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Die letzte Chance zur Bewährung 32-Jähriger muss nach Körperverletzung und Diebstahl nicht in Haft

Von Heiko Kluge | 20.02.2017, 19:08 Uhr

Aufgrund einer Rangelei mit dem Mann, der angeblich seine Schwester belästigt hatte, verurteilte das Landgericht Osnabrück einen heute 32-Jährigen Mann wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Diebstahl zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe. Trotz zahlreicher Vorstrafen wurde ihm noch eine Bewährungschance gegeben.

Im Dezember 2015 hatte der Angeklagte bei seiner Schwester in der Atterstraße in Osnabrück zu einem Besuch vorbeigeschaut. Die erzählte, dass ein im selben Haus wohnender Mann sie belästigt habe. Um diesem Mann „eine Ansage“ zu machen, hatte sich der 32-Jährige entschlossen, ihn sofort aufzusuchen.

Erstinstanzliches Urteil zutreffend

„Er hatte sich als Bruder berufen gefühlt, das zu klären“, erklärte der Verteidiger des 32-Jährigen in der Berufungsverhandlung. Die Feststellungen des erstinstanzlichen Urteils seien bis auf ein paar Details zutreffend. Weil der mutmaßliche Belästiger aber zwei Köpfe größer als sein Mandant sei, habe der 32-Jährige auch einen Bekannten mitgenommen. „Er hat sich schlicht nicht getraut, ihm alleine gegenüberzutreten“, so der Anwalt. Eine körperliche Auseinandersetzung habe sein Mandant nicht im Sinn gehabt.

Diverse geringfügige Verletzungen

Dennoch hatte der 32-Jährige den Mann sofort, nachdem der seine Wohnungstür geöffnet hatte, in dessen Wohnung zurückgedrängt, um dort die so genannte Ansage zu machen. Allerdings war die Situation in Kürze derart aufgeheizt, dass es zu einer Rangelei zwischen den beiden Männern kam und sie zu Boden stürzten. Als Folge trug der Mann diverse geringfügige Verletzungen davon. Im Anschluss nahm der 32-Jährige noch das auf einem Tisch liegende Handy und die Geldbörse des Mannes mit. Dies sei als „Strafaktion“ gedacht gewesen, so der Verteidiger.

In einer ersten Instanz hatte der 32-Jährige für seine „Ansage“ eine zehnmonatige Freiheitsstrafe bekommen. Nun wollte der Angeklagte versuchen, die Staatsanwältin und das Gericht davon zu überzeugen, die zehn Monate noch zur Bewährung auszusetzen. Angesichts zahlreicher Vorstrafen und der Tatsache, dass er während der Rangelei unter laufender Bewährung stand, war das aber wahrlich kein Selbstläufer für den 32-Jährigen.

Mit Arbeitsvertrag

Doch er konnte nicht nur vorweisen, dass er mittlerweile nach Holdorf gezogen war, um sich von seinem bisherigen problematischen Umfeld zu lösen. Er brachte auch einen Arbeitsvertrag als Hausmeister mitsamt seinem Arbeitgeber in den Gerichtssaal. „Ich versuche, mein Leben zu regeln“, beteuerte der Angeklagte. Sie habe da gewisse Bauchschmerzen, meinte die Staatsanwältin mit Blick auf das umfangreiche Strafregister des 32-Jährigen. „Allerdings weiß ich auch nicht, ob es der richtige Weg ist, wenn man ihn jetzt in Haft schickt.“ Sie sprach sie dafür aus, dem Mann noch eine Chance zu geben.

Günstiger Bericht des Bewährungshelfers

Auch das Gericht entschied nach längerer Beratung, dem Mann die Bewährungschance noch einzuräumen. „Das ist der Kammer nicht leicht gefallen“, betonte die Richterin. Unter anderem war es auch der günstige Bericht des Bewährungshelfers, der den Ausschlag gab. „Sie vermitteln jedenfalls den Eindruck, sie wollen es wirklich packen“, sagte die Richterin. Diese Chance wolle das Gericht auch geben.

Allerdings setzten die Richter die Bewährungszeit mit fünf Jahren beachtlich hoch an. Zusätzlich soll der Mann 150 Sozialstunden ableisten. Ob er die Chance nun nutze, meinte die Richterin an den 32-Jährigen gewandt, „liegt nun ganz in ihrer Hand“.