Ein Artikel der Redaktion

Wohin mit den Ex-Lieblingen? Der Osnabrücker Zoo ist kein Heim für ausgesetzte Tiere

Von Frank Wiebrock | 31.08.2015, 15:26 Uhr

Die Schlange im heimischen Terrarium will nicht nur regelmäßig gefüttert werden, sondern wächst und wächst und wächst? Die Schildkröten-Population explodiert förmlich? Und das Papageien-Geplapper ist auch nicht mehr so amüsant wie früher? Wer exotische Haustiere abgeben will oder muss, stößt schnell auf Probleme. Wichtig: Aussetzen ist keine Lösung.

Das Problem ist komplex: Zoohandlungen verkaufen zwar gerne, nehmen aber ungern Tiere zurück. Tierheime kümmern sich ausschließlich um Fundtiere und haben für Exoten oder Wildtiere oft keine geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten. Die hätte – zumindest theoretisch – der Zoo: Allerdings ist der weder eine Aufnahmestation noch hat er Interesse an der x-ten Kornnatter. Bliebe noch die Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen im Landkreis Schaumburg.

Wohin mit dem Ex-Liebling

Wohin also mit dem Ex-Liebling? Manchmal wird er einfach ausgesetzt. Wie zum Beispiel eine rot-weiß-schwarz gefärbte Schlange, die Passanten Anfang August an der Iburger Straße entdeckten. Und die Feuerwehr riefen.

Keine schlechte Anlaufstelle, findet Lisa Josef, Pressesprecherin des Zoos, besonders, wenn man nicht genau weiß, was man da vor sich hat. Denn die Feuerwehr ist in Osnabrück auch für die Tierrettung zuständig. Etliche von der Feuerwehr geborgene Tiere harren danach im Tierheim einer meist ungewissen Zukunft. Exoten wie Schlangen werden allerdings dann doch oft den Experten im Osnabrücker Zoo übergeben.

Zehn bis 15 solcher Exoten stranden pro Jahr im Zoo

10 bis 15 solcher Exoten – überwiegend wohl Reptilien – stranden so pro Jahr im Osnabrücker Zoo. Die Tiere werden in Quarantäne gehalten, schließlich sollen sie weder Krankheiten noch Parasiten einschleppen. Außerdem müssen gerade Exoten nach Tagen in der ungewohnten Freiheit oft aufgepäppelt werden.

Nur selten schafft es ein Tier dann aber in den auch für Zoobesucher sichtbaren Bereich. Die meisten Gehege und Terrarien sind belegt. Und zu komplex ist das Bestandsmanagement, um Fundtiere einfach mal so einzugliedern. Schon deshalb wäre es auch keine gute Idee, Tiere heimlich in den Zoo zu schmuggeln und dort auszusetzen.

Wer will eine Kornnatter?

In jüngster Zeit wurden insgesamt zwei Königs- und eine Kornnatter – allesamt nicht giftig – unter anderem von der Feuerwehr im Osnabrücker Zoo abgegeben. Der Zoo sucht dann schon mal auf Facebook nach fachkundigen Interessenten, die die ungeplanten Zugänge übernehmen.

Aber es sind nicht immer nur vergleichsweise kleine Nattern, die zumindest vorübergehend eine neue Heimat am Schölerberg finden: Vor drei Jahren hatten Gäste des Campingplatzes an der Nordstraße in der Nähe des Funkturms in Schinkel eine Albino-Python entdeckt. Die recht kräftige Würgeschlange war fast vier Meter lang.

Vier bis fünf Anrufe pro Woche

Im Schnitt vier bis fünf Anrufe von Privatleuten gehen pro Woche beim Zoo ein, schätzt Andreas Wulftange, die ein neues Heim für eigene oder gefundene Tiere suchen. Dabei gehe es nicht nur um Reptilien, so der Biologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zoo, das Spektrum reiche von der Vogelspinne bis zum verletzten Greifvogel. Für letztere ist der Osnabrücker Zoo dann auch tatsächlich zuständig, jedenfalls „solange wir können“. Ohnehin werden abgegebene Wildvögel nach der Genesung schnell wieder ausgewildert.

Um „alle Vögel, im Einzelfall andere heimische Tiere der besonders geschützten Arten“ kümmert sich auch der Osnabrücker Wolfgang Herkt mit seiner staatlich anerkannten Vogelbetreuungsstation in Hellern. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz pflegt im Internet eine Liste mit anerkannten Betreuungsstationen in Niedersachsen. Auch in anders gelagerten Fällen versuche der Zoo zu helfen, zumindest mit Rat.

Bambi in der Innenstadt

So kümmert sich zum Beispiel Reinhold Rethschulte als Jagdaufseher des Reviers „Osnabrück Nord“ regelmäßig um Rehe. Die gibt es tatsächlich in der Stadt. Wenn sich das ein oder andere Bambi in Gärten der Innenstadt oder sogar bis in die Richtung Neumarkt verirrt, rettet er das Tier. Es wird gefangen, erhält ein Beruhigungsmittel, wird gegebenenfalls noch einige Zeit betreut – und dann wieder in die Osnabrücker Wildnis entlassen.

Alles außer Krokodile und Großraubtiere ...

Ansonsten ist für Wildtiere die Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen zuständig. Die Auffangstation nimmt rund 2000 Tiere pro Jahr auf und ist in der Lage, fast alle einheimischen Tierarten unterzubringen. Auch nichtheimische Arten können aufgenommen werden, Ausnahmen sind allerdings große Krokodile, besonders gefährliche Giftschlangen und Großraubtiere. Und genau wie der Osnabrücker Zoo ist auch die Wildtier- und Artenschutzstation für jedes Tier dankbar, das ein sachkundiger Interessent übernimmt.