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Eilentscheidung im Rat In Osnabrück sind noch mehr Brücken am Ende

Von Rainer Lahmann-Lammert | 31.03.2014, 18:07 Uhr

Es wird teuer und es muss schnell gehen: In Hellern sind drei Betonbrücken am Ende. Und das schon nach 50 Jahren. Sie müssen komplett neu gebaut werden – für zusammen sechs Millionen Euro.

Am Dienstag will der Rat der Stadt eine Eilentscheidung treffen, damit schon im Juni mit dem Abbruch der Dütebrücke am Hörner Weg begonnen werden kann. Zwei Eisenbahnbrücken in der Nähe sollen 2015 folgen.

Schwere Fahrzeuge dürfen schon seit Jahren nicht mehr über den Hörner Weg rollen. Maximal 16 Tonnen erlauben die Statiker für die beiden Brücken über die Eisenbahn und die Düte, das Limit muss vielleicht noch auf zwölf Tonnen herabgestuft werden. Beide Bauwerke gelten als marode, und die Konstruktion über der Bahnstrecke wirft bei Laien die Frage auf, ob sie wohl noch sicher auf die andere Seite gelangen können. Angefressener Beton, rostige Streben, dazu eine mit Flicken und Wellen überzogene Fahrbahn – das alles erscheint nicht gerade Vertrauen einflößend.

Was da ins Auge springt, sind nur die äußerlichen Schwächen. Für die Fachleute wiegt schwerer, dass im Innern der Halt schwindet. Die Eisenbahnbrücke, unter der die Züge auf der Hauptstrecke zwischen Hamburg und Köln fahren, wurde mit einem damals neuen Spannbetonverfahren errichtet. Und das war wohl noch nicht ausgereift, wie Jürgen Schmidt, der Leiter vom Fachdienst Straßenbau anmerkt. Rost hat dem vorgespannten Bewehrungsstahl zugesetzt, die Tragfähigkeit schwindet. Zudem sind die Brückenplatten marode. „Da ist nichts mehr zu machen“, sagt Schmidt. Und auf jeden Fall eilt die Sache ziemlich.

Bis zum nächsten Totalschaden sind es gerade mal 180 Meter. Abgesehen vom Geländer, das einen neuen Anstrich vertragen könnte, erscheint die Dütebrücke auf den ersten Blick ganz intakt. Dabei hat sie an den tragenden Teilen so schwerwiegende Mängel, dass die Spezialisten zur Eile drängen. Die Widerlagerwände haben sich gesetzt, es klafft ein besorgniserregender Spalt, der sich noch zu vergrößern droht.

Sorgenkind Nr. 3 ist die Brücke, die am Ohrbecker Weg, anderthalb Kilometer stadtauswärts, die Bahn überspannt. Sie soll etwa zeitgleich mit ihrer Schwester vom Hörner Weg erneuert werden.

Unter Druck stehen die Planer nicht nur wegen der sich anbahnenden Baufälligkeit aller drei Betonkonstruktionen. Arbeiten an der viel befahrenen Bahnstrecke erfordern eine enge Abstimmung mit der Deutschen Bahn AG. Lange im Voraus werden bei solchen Anlässen Sperrzeiten vereinbart – Fenster für Zugpausen, die bei Abbruch- oder Betonierungszeiten einer Brücke unumgänglich sind. Die Termine wurden für 2015 festgelegt.

Aus Gründen der Baustellenlogistik soll die Dütebrücke zuerst an die Reihe kommen. Um den Neubau sicher zu gründen, müssen die Brückenbauer Pfähle tief in den feuchten Boden rammen. Die Betonplatten für die Fahrbahn sollen an Ort und Stelle gegossen werden. Rechtzeitig genug, damit sie im Januar oder Februar 2015 schon tragfähig sind. Dann beginnt nach Plan die Arbeit an Brücke Nr. 2, und die schweren Maschinen müssen über die halb fertige Konstruktion zur nächsten Baustelle gebracht werden. „Auch wenn das Geländer noch nicht fertig ist“, wie Jürgen Schmidt vom Fachdienst Straßenbau anmerkt.

Wenn alles reibungslos klappt, wird die Dütebrücke am Hörner Weg im Mai 2015 fertig sein, die benachbarte Eisenbahnbrücke im Frühsommer 2016 und die Brücke am Ohrbecker Weg ein paar Monate später.

Auch bei den Neubauten bleibt die Fahrbahn sechs Meter breit. Hinzu kommt jeweils ein einseitiger Fuß- und Radweg. Und die Kosten: Für Abriss und Neubau der Dütebrücke kalkulieren die Planer 1,5 Millionen Euro, die allein von der Stadt aufgebracht werden müssen. Die Brücken über die Eisenbahn werden mit jeweils 2 bis 2,5 Millionen Euro deutlich teurer. Zuständig für Bau und Unterhaltung ist zwar die Stadt, nach Auskunft von Fachdienstleiter Schmidt wird sich die Deutsche Bahn AG aber in erheblichem Maß beteiligen. Ihr Interesse gilt einer größeren Durchfahrtshöhe. Nicht etwa, weil höhere Waggons geplant wären – sondern weil die vorhandenen Züge die Brücken dann in höherem Tempo passieren dürfen.

Während der Bauzeit wird für den Bus eine provisorische Wendeschleife angelegt. Linie 92 nach Hörne endet dann an der Haltestelle „Hörner Bruch“. Für Fußgänger und Radfahrer richtet die Stadt Behelfsbrücken ein, damit sie nicht zu kilometerlangen Umwegen gezwungen werden.