Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

„Die sterblich Verliebten“ Gefühlvoll und spannend: Neuer Roman von Javier Marías

Von Barbara Wegmann | 19.06.2012, 17:00 Uhr

Jeden Morgen beobachtet die Verlagsangestellte María ein Pärchen im Café. Sie studiert Luisa und Miguel und versucht ihre Mimik und Gestik zu deuten. Jeden Morgen gibt ihr das heimliche Beobachten des so harmonisch wirkenden Paares Freude für einen ganzen Tag. Für die Erzählerin María in Javier Marías neuem Roman „Die sterblich Verliebten“ ist es ein Stück „heile Welt“, auch Halt für ihr eigenes, zurückgezogenes Leben.

Eines Tages kommt das Paar nicht mehr und María erfährt, dass Miguel auf offener Straße erstochen wurde. Sie nimmt Kontakt zu Luisa auf, freundet sich mit ihr an. Bei einem ihrer Besuche lernt sie den attraktiven Javier Díaz-Varela kennen, ein Freund Miguels. Von ihm fühlt sie sich magisch angezogen...

Javier Marías‘ neues Buch hat über 400 Seiten, die Handlung zusammenzufassen, erfordert nicht einmal eine halbe Seite. Und die restlichen? Sie sind einfach nur ein hochgradiger Genuss. Alles beginnt als Liebesroman, verzaubernd und gefühlvoll, wandelt sich aber in einen Kriminalroman, voller Verwirrung und Geheimnisse. María ist fixiert auf das Schicksal von Luisa und Miguel: Wie sah ihr Leben aus. Wie hätte ihre Zukunft aussehen können? Die spärliche Handlung wird belebt und bereichert durch Gedankenausflüge. Jeder neue Gedanke verschiebt die Position der Mitspieler. Es gibt neue Bezüge und Beziehungen. Meisterhaft variiert Marías so ganz unmerklich die Kulissen.

Javier Marías: „Die sterblich Verliebten.“ Roman. 400 Seiten. S. Fischer Verlag. 19,99 Euro.