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Drei Fragen Center-Gegnerin Herlinde Fohs: „Investoren haben den OB im Griff“

Von Wilfried Hinrichs | 30.09.2011, 14:00 Uhr

Die Initiative „Lebendiges Osnabrück hält nichts von den Bedingungen, die Oberbürgermeister Boris Pistorius (SPD) dem Projektentwickler mfi für ein Einkaufszentrum am Neumarkt gestellt hat. „mfi hat den OB im Griff und nicht umgekehrt“, sagt Sprecherin Herlinde Fohs.

Frau Fohs, OB Pistorius hat als absolute Obergrenze für ein Einkaufszentrum 22 800 Quadratmeter Verkaufsfläche genannt. Mit Lebensmittelmarkt, Gastronomie und Nebenflächen wären es knapp 25000 Quadratmeter. Wäre es das von Ihnen befürchtete XXL-Center?

Ein XXL-Center beginnt für uns oberhalb einer Centergröße von 18000 Quadratmeter. Die Flächenzahl muss alle vermietbaren Flächen umfassen, das besagt schon die Bezeichnung „absolute Obergrenze“. Der Investor mfi ist für seine Schummeleien zwischen zugelassenen und tatsächlich gebauten Flächen bei der Errichtung von Einkaufscentern bekannt. Wir haben uns am 7. und 8. September mit unserer Behauptung „OB Pistorius will 23500 qm durchsetzen“, Vorwürfe von ihm anhören müssen. Nun erfahren wir, dass er praktisch am selben Tag mit dem Investor über eine Centergröße von 22800 Quadratmeter plus Nebenflächen verhandelt hat. Ist das fair? Wir fordern die SPD und die Grünen dazu auf, zu den vor der Wahl genannten Centergrößen zu stehen. Respektiert denn in unserer repräsentativen Kommunaldemokratie keine Ratspartei mehr den Bürgerwillen, sobald die Wahl vorüber ist? Die Befragung der Wähler durch die Schüler des Gymnasiums Wüste zeigt den Wählerwillen deutlich: Über 70 Prozent sind gegen ein XXL-Center.

Was halten Sie von den weiteren Bedingungen, die Pistorius den Investoren diktiert hat, wie zur Größe des Parkhauses und einzelner Sortimente?

Die Bezeichnung „diktierte Bedingungen“ soll wohl darauf hindeuten, dass der OB seinen Investor im Griff hat. 500 Parkplätze als Verhandlungserfolg? Mehr würde die Verkehrssituation hinter dem Center ohnehin nicht erlauben. Vorgabe von Flächengrenzen für Sortimente? Wer soll das hinterher kontrollieren? In anderen Städten beginnt schon kurz nach der Centereröffnung eine wilde Fluktuation der Mieter, nach drei Jahren sind die Sortimentsgrenzen ohnehin verwischt. Ausschluss von Kaufhausumzügen? Wie soll das rechtlich durchgesetzt werden? Wenn Sinn-Leffers zum Beispiel ins Center ziehen will, wird das Kaufhaus in der Johannisstraße geschlossen, und eine neue, rechtlich andere Firma ähnlichen Namens zieht dort ein. Die „diktierten“ Verhandlungserfolge sind nur Spiegelfechtereien, um vom eigentlichen Problem des von der Bevölkerung nicht gewünschten und für die Stadt Osnabrück schädlichen XXL-Centers abzulenken. mfi hat den OB im Griff und nicht umgekehrt, schließlich hat man dort die Erfahrung der Durchsetzung von vielen Centern, unter denen die betroffenen Städte heute leiden.

Was werden Sie weiter unternehmen, um ein Center zu verhindern?

Es wird für das Center einen neuen, vorhabenbezogenen Bebauungsplan geben müssen. Wir haben dann alle Möglichkeiten, die Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass Osnabrück kein XXL-Center braucht. Unser Kampf ist also noch nicht zu Ende, sondern fängt nun erst richtig an.