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Schrauben, Flicken, Löten Repair-Café an jedem dritten Sonntag im Görsmann-Haus

Von Markus Strothmann | 22.07.2019, 10:19 Uhr

Im Hagener Repair-Café machen geschickte Hände kaputte Sachen wieder flott: vom Wischmopp bis zum Fahrrad-Navi, professionell und lediglich gegen eine freiwillige Spende.

Die Jacke ist eigentlich noch gut, aber die aufgenähte, linke Tasche hängt nur noch an ein paar Fäden. Wohl einmal zu oft an der Türklinke hängen geblieben beim eiligen Verlassen der Wohnung in der verzweifelten Hoffnung, es noch pünktlich zur Arbeit zu schaffen.

Kein Talent zum Nähen

Was jetzt? Zum Wegschmeißen ist die Jacke zu schade. Einfach weiter tragen geht auch nicht, was sollen die Leute denken. Die Tasche wieder annähen, das wäre doch was. Leider fehlt dazu das Talent. Erst neulich hat ein Sakko für 300 Euro das Zeitliche gesegnet beim Versuch, einen Knopf anzunähen.

Bis vor Kurzem hätte Oma das zwischen zwei Bechern Capuccino eben fertig gemacht, aber mittlerweile wollen die Augen nicht mehr so. Es sieht düster aus. Aber Moment. Da gibt es doch dieses Repair-Café im Gustav-Görsmann-Haus. Was stand nochmal auf dem Flyer? „Kleidung, Möbel, elektrische Geräte… “ Läuft.

Reparierter DVD-Player

Vor dem Eingang stehen auf einem Tisch reparierte Geräte: ein Flachbild-Fernseher, eine elektrische Kaffeemühle, ein DVD-Player. Ein Schild verrät: Gegen Spende darf man sich hier mitnehmen, was man möchte. Nicht schlecht, da könnte man nochmal einen Blick riskieren, wenn das mit der Jacke erledigt ist.

Nichts geht ohne Formular

Drinnen an einem Stehtisch wartet Friedhelm Apke. „Wir sind ja in Deutschland, da geht nichts ohne Formular“, sagt er und überreicht ein solches. Nötige Angaben: Was muss repariert werden und wem gehört es. Details zum Schaden sind optional - bei einem abgebrochenen Stuhlbein etwa nicht unbedingt erforderlich.

Das ausgefüllte Formular und die Jacke mit der fast abgerissenen Tasche landen auf einem Stapel auf der Arbeitsfläche der gelernten Damenschneiderin Bärbel Spreckelmeyer. Sie ist eine der Frauen, die im Repair-Café zuständig sind für die Wiederherstellung von Textilien aller Art.

Jacke kein Problem

Nach ziemlich genau einer Tasse Kaffee ist schon die Jacke dran. Spreckelmeyer bugsiert die entsprechende Partie unter die Nähmaschine. „Vielleicht muss ich das letzte Stück mit der Hand nähen, der Stoff ist da sehr dick.“ Ein Problem ist das sichtlich nicht. „Aber manche Sachen sind schon grenzwertig.“

Wischmopp als Nadelkiller

Der textile Härtefall des Tages sei ein kaputter Wischmopp gewesen, an dem die Nähmaschine einer Kollegin fast gescheitert wäre. „Zwei Nadeln sind kaputtgegangen. Ich selbst hätte das gar nicht gemacht“, sagt Spreckelmeyer und übergibt die Jacke - fertig. Ungefähr drei Minuten hat der Eingriff gedauert.

Ihr Ehemann Franz-Josef ist ebenfalls vor Ort, hat aber gerade Leerlauf. Er gehört zu denen, die sich in der Kellerwerkstatt des Repair-Cafés vorwiegend mit Elektrogeräten befassen. Was war heute zu reparieren? „So einiges: Stehlampe, Navi fürs Fahrrad, Akkubesen, Nähmaschine“, zählt er auf.

Kooperation mit Awigo

Und wenn die Akkubesen aller Gäste wieder laufen, bleibt trotzdem was zu tun: Dank Kooperation mit Awigo können Kunden dort ihre Geräte dem Repair-Café zukommen lassen - das sind die, die später zur Mitnahme am Eingang stehen. Ach ja: Vor der Heimfahrt nochmal schauen, ob man davon noch was gebrauchen kann.