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Edler Tropfen vom Südhang Am Holter Berg in Hilter reift seit 20 Jahren Riesling heran

Von Harald Preuin, Harald Preuin | 19.02.2017, 09:44 Uhr

Seit 20 Jahren betreibt der Osnabrücker Rolf Kaiser am Holter Berg in Hilter auf 2.500 Quadratmeter Südhangwiese Weinbau.

Was macht ein Winzer im Winter? Die Frage entlockt Rolf Kaiser ein Lächeln. Als Weinhändler hat er ja nun noch anderes zu tun, als nur auf die Früchte seiner Arbeit zu warten, die im Keller in den Fässern reifen. „Ich habe Winzer kennengelernt, die den ganzen Tag mit Kunden Wein verkostet haben“, schmunzelt der Osnabrücker. Diesem Beispiel ist Kaiser nicht gefolgt. Vielleicht auch, weil die Ausbeute seiner 250 Rebstöcke eher bescheiden ist, dafür in manchen Jahren durchaus edlen Charakter hat. Wein vom Holter Berg – Rolf Kaiser verwirklichte diese Idee 20 Jahre bevor das Land Niedersachsen erstmals Weinbaurechte vom Bund erhielt. Bis September 2016 war nur der hobbymäßige Weinanbau mit maximal 99 Weinstöcken erlaubt. Kaiser konnte mehr Rebstöcke pflanzen, weil er sich den Weinberg am Südhang des Holter Berges in Hilter mit Freunden teilte.

Gute Lage für Traubenwachstum in Holte

Dass Kaiser, der 1982 seine Weinhandlung an der Martinistraße (seit 1987 an der Lotter Straße) eröffnete, die gute Lage für Traubenwachstum in Holte gefunden hat, ist einem Zufall geschuldet. Als Zivildienstleistender bei der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück war er auch im Wohnheim auf dem Holter Berg tätig. Der Südhang hatte es ihm schon damals angetan. An Apfelbäumen waren die Früchte viel eher süß und reif als auf dem elterlichen Hof in Gehrde. Und: „Der Landwirt lenkte seinen Porsche-Bergtrecker im Unterhemd über die Flächen, als ich im Pullover zum Dienst erschien.“

Genug Platz für 250 Rebstöcke

Kaiser schmunzelt, als er die frühen Episoden erzählt. Mit einem Freund war er vorher häufig in deutsche Weinanbaugebiete an Mosel und Rhein gereist und hatte sich dabei von der Rieslingtraube einfangen lassen. Vielleicht reifte ja bei einer weinseligen Kellerprobe die Idee, selber Wein anzubauen. Doch der Weinhandel ging vor. „Meine Weinhandlung Veritas war schnell bekannt. Der hat saure Deutsche und teure Italiener, hieß es“. Viele Kunden ließen sich davon nicht abschrecken.

Anfang der 1990-er Jahre reifte das Weinbergprojekt. Die Heilpädagogische Hilfe verpachtete Kaiser 2.500 Quadratmeter Südhangwiese, genug Platz für 250 Rebstöcke. Rieslingtrauben sollten es sein. Kaiser entschied sich für zertifiziertes Pflanzgut, das ihn bis heute nicht enttäuschte. Warum kein Rotwein? „Sehr empfindlich unter anderem wegen Spätfrösten, außerdem neigt er zur Fäulnis“. Dagegen könne man etwas tun. Im konventionellen Weinbau werden dagegen Pflanzenschutzmittel gespritzt. Doch Kaiser wollte und will ohne auskommen, schließlich waren Obstbäume und Wiese nie zuvor mit Chemie behandelt worden.

Hasen und Rehe hat Kaiser unterschätzt

Bis zur ersten Ernte nach drei Jahren zeigte sich, dass der gute Boden des Südhangs zwar gute Bedingungen mit brachte, doch Hasen und Rehe hatte Kaiser unterschätzt. Also pflanzte der Winzer eine Weißdornhecke, die aber die tierischen Leckermäuler nicht abhalten konnte. Um an die zarten Blatttriebe der Reben zu gelangen, war selbst der danach errichtete 1,60 Meter hohe Wildschutzzaun kein Hindernis.

Die erste Lese 1995 brachte ein mageres Ergebnis, doch zwei Jahre später konnten 52 Kilo Trauben verarbeitet werden. Der Oechslegrad von 60 erstaunte selbst die Moselwinzer, bei denen sich Kaiser Ratschläge holte. 1999 stieg der Kaiserriesling mit 73 Oechslegraden vom Holter Berg auf bestes Moselniveau. „148 Halbliterflaschen feiner, reintöniger Riesling waren der Lohn aller Mühen“, so Kaiser. Bis heute sind die Mostgewichte kaum geringer als in mancher Mosellage.

Der 2015-er war eine Entäuschung

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Manche Jahrgänge fallen wie 2008 ganz aus. Auch der 2015-er war eine Entäuschung: „Überall war der Riesling ein erstklassiger Jahrgang mit guten Erträgen und guten Mostgewichten, doch das glatte Gegenteil am Holter Berg“, sagt Kaiser. Und während die Moselwinzer 2016 mit extremen Mehltauproblemen zu kämpfen hatten, blieb der Holter Riesling davon weitgehend verschont. Mehltau schmälert häufig den Ertrag von Biowinzer Kaiser. Von Jahr zu Jahr gebe es extreme Ertragsunterschiede.

An drei Vormittagen stramm durcharbeiten

Während Weinkenner Kaiser, der gelernter Historiker ist, in diesen Tagen mit Kunden edle Tropfen probiert, stehen schon bald die ersten Arbeiten im Weinberg an. Der Wildschutzzaun muss überprüft werden, ab März gibt es einen Rebschnitt, aufkeimendes Wildkraut wird gehackt, hin und wieder einige Reihen umgegraben, Klee und Lucerne gesät und schließlich gemulcht. Das bedeutet an drei Vormittagen stramm durcharbeiten. Durch den Sommer bis zur Lese im Herbst, die mit Freunden an einem Tag zu schaffen ist, ist der Winzer in seinem Berg. Das Gras muss kurz gehalten werden. Das erhöht die Durchlüftung und minimiert die Gefahr von Pilzkrankheiten.

Die Ernte verarbeitet Kaiser bei einem befreundeten Winzer an der Mosel. Bei der schonenden Pressung ist der Osnabrücker dabei, begleitet den Most ins Fass, wo er natürlich gären und lange reifen kann, bevor er auf Flaschen gezogen wird.