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Drei Häuser, sechs Probleme Osnabrücker Museumszentrum: Agenda für den Neustart

Von Dr. Stefan Lüddemann | 03.06.2016, 19:00 Uhr

Osnabrück sucht die neue Leitung für das Museumszentrum. Welche Aufgaben stellen sich für die drei Häuser? Hier die Agenda der dringenden Themen.

Die drei Häuser integrieren: Den verbindenden Eingangsbereich gibt es seit 2011, aber der Trias aus Kulturgeschichtlichem Museum, Felix-Nussbaum-Haus und Villa Schlikker fehlt bis heute der einheitliche Auftritt. Das Museumszentrum bedarf der verbindenden Idee ebenso wie genauer profilierten Einzelhäusern. Vor allem aber fehlt die Botschaft an den Besucher. Der kann kaum erkennen, was das Museumszentrum bietet. Ein griffiges Leitsystem gibt es bis heute nicht. Hier weiterlesen: Was zeigen Osnabrücks Museen im Jahr 2016?

Die starken Themen setzen: Felix Nussbaum und sein Lehrer an der Akademie, der Leinenstoff in Osnabrück: Das mag wissenswert sein, starke Themen für zugkräftige Ausstellungen sehen aber anders aus. Nach Kontroversen um Ausstellungsbudgets wirkt das Museumsteam entmutigt. Große Projekte werden nicht mehr in Angriff genommen. Damit sinken aber die Ausstrahlung der Häuser und folgerichtig auch ihre Relevanz innerhalb und außerhalb der Stadt. Hier weiterlesen: Längst ein Klassiker - das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück.

Die Stadtgeschichte neu erzählen: Was ist heute Stadtgeschichte? Im Kulturgeschichtlichen Museum wird das nicht überzeugend dargestellt. Statt der auf Jahre arretierten Dauerausstellung bedarf es Präsentationskonzepten, die Stadt aus verschiedenen Blickwinkeln thematisieren und zugleich die Menschen selbst einbeziehen. Im Kulturgeschichtlichen Museum müsste Stadtgeschichte ein faszinierendes Anliegen sein. Die Realität sieht anders aus. Was ist Stadtidentität in der Migrationsgesellschaft? Diese Frage gilt es zu beantworten. Hier weiterlesen: Ausstellung zum Thema Leinen im Kulturgeschichtlichen Museum.

Die Erinnerung zum Thema machen: Das Felix-Nussbaum-Haus bietet dem Besucher mit den Bildern von Felix Nussbaum und der Mahnmal-Architektur von Daniel Libeskind eine einmalige Symbiose. Das Thema: Erinnerung an den Holocaust. Doch jetzt steht gerade bei diesem Thema der Generationenwechsel an. Wie funktioniert Erinnerung an Exil und Völkermord in der Ära nach den überlebenden Zeitzeugen? Höchste Zeit, Erinnerung und Gedenken selbst im Felix-Nussbaum-Haus selbst zum Thema zu machen. Hier weiterlesen: Er baute das Felix-Nussbaum-Haus - zum 70. Geburtstag von Daniel Libeskind.

Die Museen für Menschen öffnen: Die Museen in der Osnabrücker Stadtmitte mögen beeindrucken. Wirkliche In-Orte sind sie nicht. Selbst Osnabrücker tun sich schwer damit, die Häuser als Orte der Begegnung, des Erlebens, der überraschenden Einsichten wahrzunehmen. Man weiß, was man an diesen Museen hat. Mehr aber auch nicht. Und genau das muss sich ändern. Dem Museumszentrum fehlt es an Lebendigkeit und spürbarer Ausstrahlung. Der neue Aufbruch in diese Richtung ist überfällig. Hier weiterlesen: Kunst im Osnabrücker Stadtraum - „Konkret mehr Raum“.

Die Ausstrahlung verbessern: 30000 Besucher im Jahr, davon nur rund 15000, die für ihre Karte gezahlt haben: Zahlen sind nicht alles, aber bisweilen sprechen sie eine deutliche Sprache. Das Osnabrücker Museumszentrum begeistert das heimische Publikum ebenso wenig wie die auswärtigen Besucher. Viel zu oft sind die Säle leer. Kein Wunder. Die Einheimischen finden keine neuen Angebote, die sie zum neuerlichen Besuch bewegen, auswärtige Besucher entscheiden sich lieber für andere Museumsstädte, weil die Ausstellungen dort spannender sind. Die Ausstrahlung stimmt nach innen wie nach außen einfach nicht. Fazit: dringender Handlungsbedarf. Hier weiterlesen: Kunst und Erinnerung - das Thema Holocaust im Museum.