Ein Artikel der Redaktion

Delegationsreise vom 2. bis 6. Juni Stadt und IHK Osnabrück wollen in Israel Kontakte knüpfen

Von Sandra Dorn | 01.06.2018, 20:42 Uhr

Israel: Da denken die meisten an den Nahostkonflikt. Dabei ist das Land nach dem amerikanischen Silicon Valley der wichtigste Hightech-Standort der Welt. Die hiesige Industrie- und Handelskammer und die Stadt Osnabrück wollen bei einer Delegationsreise ab Samstag Kontakte knüpfen.

Die vergangenen Delegationsreisen führten sie in Länder und Orte, mit denen die Stadt bereits freundschaftliche Beziehungen pflegte: Russland (Twer), China (Hefei) und die USA (Evansville). In Israel fangen sie fast bei Null an – und das in einem Land, das wegen Gewalt im Gazastreifen und Raketenangriffen gerade in den vergangenen Tagen wieder Schlagzeilen machte.

Es kam rings um den 70. Jahrestag der Staatsgründung am 14. Mai einiges zusammen, das schon fast auf den Beginn eines neuen Kriegs hindeutete: Erst die Verkündigung des US-Präsidenten Donald Trump, die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, dann die Massenproteste im Gazastreifen, bei denen israelische Soldaten Palästinenser erschossen. Zuletzt hatte die radikalislamische Hamas vom Gazastreifen aus Israel massiv mit Raketen und Mörsergranaten attackiert – das Land antwortete mit dem größten militärischen Gegenschlag seit 2014. Am Mittwochmorgen stellten sie ihre gegenseitigen Angriffe wieder ein.

Kaum Austausch

Im Gegensatz zu Georgsmarienhütte, das seit 42 Jahren eine Partnerschaft mit Ramat Hasharon pflegt, kann Osnabrück bislang keine Beziehungen nach Israel vorweisen. Auch der wirtschaftliche Austausch ist kaum der Rede wert. Lediglich die Osnabrücker Firma Hellmann hat in Tel Aviv einen Sitz, zählt dafür aber sogar zu den größten Logistikunternehmen in Israel. Beim Export rangiert das Land mit 97 Unternehmen aus der Region Osnabrück, Emsland, Grafschaft Bentheim auf Rang 38, beim Import auf Rang 40: Nur zwölf Unternehmen gaben bei der jüngsten IHK-Analyse an, Waren aus Israel zu importieren.

„Für uns ist das Neuland“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf. Ein Ziel der Reise sei, Israel mehr in der Region zu verankern. Potenzial ist da: Israels Wirtschaft prosperiert, besonders stark ist das Land in den Bereichen Hightech und IT, die Start-Up-Szene boomt – nicht zuletzt wegen der großen Bedeutung des Militärs. Auf dem Programm der Delegationsreise stehen Besuche bei Start-Ups und dem Mindspace Ahad Ha‘Am in Tel Aviv – ein wenig vergleichbar mit dem ICO in Osnabrück. Geplant ist außerdem ein Besuch bei der Firma Netafim, die in dem wasserarmen Land das System der Tropfbewässerung für die Agrarbranche entwickelte. Sechs Unternehmen aus Stadt und Landkreis Osnabrück fahren mit, vertreten sind die Branchen Anlagen- und Maschinenbau, Logistik und Handel, außerdem ein Steuerberatungs- und ein Rechtsanwaltsbüro und das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik.

Politiker sollen Türen öffnen

Die Stadt Osnabrück wird in der Delegation vertreten durch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU), außerdem fahren drei Ratsmitglieder mit. Es sei Wunsch der Wirtschaft gewesen, dass auch die Politik dabei ist, sagt Griesert. „Wenn ich an unsere bisherigen Reisen denke, weiß ich, wie hilfreich solche Reisen sein können“, so der OB. „Wir lernen Land und Leute kennen und bauen neue Kontakte auf, wenn möglich auch sogar neue Firmenkooperationen.“ Eine besondere Bedeutung habe diese Reise vor dem Hintergrund des 70-jährigen Bestehens des Staates. Und auch das Thema Friedensstadt spiele eine Rolle, so Griesert. 2013 verlieh die Stadt ihre höchste Auszeichnung, den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis, gemeinsam an einen Israeli und einen Palästinenser, die sich beide für Verständigung im Nahostkonflikt einsetzen und auf eine Zwei-Staaten-Lösung hoffen: den israelischen Diplomaten Avi Primor sowie den Gouverneur von Gaza Abdallah Frangi.

Wolfgang Griesert war noch nie in Israel. „Ich finde es spannend, so ein Land auch mal persönlich kennenzulernen“, sagt er. Für Anette Meyer zu Strohen (CDU) ist es besonders wichtig, die Kontakte zur hiesigen Wirtschaft zu stärken, sagte sie unserer Redaktion. Frank Henning (SPD) betont, dass Osnabrück vorbildlich in Sachen Erinnerungskultur sei – mit dem Felix Nussbaum-Haus und der intensiven Aufbereitung der Judenverfolgung im Dritten Reich. Für ihn wird ein Höhepunkt der Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem sein. Und Volker Bajus interessiert sich als Grüner vor allem für die Bewässerungstechniken. „Vorurteile überwinden, Kontakte knüpfen: Dafür sind solche Reisen da“, so Bajus. Unsere Redaktion wird die Delegation begleiten und aus Israel berichten.