Ein Artikel der Redaktion

Überproportionaler Anstieg Testeinkauf in regionalem Supermarkt: Preise ziehen im Discount-Bereich stark an

Von Markus Pöhlking | 26.08.2022, 06:00 Uhr

Lässt sich beim Wocheneinkauf für eine vierköpfige Familie mit guter Planung Geld sparen? Unsere Redaktion hat den Test gemacht. Eine Erkenntnis: Gerade der Niedrigpreissektor hat erheblich angezogen.

Am Ende stand eine Überraschung: Nur 103,07 Euro kostete der Testeinkauf unserer Redaktion. Linda Berghäuser, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Ökotrophologie der Universität Osnabrück, hatte für den Einkauf einen Plan ausgearbeitet. Dessen Prämisse: Eine vierköpfige Familie will sich vollwertig und moderat nachhaltig ernähren, hat dafür aber nur wenig Geld.

Um ihr Ziel zu erreichen, verzichtet die fiktive Familie beim Wocheneinkauf auf Genussmittel und Luxusprodukte. Obschon der Einkaufsplan damit eher spartanisch geriet, kalkulierte Berghäuser dennoch mit einer Summe von zwei- bis dreihundert Euro.

Wie der Einkauf gelaufen ist und was beim preisorientierten Einkaufen helfen kann, lesen sie hier.

Während der Einkauf also letztlich deutlich günstiger ausfiel als erwartet, zeigt eine Auswertung des Kassenbons: Einzelne Posten darauf sind seit Ausbruch der Corona-Pandemie erheblich im Preis gestiegen. Für 21 der insgesamt 37 Produkte auf dem Kassenbon konnte die GKL Marketing und Marktforschung mit Sitz in Berlin für unsere Redaktion historische Preise aus einem Referenzmarkt ermitteln. Die ausgewerteten Produkte haben sich in ihrer Summe seit Ende Januar 2020 um 25 Prozent verteuert.

Die ausgewerteten Produkte im Überblick

Neben diversen Bio-Produkten tauchen auf dem Kassenzettel viele Eigenmarken der besuchten Supermarktkette auf. Gerade in diesem traditionell eher günstigen Bereich seien Preissteigerungen in allen Handelsketten zuletzt eins zu eins an die Konsumenten weitergegeben worden, erklärt Leonart Gallinat, einer der Geschäftsführer der GKL.

„Damit die Händler überhaupt noch eine Marge mit diesen Produkten erzielen, waren Preisanpassungen unumgänglich.“ Die lägen aktuell meist über den Teuerungsraten von Bio- oder Markenprodukten. „Wahrscheinlich kommen Anpassungen nach oben in dem Bereich aber noch“, schätzt Gallinat.

Die GKL untersucht seit rund 30 Jahren, wie sich die Preise in deutschen Supermarktregalen entwickeln. Preissteigerungen habe es in dieser Zeit permanent gegeben. Die Schwelle habe aber meist bei zwei bis drei Prozent gelegen, was die Verbraucher kaum gespürt hätten. Aktuell wirkten Russlands Krieg in der Ukraine und die Energiekrise als „Beschleuniger von Effekten, die wir langfristig wohl ohnehin gesehen hätten“ und die ihren Ursprung in der Corona-Pandemie hätten, erklärt Gallinat.

Die aktuelle Preisentwicklung im Supermarktbereich bezeichnet Gallinat als „Ausnahmesituation“. Alles deute darauf hin, dass es auch kurzfristig zu teils deutlichen Teuerungseffekten kommen werde. „Es gibt kaum Anzeichen, dass dieser Trend schnell stoppen wird“, sagt Gallinat.

Noch keine Kommentare