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Kommentar Der ausgestreckte Stinkefinger für alle Nazi-Sympathisanten

Meinung – Wilfried Hinrichs | 27.12.2019, 17:53 Uhr

Die Stadt Osnabrück hat versehentlich das Kennzeichen OS-HH-88 an eine Fahrzeughalterin ausgegeben. Die Kombination kann als Code für "Heil Hitler" verstanden werden. Deshalb wird das Nummernschild jetzt geändert. Ist das nicht übertrieben? Ein Kommentar

Im Landkreis Kassel hat ein junger Mann mit türkischen Wurzeln ein HH-88-Wunschkennzeichen an seinen Ford geschraubt – nicht etwa, um sich als Nazi zu outen, sondern um zu provozieren und zum Nachdenken anzuregen. Denn: Wenn ein südländisch aussehender Mann mit einem Nazi-Kennzeichen herumfährt, so seine Idee, ist das wie ein ausgestreckter Stinkefinger für alle Rechtsaußen.

Diese kleine Anekdote zeigt, dass HH-88 sehr wohl als Nazi-Code verstanden wird, auch wenn die Bedeutung nicht jedem sofort ins Auge springt. Es genügt aber, dass eingeweihte (braune) Kreise es erkennen und als gegenseitige Bestätigung empfinden. Daher ist es nicht zu kleinlich und keineswegs das Ergebnis übertriebener politischer Korrektheit, wenn die Stadt Osnabrück das HH-Kennzeichen eilig aus dem Verkehr zieht und den eigenen Fehler korrigiert. Es ist die richtige Reaktion auch mit Blick auf die Fahrzeughalterin, die unter falschen Verdacht hätte geraten können.

Nun mögen sicher einige fragend auf die Hansestadt Hamburg schauen, wo 783.000 Fahrzeuge HH auf den Nummernschildern tragen und sich keiner darüber aufregt. Wichtig zu wissen: Die Kombination mit den passenden Zahlen macht den Unterschied.