Ein Artikel der Redaktion

Ein Hauch von Abenteuer im Schweben Unterwasserclub Osnabrück besteht seit 50 Jahren

Von Claudia Ix | 20.06.2015, 11:30 Uhr

„Sonntags-Spaziergänge“ im See von Ladbergen oder Korallentauchen vor Indonesien – seit 50 Jahren ist der Unterwasserclub Osnabrück (UCO) in den Seen vor der Haustür ebenso zu Hause wie in fernen Gewässern.

Es war ein schlimmes Unglück an diesem Sonntag, 29. April 1962. Ein neunjähriger Junge fiel in den Silbersee und kam nicht mehr hoch. Die Feuerwehr suchte nach dem Kind, die DLRG tat ebenfalls alles Menschenmögliche, doch erst Taucher der englischen Armee aus Bielefeld bargen schließlich die Leiche des Jungen: zwei Tage waren seit dem Unfall vergangen.

Kein Leichenbergungsinstitut

Der DLRGler Heinz Schilling war der Meinung, dass auch die DLRG tauchen können müsste. Das brachte ihm Ärger mit der Führungsriege ein: Die DLRG sei kein Leichenbergungsinstitut. Dennoch gründete er eine eigene Ortsgruppe, die sich drei Jahre später, am 26. Mai 1965, als Unterwasserclub Osnabrück loslöste.

In den 50 Jahren seines Bestehens hat sich der Verein prächtig entwickelt. Heute zählt er 330 Mitglieder, außerdem gut 20 Ausbilder, und residiert in seinem eigenen Clubheim an der Mercatorstraße 9. Hier ist Platz für Schulungen, gesellige Treffen und die vielen technischen Geräte, die von der fünfköpfigen Technikmannschaft verwaltet und gepflegt werden.

Alle Ausbildungen in eigener Hand

Dass der UCO selber alle Ausbildungen anbieten kann, ohne auf externe Kräfte zurückgreifen zu müssen, macht den Vorstand stolz. „Das ist etwas, was in Niedersachsen vermutlich einmalig ist“, erklärt die 2. Vorsitzende Jutta Stritzel. Ausbildungsleiterin Claude Habermeier betont, wie wichtig eine sorgfältige Schulung ist: „Die Anfänger z.B. sind sehr konzentriert, wenn sie die Ausrüstung zusammenschrauben. Schon sie wissen: Man kann da Fehler machen. Aber man sollte es nicht tun.“

Anfänger

Zehn bis zwölf Abende sind die Anfänger im Hallenbad in der Tauchausbildung. Zuvor haben sie schon an vier Abenden das ABC-Training absolviert und Maske, Schnorchel, Flossen kennengelernt. Können die Tauch-Neulinge im Hallenbad damit umgehen, folgt der wahre Praxis-Einsatz: Es geht raus in den See. Kaltes Wasser, schlechte Sicht, zehn statt drei Meter Tiefe und keine Fliesen zur Orientierung – „zwischen Hallenbad- und See-Training liegen Welten“, weiß Kathrin Dütemeyer.

Gut, dass Claude Habermeier jedem die Hand hält. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: „Gerade meine Kleinen lasse ich nicht nur nie aus den Augen, sondern auch nicht aus der Hand. Und selbst gestandenen Männern sage ich: Ihr könnt Euch gerne an mir festhalten. Das machen sie dann auch. Das gibt Sicherheit.“

Thema Sicherheit

Sicherheit ist ein großes Thema bei den Tauchern. Immer wieder wird trainiert, denn in einem Notfall muss jeder Handgriff sitzen. Tauchen ist ein Partnersport, man geht immer zu zweit hinunter. Bei den Prüfungstauchgängen wird zum Beispiel getestet, ob man den Aufstieg mit Wechselatmung beherrscht.

Die Aus- und Weiterbildungen beim UCO sind für die Mitglieder kostenlos und werden ehrenamtlich von qualifizierten Trainern aus dem eigenen Verein durchgeführt. „Da macht sich bemerkbar, dass die Mitglieder das in den Anfängen stark forciert haben“, freut sich Michael Brackmann, auch schon seit 25 Jahren im Verein und heute Kassenwart.

Der UCO bietet zusätzlich zur Ausbildung auch Lehrgänge z.B. zum Strömungs- oder Höhlentauchen an. Vom oft kritisierten Unterwasser-Jagen hat sich der Club aber bereits vor Jahrzehnten distanziert: „Die letzte Harpune haben wir schon zum 25-Jährigen feierlich zerstört“, betont Gründungsmitglied Lothar Dütemeyer.

Stetes Wachstum

Der Club wächst langsam, aber beständig. Dütemeyer erklärt: „Tauchen ist bekannter geworden. Es ist viel in der Öffentlichkeit und im Urlaubsangebot.“ Oft kommen Interessierte, die im Urlaub Schnuppertauchen gemacht haben und es jetzt richtig lernen wollen. Zu Lothar Dütemeyers Anfangszeiten waren 80 Prozent der Mitglieder männlich, inzwischen gleicht es sich langsam aus.

Die „Haus- und Hof-Seen“ sind der Heidesee in Holdorf, das Speicherbecken in Geeste und der Torfmoorsee in Hörstel. Kathrin Dütemeyer scherzt: „Manchmal soll man im Torfmoorsee ja auch Sicht haben.“ Die UCOler tauchen maximal 40 Meter tief. „Tiefer“, erläutert Michael Brackmann, „wächst das Risiko überproportional an.“ Claude Habermeier ergänzt: „Alles, was tiefer ist, ist Tiefenrausch. Man weiß nicht mehr, was man macht. Das ist gefährlich.“

Trainingslager und private Reisen

Einmal im Jahr lädt der UCO zum Trainingslager nach Thüringen ein, alle zwei Jahre zu einer Reise nach Dänemark. Die Clubmitglieder selbst finden sich zu Tauchreisen in der ganzen Welt zusammen. „Meine erste Tauchreise ging nach Curacao. Vom See in Holdorf nach Curacao – das war schon ein Sprung!“, erinnert sich Michael Brackmann. Im Jubiläumsjahr wird ein Trupp Richtung Rotes Meer aufbrechen. Die Unterwasser-Fotografen sind regelmäßig in den Gewässern von Südostasien auf Foto-Safari und bringen beeindruckende Bilder mit, von denen eine Auswahl im Clubheim an den Wänden hängt. Außerdem gibt es gemischte Unterwasser-Rugby-Mannschaften. Trainer Michael Brackmann: „Wir hatten sogar mal eine Mannschaft, die in die 1. Bundesliga aufgestiegen ist. Auch wenn wir damals direkt wieder abgestiegen sind: In meinem Spielerpass stehen immerhin sechs Spiele 1. Liga.“

Erfolgsrezept

Die Faszination des Tauchens beschreiben die UCOler so: den Zustand des Schwebens genießen, einen Hauch von Abenteuer erleben. Das Erfolgsrezept des UCO wiederum liegt in der gegenseitigen Achtung und Hilfe. Das Clubhaus haben die Mitglieder in 6000 unentgeltlichen ehrenamtlichen Arbeitsstunden gebaut. Und so manche Ehe ist dank des UCO geschlossen worden – so wie die von Lothar und Kathrin Dütemeyer. Tauchen ist ein Partnersport, die Mitglieder nehmen sich an die Hand – im Wasser und außerhalb.