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Die erste nach den Ferien Freitag rollt die Geburtstags-„Critical Mass“ durch Osnabrück

Von Frank Wiebrock | 25.09.2015, 00:19 Uhr

Die Sommerferien 2015 sind in Niedersachsen seit gut drei Wochen Geschichte, am Freitag rollt wieder eine „Critical Mass“ durch den schon baustellengeplagten Osnabrücker Berufsverkehr. Treffpunkt ist um 18 Uhr an der Osnabrücker Stadthalle am Neuen Graben.

Das besondere an dieser „Critical Mass“: Die Rundfahrt unter dem Motto „Wir sind kein Verkehrshindernis – Wir sind der Verkehr“ feiert in Osnabrück gleich zwei Geburtstage. SEti zwei Jahren gibt es die „Critical Mass“ regelmäßig. Und vor sechs Jahren im September 2009 machten sich – damals noch an einem Samstag – rund 200 Radfahrer auf den Weg, um den „Verkehrsraum“ nicht länger nur den Autos zu überlassen. Das Ziel: eine fahrradfreundlichere Stadt und eine Verkehrspolitik, die sich nicht primär an den Bedürfnissen motorisierter Mehrräder ausrichtet.

Ein Hauch von Underground

Schwang früher ein Hauch Underground mit - der Treffpunkt wurde lange erst kurze vor der Aktion bekannt gegeben und auch im Verhältnis zu der Osnabrücker Polizei kam es zwischenzeitlich zu Irritationen – ist die „Critical Mass“ heute ein fast normales, monatliches Rad-Event: Man trifft sich jeden letzten Freitag im Monat um 18 Uhr an der Osnabrücker Stadthalle und nimmt die Tour in Angriff.

Zu zweit nebeneinander - und das völlig legal

Geblieben ist aber etwas, was Radfahrer als ihr gutes Recht und manche Autofahrer als Provokation empfinden. Eine kleine Passage in der Straßenverkehrsordnung gibt der gemeinsamen Ausfahrt die nötige Würze, um einige Autofahrer in den überkritischen Bereich zu treiben: „Mehr als 15 Rad Fahrende dürfen einen geschlossenen Verband bilden“, heißt es im Paragrafen 27 der STVO. Und für einen solchen Verband gilt ein möglicher Radwegezwang nicht. Stattdessen dürfen die Radfahrer völlig regelkonform zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren. Was die Osnabrücker „Critical Mass“-Teilnehmer in der Regel auch genauso zelebrieren. Zum Ärger einiger Autofahrer. ( Weiterlesen: Zehn Irrtümer zum Thema Radfahrer im Verkehr )

Jubiläumsposter

An diesem Geburtstag ist zumindest eins anders: Bei der Geburtstagsausgabe der Critical Mass wird ein Lastenrad mit mobiler Druckstation dabei sein und gegen eine kleine Spende das Jubiläumsposter drucken.

Ein bisschen Atomphysik

Bliebe die Frage: Woher kommt der Name „Critical Mass“? Der Begriff stammt aus der Kernphysik. Bei einer Kernspaltung werden Neutronen freigesetzt, die wiederum weitere Kerne spalten – wenn sie denn welche treffen. Das hängt unter anderem von der Dichte des Spaltmaterials ab. Die kritische Masse ist dann erreicht, wenn innerhalb des Materials jede Spaltung durchschnittlich eine weitere auslöst. Ist die Masse unterkritisch, klingt die Kettenreaktion ab. Ist sie (unverzögert) überkritisch, hat man gerade entweder einen völlig außer Kontrolle geratenen Atomreaktor oder die Zündung einer Atombombe erlebt.

Um 18 Uhr geht es los

Nun sind viel Rad-Aktivisten in Sachen Kernkraft und Atomwaffen eher unverdächtig. Hier greift wohl eher der übertragene Wortsinn: Wenn man nur genug Radfahrer auf die Straße bringt, also die kritische Masse erreicht, ändert sich vielleicht auch die Wahrnehmung der anderen Verkehrsteilnehmer und langfristig die Verkehrspolitik. Die nächste Chance dazu besteht am Freitag ab 18 Uhr.