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Deutscher Stiftungstag Wie Stiftungen jungen Flüchtlingen Chancen bieten

Von PM. | 19.05.2017, 18:05 Uhr

Um Bildung und eine stärkere Vernetzung geht es beim Deutschen Stiftungstag 2017. Mit 1600 Teilnehmern ist der dreitägige Kongress der größte seit vielen Jahren in Auch die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte setzte eigene Akzente mit einer gut besuchten Veranstaltung.

„Bock auf Bildung!? Stiftungen unterstützen Geflüchtete“ – so lautete das von drei Stiftungen gemeinsam aufgegriffene Thema. Zur Debatte hatten außer der Stiftung Stahlwerk die Caritas-Gemeinschaftsstiftung Osnabrück und die Evangelischen Stiftungen Osnabrück eingeladen. Dabei würdigte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte, Ernst Schwanhold, das Netzwerk Bildung, zu dem sich namhafte Stiftungen der Region zusammengeschlossen haben.

„Unsere heutige Einwanderungsgesellschaft“

Zugleich betonte Schwanhold, allein wegen ihrer Unabhängigkeit seien Stiftungen in der Lage, jenseits politischer Interessen eigene Ziele und Projekte zu verfolgen. Migrationsforscher Jochen Oltmer von der Universität Osnabrück nannte dies „legitim“ und forderte die Stiftungen auf zur „genauen Beobachtung der anderen“, um sich bei bestimmten Projekten gegenseitig zu unterstützen. „Stiftungen sind aber nicht nur dazu da, um Geld zu geben, sondern sie sind auch ein Teil von Gesellschaft, besser gesagt: unserer heutigen Einwanderungsgesellschaft“, erklärte der Wissenschaftler. Damit könnten sie „deutlich machen, an welchen Stellen es in der Gesellschaft hapert“.

Baden in Leggings

Schwanhold warb bei der vom Vorstand der Caritas-Gemeinschaftsstiftung, Ludger Abeln, moderierten Diskussion um Partner für seine Stiftung im Bereich der Kulturförderung. Die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte betätige sich zwar schwerpunktmäßig in der Region Osnabrück, eine Förderung von Projekten sei aber auch „weit darüber hinaus“ möglich, antwortete der Vorstandsvorsitzende auf eine Frage aus dem Publikum.

Wie wirksame Hilfe von Stiftungen in der Region aussehen kann, machten Impuls-Referenten deutlich. Sozialarbeiterin Ann Christin Rüngeling von der Grundschule Osnabrück-Eversburg berichtete von einem Schwimmprojekt für Kinder aus Sprachlernklassen, das von der Caritas-Stiftung finanziert wird. Mit dabei sei auch ein muslimisches Mädchen, das immer nur in Leggings und langärmeligem T-Shirt ins Wasser gehe, aber kürzlich das Seepferdchen-Abzeichen geschafft habe. Wichtigste Aufgabe der Schule sei es, die deutsche Sprache zu vermitteln, sagte Rüngeling und fügte hinzu: „Aber ohne Hilfestellung von außen ist Integration nicht zu schaffen.“

Gebetsraum eingerichtet

Zwölf Klassen mit Sprachförderunterricht für insgesamt 160 Schüler gibt es am Osnabrücker Berufsschulzentrum am Westerberg. Neben der Vermittlung von Sprachkompetenz gehe es um Integration insgesamt, sei es in die Schulgemeinschaft, die Lebens- und die Berufswelt, erklärte der stellvertretende Schulleiter Ulf Zumbrägel. Er erinnert sich, dass einige der mit der Flüchtlingswelle 2015 neu angekommenen Schüler plötzlich „einen Teppich ausgerollt und gebetet“ hätten. Dies sei im Unterricht untragbar gewesen, doch die jungen Migranten hätten damit aufgehört, als man ihnen einen Gebetsraum eingerichtet habe.

Auf Arabisch

Über das Integrationsprojekt KAUSA beim Berufsbildungs- und Servicezentrum des Osnabrücker Handwerks berichtete Katharina Loose. Dabei gehe es darum, Jugendliche, Eltern und Unternehmer mit Migrationshintergrund über die Chancen der dualen Ausbildung zu informieren. Dank der Finanzierung durch den Bund und die EU gebe es für dieses Projekt jetzt dreieinhalb statt wie zuvor zwei Stellen für Mitarbeiter. Diese informieren etwa auf regelmäßigen Veranstaltungen in Arabisch über Handwerksberufe oder organisieren Besichtigungen in Werkstätten der Handwerkskammer. Ein Angebot, bei dem jungen Migranten in zwei Stunden zehn verschiedene Handwerksberufe vorgestellt wurden, sei „enorm gut angekommen“, berichtete Loose.

Maren Wilmes und Annekatrin Teschner klärten die Zuhörer über die Integrationsangebote von Caritas und Diakonie auf. Durch die Caritas sind laut Wilmes 120 junge Flüchtlinge an Lernpaten vermittelt worden. Die Diakonie-Einrichtung „Café Mandela“ im Osnabrücker Rosenplatzviertel kümmere sich vor allem um „niedrigschwellige Sprachangebote“ für Erwachsene, so Teschner. Es gebe dort aber auch weitere Angebote wie Rechtsberatung, Hilfe bei der Wohnungssuche oder die Vermittlung von psychologischer Betreuung.

Abschließend warnte Integrationsforscher Oltmer alle Akteure beim Thema Integration davor, „den Eindruck zu erwecken, dass es derzeit en vogue wäre, nur über Migration zu reden“. Gerade die Stiftungen müssten „dazu beitragen, dass Teilhabe als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wird“.