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Ehrung mit Tränen in den Augen Hinzuschauen ist für Iris Berben selbstverständlich

Von Stephanie Langer | 23.09.2011, 19:43 Uhr

Vor der Preisverleihung traf sich Iris Berben zum „Gespräch am Kamin“ mit Norbert Winkeljohann (Vorstandssprecher der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC), Josef Bernhard Hentschel, Vorstandssprecher der Sparkasse Osnabrück, dem Mediziner Winfried Hardinghaus und dem Reformpädagogen Werner Esser. Thema der Podiumsdiskussion: „Nur wer den Blick hebt, sieht seine Grenzen.“

Diskutiert wurde neben den negativen Auswirkungen des Internet-Zeitalters und der Griechenland-Pleite auch der richtige Umgang mit der eigenen Gesundheit. Berben berichtete von ihrer Mutter, die mit 89 Jahren immer noch fit sei. „Sie lebt in Portugal, fährt Auto, raucht und trinkt Rotwein.“ Dass auch sie selbst ein ähnliches Geheimrezept für gesundes Älterwerden habe, verneinte die Schauspielerin. „Man muss nur bewusst leben und bewusste Entscheidungen treffen.“ Außerdem sei sie eher rastlos. „Zurücklehnen fällt mir schwer.“

Die anschließende Preisverleihung verlief humorvoll, vor allem wegen der immer fein platzierten Kommentare des Komiteevorsitzenden Gerd Schöwing. „Danke noch mal an die Gesprächsteilnehmer. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass die das umsonst machen.“

Die Laudatio hielt Reformpädagoge Werner Esser. Er betonte die Notwendigkeit zivilgesellschaftlicher Verantwortung und wie wichtig es sei, dass es auch heute noch Menschen wie Iris Berben gebe, die den Holocaust-Opfern des Dritten Reiches ihre Stimme geben. „Wer den Opfern sein Gesicht leiht, muss viel aushalten können.“ Berben zeigte sich sichtlich beeindruckt von Essers Worten und nahm den Preis fast schüchtern und mit Tränen in den Augen entgegen. Das Publikum würdigte die Preisträgerin mit anhaltendem Applaus und Ovationen im Stehen.

Berben zitierte in ihrer Dankesrede den ersten Artikel des Grundgesetzes über die Unantastbarkeit der menschlichen Würde. „Wie antastbar sie ist, dafür gibt es immer wieder Beispiele in unserer Gesellschaft.“ Wenn man sich für ebendiese Gesellschaft einsetze, werde eine öffentliche Person, wie sie es sei, schnell mit den Attributen „stark“ oder „vorbildlich“ geschmückt. „Aber ist es denn nicht eine Selbstverständlichkeit, dass man hinguckt?“ Sie dankte dem Komitee Courage, gab jedoch zu bedenken, dass man sie für etwas auszeichne, das in ihren Augen eben nur eine Selbstverständlichkeit sei.