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Quatsch und Albernheiten Der Tod wird in der Lagerhalle in Osnabrück bejubelt

Von Thomas Wübker | 23.09.2019, 13:22 Uhr

Etwa 160 sehr lebendige Menschen waren am Freitagabend in die Lagerhalle gekommen, um sich mit Der Tod über das Leben und seine Begleiterscheinungen zu amüsieren.

Nachdem das Publikum mit Liedern wie "Life ist Life" oder "The Final Countdown" auf den Auftritt von Der Tod eingestimmt wurde, kam nicht der Sensenmann, sondern eine Eintagsfliege am Freitag auf die Bühne und freute sich: „Ich habe mein ganzes Leben Schulstreik.“ Solche und ähnlich Flachwitze gab die Eintagsfliege von sich: „Wenn morgen was Schlechtes über mich in der Zeitung steht, kriege ich es ja nicht mehr mit.“ Und dem Publikum hat es gefallen. Die Eintagsfliege kann wiederkommen.

Der Tod ist – anders als die Eintagsfliege – für die Ewigkeit. Er machte aber wie die Kollegin weiter mit Wortspielereien. Er war froh, dass der Sommer vorbei ist. Bei den vielen Hitzerekorden sei er mit dem Kaltmachen gar nicht hinterher gekommen. „Ich stand kurz vor dem Burn-out.“

Bisweilen brach er aus seiner Rolle als Tod heraus. Als er das Publikum zum Mitmachen animierte, gab er zu, dass er gar nicht sehen konnte, wer mitmacht oder nicht. „Ich kann nur einen Meter weit in der Kutte gucken.“ Der Tod erklärte auch, warum er ein deutscher Tod ist. „Deutschland ist ein tolles sterbendes Land“, sagte er und belegte es mit Zahlen. Die Ausgaben von Rüstung übersteigen die für Klimaschutz um ein Vielfaches. Auch toll: Es gibt hier zahlreiche Tote aufgrund des Alkohol- und Nikotinkonsums. Bei Cannabis-Nutzern herrsche laut Der Tod Nachholbedarf. Da wurde noch kein Toter gezählt. „Nun ratet mal, was hier verboten ist.“ Das war es aber auch schon mit dem Ausflug ins Politische.

Zum Totlachen

Das Metier von Der Tod ist Quatsch machen und Albernheit. Das ist auch in seinem neuen Programm „Zeitlos“ so, das er am Freitag in der Lagerhalle spielte. Seinen Job beherrscht er gut. Die makabren Scherze kamen beim Publikum an. Die meisten Zuschauer lachten sich tot. Und das bewies, dass der Tod Spaß machen kann. Einen großen Applaus erhielt der Komiker aber, als er ernst wurde. Er sammelt während seiner Tourneen für Projekte, die was mit „seiner Arbeit“ zu tun haben. In den vergangenen vier Jahren sollen nach seinen Angaben 60.000 Euro zusammen gekommen sein. In Osnabrück wurde für das „Silbernetz“ gesammelt, einer Telefon-Hotline für alte, vereinsamte Menschen. Lange blieb Der Tod jedoch nicht ernst. „Wenn ihr euch fragt, warum gerade ich alte Menschen unterstütze, sage ich euch: Ihr esst ja auch lieber Eier von glücklichen Hühnern.“

Die lustigen Aspekte des Todes finden sich überall in unserem Alltag, wie Der Tod anhand zahlreicher Fotos und Fundstücke aus Zeitungen demonstrierte: So prangte ein Schild mit der Aufschrift „Wi-Fi“ am Friedhofseingang oder der Schlagzeile „Finanzbeamter saß zwei Tage tot am Schreibtisch – Kollegen bemerkten nichts.“ Für seine Darbietung wurde Der Tod von seinen Fans bejubelt, obwohl er die Geduld seiner Fans am Ende seiner Show noch strapazierte: Er ließ minutenlang Luft aus einigen aufblasbaren Sensen und pries dabei den entspannenden Aspekt des „Luftablassens“ an. Dann wurde das Publikum mit "Killing me softly" entlassen.

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