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Drittes Heimatklang Festival Musiker-Klassentreffen in der Kleinen Freiheit

Von Frederik Tebbe, Frederik Tebbe | 30.12.2016, 18:01 Uhr

Kurz vor dem Jahreswechsel trafen am Donnerstagabend in der Kleinen Freiheit lokale Bands und Künstler aufeinander, um mit dem Heimatklang-Festival die Osnabrücker Subkultur hochleben zu lassen. Von Punk bis Pop war alles vertreten, was das Gitarrenherz begehrt.

Um 17 Uhr betritt Sven Bensmann die Bühne der Kleinen Freiheit und begrüßt die ersten Gäste. „Ich bin der so groß angekündigte ,Special Guest‘“, sagt er selbstironisch. „Ich hoffe, ihr seid nicht allzu enttäuscht. Ich werde heute durch den Abend moderieren – aber gemeinsam schaffen wir das!“ Letztes Jahr um diese Zeit stand der Entertainer noch mit seiner eigenen Band Hi! Spencer auf der Bühne, heute kündigt er die insgesamt fünf Bands und Künstler an, die beim Heimatklang-Festival 2016 auftreten werden.

Es ist die dritte Auflage des kleinen Klassentreffens, das die Osnabrücker Agentur Salz Booking um Falco Eckhoff organisiert: Nach einem gelungenen Start Ende 2015 und einer Sommerausgabe im Mai dieses Jahres wird auch Ende 2016 die Osnabrücker Szene ins Rampenlicht gehoben.

Das facettenreiche Line-Up arbeitet sich an vielen Spielarten der Gitarrenmusik ab: zu Beginn stehen Burger Weekends auf der Bühne, die mit ihrem Oldschool-Punkrock das langsam eintreffende Publikum anheizen. Mit jedem „One-Two-Three-Four“, das der leicht kränkelnde Schlagzeuger und Sänger Carlos Andrés einzählt, bekommt man immer mehr Lust, ein paar alte Ramones-Platten aufzulegen.

Für den „besinnlichen Teil“ ist im Anschluss der Singer/Songwriter Joseph Myers zuständig. Mit der Akustikgitarre und vom Piano begleitet, gibt der über die regionalen Grenzen hinaus aktive Musiker tatsächlich sein Kleine-Freiheit-Debüt, da er eher in Cafés und Kneipen auftritt. Myers nimmt sich viel Zeit, um über die Hintergründe seiner melancholischen Balladen aufzuklären und entschleunigt den noch frühen Abend angenehm.

Mit Nezzer steht danach eine alteingesessene Osnabrücker Gruppe auf der Bühne. 16 Jahre Banderfahrung stehen den Musikern zu Buche, die sich dem Indie, Post-Punk und einer Prise Pop verschrieben haben – „alte Musik für junge Leute“, wie sie es selbst zu Beginn nennen. Das Ergebnis ist ein stimmiger Mix aus Joy Division, The Cure und dem Indierock der Jahrtausendwende, mit flirrenden Gitarren und einer tighten Rhythmussektion, die höchstens am etwas zu gut gemeinten Overacting des Frontmanns krankt, der den Auftritt so sehr genießt, dass er versehentlich von der Monitorbox ins Drumset purzelt. Dafür sorgen Nezzer für eine volle Kleine Freiheit, da die Familien und Freunde der Bandmitglieder extra für sie zum Heimatklang gekommen sind.

Leider leert sich der Club daraufhin wieder. Wer jetzt geht, dem entgeht der energische Melodic Punkrock von Empire Me, die nebenan in der Petersburg proben und damit keinen weiten Anreiseweg hatten. Die lauteste Band des Abends besticht mit melodisch-treibenden Songs, die durch den Doppelgesang und energischen Vortrag der Frontmänner Volker und Matthias lange im Ohr bleiben. Den Abend beschließen die Hagener Joga Club, die mit redundanten aber zarten und stimmigen Popsongs das Festival ausklingen lassen.

Das Heimatklang-Festival wirft einen wichtigen, genauen und prüfenden Blick dahin, wo in Osnabrück Kultur entsteht: in die Proberäume, wo man sich trifft, um gemeinsam etwas zu schaffen. Womöglich als bloßes Hobby, womöglich aber auch mit der wachsenden Aussicht darauf, mehr als nur eine Freizeitaktivität zu haben. Dass Salz Booking ihnen eine Plattform in der Kleinen Freiheit bietet, die so immanent wichtig und verankert in der Osnabrücker Subkultur ist und obendrein Kultstatus genießt, ist überaus lobenswert.