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Drogen aus Holland eingeführt Angeklagte im Osnabrücker Marihuana-Prozess geständig

Von Heiko Kluge | 22.12.2015, 16:19 Uhr

Im Prozess gegen die sechs Männer und eine Frau, die sich derzeit wegen des Vorwurfs, einen schwungvollen Marihuanahandel betrieben zu haben, vor dem Landgericht Osnabrück verantworten müssen, kam es zu ersten Aussagen der Angeklagten. Sie beschrieben minutiös durchgeplante, konspirative Methode des Geschäfts, dessen Fäden ein heute 31-jähriger Mann aus Bad Essen in der Hand gehalten habe.

Die Gruppe soll zwischen Juli 2014 und Juni 2015 den Drogenhandel betrieben haben und dabei immer nach demselben Muster vorgegangen sein. Als Organisator gilt der Staatsanwaltschaft der seit Juni in Haft sitzende 31-jährige Bad Essener. Der soll zunächst die Bestellungen seiner Abnehmer eingeholt und daraufhin eine entsprechende Menge – jeweils zwischen drei und fünf Kilogramm Marihuana – bei einem Kontaktmann im niederländischen Emmen geordert haben. Für die Schmuggelfahrten über die Grenze sowie die Auslieferung sollen ein 57-jähriger Osnabrücker sowie eine 28 Jahre alte Frau aus Lienen verantwortlich gewesen sein (Weiterlesen: Weitere Berichte aus den Gerichtssälen der Region ).

Zur Zeit in U-Haft

Fünf der Angeklagten waren während des zweiten Verhandlungstages auf die Verständigungsvorschläge des Gerichts – also zu erwartende Strafen im Gegenzug zu einem umfassenden Geständnis – eingegangen. Unter ihnen auch der mutmaßliche Organisator des Drogenhandels. Eigentlich wollte das Gericht seine Einlassung als erste hören. Doch die beiden Verteidiger des zur Zeit in U-Haft sitzenden Mannes erklärten, diese erst noch vorbereiten zu müssen und vertrösteten auf den nächsten Verhandlungstermin Anfang Januar.

Drogenfahrten nach Holland

Aus diesem Grund hörte das Gericht zunächst den ältesten der Angeklagten, einen 57-jährigen Mann aus Osnabrück. Er sei eigentlich Taxiunternehmer gewesen und habe den 31-Jährigen über einen seiner Kunden kennengelernt, berichtete der Mann. Aus wirtschaftlicher Not sei er auf dessen Angebot eingegangen, Drogenfahrten für ihn zu übernehmen. Zunächst habe der die Ware nur in Deutschland übernommen, später sei er dann auch etwa einmal in der Woche in die Niederlande gefahren, um von dort das Marihuana nach Deutschland zu bringen. Das Auto sei mit einem entsprechenden Versteck ausgerüstet gewesen: „Zwischen Rückbank und Kofferraum war fachmännisch eine zusätzliche Trennwand eingezogen.“ In dem etwa 15 Zentimeter breiten Hohlraum hätten bis zu sieben Beutel platziert werden können. Es sei genau reglementiert gewesen, wann er in Emmen habe ankommen müssen. Dort seien die Drogenpäckchen bereits in der richtigen Reihenfolge für die weitere Auslieferungsfahrt an die Abnehmer in Deutschland ins Versteck gepackt worden: „Der Vorgang hat nicht einmal 30 Sekunden gedauert.“

Handys ausgetauscht

Als Kommunikationsmittel hätten Handys gedient, die aus Sicherheitsgründen etwa vierteljährlich ausgetauscht worden seien. Doch nach Möglichkeit sollte auf jede Kommunikation verzichtet werden. Während der Fahrten habe er dem 31-Jährigen stündlich eine leere SMS schicken müssen, um zu signalisieren, dass er noch unterwegs sein. Eine SMS mit einem @-Zeichen war der verabredete Code für die erfolgreiche Übernahme der Drogen, mit einem „!“ habe er das erfolgreichen Ende der Auslieferungsfahrt bestätigt. Die Abnehmer des Marihuanas in Deutschland, die er ebenfalls zu genau festgelegten Zeiten an vorgegebenen Orten treffen musste, habe er nur ihren jeweiligen Codenamen nach gekannt. „Nur durch den Haftbefehl habe ich die richtigen Namen erfahren.“ Das Verhältnis zu dem 31-Jährigen sei ein „Weisungsverhältnis“ gewesen, betonte der 57-Jährige: „Ich hatte keine Gestaltungsmöglichkeiten.“ Auch von den Hintergründen des Geschäfts habe er nichts gewusst, private Kontakte zu den Beteiligten habe er nicht gehabt „Ich war reduziert auf den Transport.“

6000 Euro pro Kilogramm

Ein heute 30-jähriger Osnabrücker bestätigte, einer der Abnehmer des Marihuanas gewesen zu sein. Zwischen einem halben und einem Kilogramm der Droge habe er wöchentlich übernommen, selten auch mal sogar drei oder fünf Kilogramm. Innerhalb von zwei bis drei Tagen habe er dem 31-Jährigen dann die Lieferung bezahlen müssen, die beste Qualität habe 6000 Euro pro Kilogramm gekostet. Bei der Geldübergabe sei dann der nächste Liefertermin vereinbart worden. Auch er habe mit wechselnden Handys und den von dem 31-Jährigen vorgegebenen Codes kommuniziert, bestätigte der Angeklagte. Zwischen 1500 und 2000 Euro will der Mann monatlich selber über den Weiterverkauf der Droge verdient haben. „Aber ich habe auch viel selber konsumiert.“

Übrig sei von seinem Verdienst nichts geblieben. „Ich hatte ja ein Kokainproblem und trinken tu´ ich auch ganz gerne. Über hatte ich eigentlich nix.“