle „Karl-Luhmann-Heim“ erreicht. Es ist tatsächlich still im Bus. Ob der Frau, die gerade noch hereingehuscht ist, überhaupt etwas auffällt? Schon ertönt die Lautsprecherdurchsage wieder, dieses Mal verständlich. „Danke an alle Fahrer, die Minute ist um.“ Endir Siranovic startet den Diesel. Im Bus geht das Schweigen weiter.

Im Kaufhaus stehen die Rolltreppen

Ein ganz normaler Freitag im Kaufhaus L+T. Entspannte Einkaufsstimmung, einige Kunden trinken Kaffee, andere bezahlen. Kurz vor zwölf Uhr eine Durchsage, die auf die geplante Schweigeminute hinweist, fünf Minuten später dann die Ansage: „Die Schweigeminute beginnt jetzt.“ Die Rolltreppen befördern noch die auf ihnen stehenden Kunden, dann werden sie abgeschaltet. Die Kassiererinnen und die Bedienung des Cafés stellen ihre Arbeit ein. Die meisten der Kunden und die Angestellten bleiben stehen, im Café erheben sich einige Gäste. Nur in den Randbereichen huschten ein paar Menschen durch das Kaufhaus. Eine kurze Zeit herrscht fast Stille. Dann verkündet eine Durchsage das Ende der Schweigeminute, die Rolltreppen fahren wieder an, an der Hauptkasse wird wieder abgerechnet, der Einkaufstag geht weiter.

Das Knöllchen muss warten

Auch der OS-Team-Mitarbeiter, der an der Karlstraße zuvor noch fleißig Knöllchen verteilt hat, unterbricht sein Tun um Punkt 12 Uhr und steht eine gute Minute lang ganz alleine mit ernstem Gesicht am Fahrbahnrand. Dann beginnt er wieder damit, Parkscheiben zu kontrollieren und Verstöße zu dokumentieren.

Kurzes Innehalten im Krankenhaus

Auf der Intensivstation des Marienhospitals kehrt zur Mittagszeit Ruhe ein. Ärzte und Pfleger unterbrechen ihre Tätigkeiten für eine Minute. Dem Aufruf zur Andacht folgt nicht nur das Marienhospital: Der gesamte Verbund der Niels-Stensen-Kliniken schließt sich der Aktion an.

Gedenken auf Baustellen und an den Fließbändern

Ungewohnte Stille am Neumarkt: Auf der Großbaustelle ruht die Arbeit. Im Landgericht nebenan folgen die Mitarbeiter auch dem Aufruf, für eine Minute innezuhalten. Im VW-Werk werden die Bänder angehalten. Auch die Mitglieder des Präsidiums des Europäischen und Weltkonzernbetriebsrates des Volkswagen Konzerns, der zurzeit im Osnabrücker Volkswagenwerk tagt, beteiligen sich an der Aktion. Interessenvertreter aus zwölf Nationen, unter anderem aus Südamerika, Südafrika und Indien, zeigen sich solidarisch.

Und in Autohäusern

„Die Terroranschläge in Paris berühren alle Menschen in Europa“, sagt Burkhard Weller. „Das war ein Anschlag auf unsere Freiheit! Und das wollen wir auch in unserem gesamten Unternehmen zeigen, indem wir für eine Minute unser alltägliches Geschäft unterbrechen und schweigen.“ Alle im Unternehmen vertretenen Religionen, ob Christen, Juden oder Muslime waren aufgerufen, am Freitag um 12 Uhr am Arbeitsplatz, unterwegs oder zu Hause schweigend der Opfer zu gedenken. Kunden und Besucher wurden um Verständnis und Teilnahme gebeten.