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Die Kunst des simplen Rock Boozed feiern beim Schloga Open Air Reunion

Von Tom Bullmann, Tom Bullmann | 15.06.2016, 18:46 Uhr

Boozed heißt die Band, die ein paar Schüler aus Bramsche 2001 gründeten und damit ziemlich schnell ziemlich bekannt wurden. 2010 trennten sich die Musiker – um jetzt beim Schloga Open Air reanimiert zu werden. Wir sprachen mit Markus Strothmann, dem Sänger der Band, über Rocker, Rock und AC/DC.

Nach sechs Jahren der Trennung gibt es bald eine Reunion der Rockband Boozed. Wie kam es dazu?

Wir haben uns im letzten Jahr mal in der alten Besetzung im Proberaum getroffen, um einfach Songs zu spielen und Spaß zu haben. Da hat man schon gemerkt, dass die Energie noch genauso ist wie immer, und dass wir uns auch nach wie vor gut verstehen.

Mittlerweile müsstet Ihr doch alle um die 30 Jahre alt sein…

Das ist richtig. Gegründet haben wir Boozed 2001, da waren wir so um die 16. Wir kommen ja alle aus den Käffern rings um Bramsche und sind teilweise zusammen zur Schule gegangen. Wir hatten eben Bock, Rock´n´Roll zu machen mit allem, was dazugehört.

Und wer hatte die Idee mit dem Auftritt beim Schloga Open Air, der jetzt ansteht?

Das war Marco Gausmann, der unter anderem das Osnabrücker Musikbüro leitet. Er stellt auch das Bühnenprogramm für das Schloga Open Air zusammen. Er hat gefragt, ob wir für das Festival nicht noch mal Boozed reanimieren wollen. Ich habe dann die Jungs gefragt, und alle haben sofort zugesagt.

Leben die ehemaligen Bandmitglieder denn noch in Bramsche oder der Region Osnabrück?

Nein, Michael Ponert, einer der Gitarristen, ist in der Zwischenzeit nach Hamburg gezogen. Darum war es auch ein bisschen kompliziert, die Proben für den Auftritt zu organisieren. Der musste zum Proben natürlich immer nach Osnabrück düsen.

Musstet Ihr denn überhaupt proben? So lange ist die Auflösung der Band doch noch gar nicht her.

Das musste leider sein. Das Meiste hat man schon noch parat, aber hier und da sind nach sechs Jahren gewisse Löcher im Gehirn, da muss man dann auffrischen. Außerdem spielen wir nicht nur die alten Nummern, sondern auch ein paar neue.

Wer hat denn die neuen Songs geschrieben?

Wir haben genauso gearbeitet wie früher. Zum Beispiel bringe ich ein Grundgerüst für ein Lied mit, Lagerfeuergitarre und Text, und dann entwickeln wir das zusammen zu einem Song. Oder einer der Gitarreros hat ein Riff, aus dem wir was basteln.

Wie lange habt Ihr dann an dem Programm für das Reunion-Konzert gearbeitet?

Wir haben vor einem halben Jahr angefangen und uns einmal im Monat auf dem alten Kasernengelände am Limberg im Proberaum getroffen. Das hat genauso viel Spaß gemacht wie immer. Die Spannung und die Energie sind immer noch da, es hat einfach Action, wenn wir zusammen spielen.

Wieso habt Ihr euch denn eigentlich vor sechs Jahren getrennt?

Das ging von mir aus. Ich hatte das Gefühl, dass wir mit der Band auf der Stelle treten. Nach zehn Jahren und vier veröffentlichten Platten drehte sich alles nur noch im Kreis. Wir spielten immer in denselben Locations und statt mehr kamen eher weniger Leute zu den Konzerten. Es hat zuletzt einfach keinen Spaß mehr gemacht.

Zu der Zeit hast Du schon am Institut für Musik studiert?

Richtig, ich habe da meinen Bachelor in Musikpädagogik/Pop gemacht. Da kam ich auch ins Grübeln, ob Musik nicht anspruchsvoller sein müsste als das, was wir da mit Boozed gemacht haben. Das war ja immer simpler Rock, im Kern so der AC/DC-Style. War natürlich Quatsch. Später bin ich dann auf den Trichter gekommen, dass die Kunst beim Rock´n´Roll gerade darin besteht, etwas Einfaches gut klingen zu lassen. Rockmusik braucht für mich Energie und Feeling. Leicht zu kapieren, aber schwer zu machen.

Du erwähntest gerade AC/DC: Wolltet Ihr am Anfang nicht eine AC/DC-Coverband gründen?

Das war die Idee, als wir angefangen haben. Übrigens hießen wir ganz am Anfang noch nicht „Boozed“, sondern „Booze“, weil dieses englische Wort für Schnaps und Saufen so oft in den Texten von AC/DC auftaucht. Groß nachgedacht haben wir darüber nicht.

Richtig, ich erinnere mich noch an den Wettbewerb „Rock in der Region 2001“, den Ihr schon kurz nach eurer Gründung gewonnen habt. Da hießt Ihr noch Booze.

Genau. Allerdings gab es zu der Zeit in Bramsche einen Rockerclub, der „MC Booze“ hieß. Die fanden das gar nicht witzig, dass wir genauso heißen. Als sie dann gesehen haben, dass wir noch Kinder sind, haben sie die harte Tour aber weggelassen und ganz pädagogisch gefragt, ob wir unseren Namen nicht ändern können, das sei doch für alle besser. Daher wurden wir zu Boozed.

Und ziemlich schnell bekannt. Keine Band aus unserer Region hat so schnell bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Das kam mir nie so krass vor, aber klar, wir waren gut unterwegs. Maßgeblich dazu beigetragen hat Alex Hansen. Der war damals der Webmaster der Donots. Als er uns bei unserem ersten Osnabrückauftritt im JZ Ziegenbrink gesehen hat, war er gleich Fan und bot uns zunächst an, eine Homepage für uns zu gestalten. Mit der Zeit hat er sich um alles gekümmert, er wurde unser Manager. Ohne ihn wären wir mit Sicherheit nie aus Osna rausgekommen.

Hat er dann auch dafür gesorgt, dass Ihr vom WDR-Rockpalast aufgezeichnet wurdet?

Genau. Das war 2006 in der Bonner Harmonie. Wir haben quasi als Support von Inga Rumpf gespielt. Das war schon cool, aber der Auftritt war nichts Besonderes. Eher ein Gig wie jeder andere.

Noch einmal zurück zu AC/DC. Bist Du eigentlich immer noch Fan?

Nur von den Platten mit Bon Scott. Den Typ feiere ich immer noch, für mich der beste Rocksänger aller Zeiten. Leider bin ich zu spät geboren, um die „richtigen“ AC/DC mit ihm am Mikro live zu sehen. Der gute Mann hat ja ordentlich Gas gegeben und ist ziemlich früh am Saufen gestorben.

Das heißt, mit der neuen Besetzung der Band mit Axl Rose von Guns N´ Roses als Sänger wirst Du Dich dann nicht anfreunden können?

Nein, überhaupt nicht. Das ist für mich Kaspertheater zum Geldverdienen.