Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Das schwierige Verhältnis von Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart bei den „Concerts Remarquables“

Von Jan Kampmeier | 28.09.2011, 13:13 Uhr

Annette Kristina Banse und Hans Christian Schmidt-Banse gestalten den ersten Abend der Concerts Remarquables als – so die Ankündigung – „familiäres Emanzipationsdrama“. Die Protagonisten: Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart. Die zentrale These: Der Vater hat die Musik des Sohnes nicht verstanden, ihre Neuartigkeit, ihre Genialität. „Dem Vater wäre weniger mehr gewesen“, so Hans Christian Schmidt-Banse. Darüber musste es zum Zerwürfnis kommen, als der Sohn sich entschloss, seinen eigenen Weg zu gehen.

In gewohnter Weise wird das Ehepaar Banse im Dialog das Verhältnis des einstigen „Dream-Teams“ darstellen: „von den ersten feinen Rissen bis zur zunehmenden Empörung des Alten“. Immer wieder wird der Dialog unterbrochen durch eben die Musik, die der Vater nicht verstehen konnte. Dafür sorgt am Klavier die Pianistin Gesa Lücker mit Ausschnitten aus einigen der Mozart’schen Meisterwerke für Klavier. „Es soll hörbar werden, was der Alte nicht gehört hat.“ Wie immer wird jedoch ein vollständiges Werk erst am Schluss des Programms stehen, in diesem Fall die Klaviersonate c-Moll KV 457.

Das Konzept, von den Veranstaltern als „Concerto recitativo“ bezeichnet, soll informieren und unterhalten. Vorkenntnisse werden nicht erwartet. Hans Christian Schmidt-Banse freut sich über Kommentare wie den einer neuen Konzertbesucherin: „Ich wusste gar nicht, dass Klassik so viel Spaß macht.“ Das Publikum der Reihe, vermutet er, sei eigentlich kein typisches klassisches Konzertpublikum. Auf ihre Kosten kämen aber zum Beispiel Hörbuchfreunde.

Das zweite Konzert der Reihe folgt bereits eine Woche später, läuft allerdings als Sonderkonzert in Kooperation mit dem Morgenlandfestival und wird deswegen ausnahmsweise in der Schlossaula stattfinden. Es geht dann um ein Porträt des syrischen Klarinettisten Kinan Azmeh und bestimmte Verbindungen zwischen der Musik etwa von Mozart oder Brahms mit der des arabischen Kulturkreises.

Aus Anlass des 200. Geburtstages von Franz Liszt werden Annette Kristina Banse und ihr Mann dann im November eine Gegenüberstellung von Liszt und Frédéric Chopin wagen. Bei diesem Konzert wird der Pianist Henri Sigfridsson in die Tasten greifen, der auch für den ersten Abend im nächsten Jahr engagiert wurde, wenn es einmal mehr um Johann Sebastian Bach gehen soll. Die restlichen Programme behandeln die Komponisten Maurice Ravel und Antonio Vivaldi sowie, ziemlich überraschend, Dietrich Bonhoeffer. Der wäre nämlich beinahe Pianist geworden und hat sich die Liebe zur Musik stets bewahrt.

Das erste Konzert beginnt am kommenden Dienstag, wie immer um 19.23 Uhr im Hotel Remarque. Karten unter 0541/6096618.