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Dominique Sauer spielte Osnabrücker Orgelsommer in St. Marien

10.07.2013, 16:46 Uhr

Fremdgehen gehört im ökumenischen Osnabrücker Orgelsommer, der sich seit nunmehr zwanzig Jahren ungebrochener Beliebtheit erfreut, zum Programm. Zumindest, was die mächtigen Königinnen der Instrumente betrifft. Domorganist Dominique Sauer bestritt das 2. Konzert in St. Marien.

Er wird es nicht bereut haben dieses zweite Konzert im Jubiläumsjahr auf der 1967 erbauten, 1998 umfassend restaurierten und zu Beginn dieses Jahres vier Monate lang für knapp 70000 Euro generalüberholten großen Flentrop-Orgel in St. Marien zu absolvieren. Dass sich die jüngste Investition gelohnt hat, davon konnten sich auch die rund 700 Zuhörer in der voll besetzten evangelisch-lutherischen Kirche am Markt überzeugen, denen eine abwechslungsreiche musikalische Reise vom deutschen Barock bis zur französischen Romantik geboten wurde.

Leicht machte es sich Dominique Sauer keineswegs mit seiner Satz-Auswahl. Mit Leichtigkeit verstand er es aber, das frei und improvisatorisch komponierte, mit abrupten Wechseln zwischen Toccata, Fuge und harmonischen Abschnitten gespickte Präludium e-Moll von Nicolaus Bruhns in gekonnt angeschlagenem Spannungsbogen fließend zu halten und so zu einer ebenso lebendigen wie facettenreichen Einheit zusammenzubinden. Ebenso unkonventionell gewählt, aber ungleich ruhiger gestimmt geriet dann die Passacaglia von Johann Sebastian Bach, dessen zwanzigfach variiertes, achttaktiges Bass-Thema kontrapunktisch in eine klassische Fugenform paraphrasiert wurde. Dabei kamen insbesondere die frisch intonierten tieftönigen Prinzipale satt zur Geltung.

Der Sprung ins 19. Jahrhundert zum Beginn der bis heute stilbildenden hohen Orgelschule der französischen Romantik gelang daraufhin geradezu beschwingt. Nach der fröhlichen Fantasie B-Dur, dem leichtfüßigen Andante g-Moll und der majestätischen Toccata h-Moll des Pioniers Alexander Pierre Francois Boely kamen auch noch zwei seiner Epigonen zu ihrem Recht.

Wobei der langjährige Domorganist, der an diesem Abend buchstäblich viele Register zog, die Orgel-Adaption des ursprünglich für das französische Kunst-Harmonium komponierte Scherzo op. 31 von Alexandre Guilmant mit gefühlvollem Pedalanschlag virtuos umsetzte.

Die zweiteilige, gleichermaßen filigrane und kraftvolle Fantasie Es-Dur von Camille Saint-Saëns lieferte den himmlisch hymnischen Schlussakkord einer mit stehenden Ovationen beklatschten, kurzweiligen Stunde, in der es Dominique Sauer mit vielen Tempowechseln, hoher Fingerfertigkeit und leichten Fußes gelang, einen klangfarblich vielfältigen Bogen vom Barock zur Romantik zu spannen.

Das dritte Osnabrücker Orgelsommer-Konzert spielt Kreiskantor Arne Hatje (von St. Katharinen) am kommenden Dienstag, 16.7., um 20.15 Uhr im Dom.