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Das federlose junge Gänslein „Borka“ feiert überzeugende Premiere in der Melanchthonkirche

Von Uta Biestmann-Kotte | 15.06.2015, 17:43 Uhr

Zwei Flügel, zwei Füße mit Schwimmhäuten, ein Schnabel – aber keine Federn! Kaum geschlüpft, wird Gänsekind Borka zur Außenseiterin. Mit der Bühnenfassung eines Kinderbuches von John Burningham entwickelte das Theater der Generationen erstmals ein Stück für ein Publikum ab drei Jahren.

„Ich bin die Frau Platschmann.“ – „So viele Menschen!“ – „Schön, dass du da bist.“ Herzlich und putzig geht es zu, wenn Kinder im Theater von zwei Gänsen in weißen Hosen und roten Strümpfen begrüßt werden. Während sich Herr und Frau Platschmann auf ihren künftigen Nachwuchs freuen, blättert auf der Bühne die Erzählerin (Ursula Fenger-Mangerich) in ihrem Buch, um im gemütlichen Sessel die Geschichte von „Borka“ vorzulesen, dem Gänsekind, das ohne Federn aus dem Ei geschlüpft ist.

Premiere ausverkauft

Am Sonntag ging in der Melanchthonkirche die ausverkaufte Premiere und Uraufführung des 60-minütigen Stückes „Borka“ vom Theater der Generationen über die Bühne. Angelehnt an das gleichnamige Kinderbuch des Briten John Burningham, entwickelten die zwölf Darsteller mit Theaterpädagogin Katrin Möller erstmals ein Stück, das sich an ein Publikum ab drei Jahre richtet.

Dieses Debüt in Sachen Kindertheater ist dem Amateurensemble im Alter zwischen 15 und 75 Jahren gut gelungen. In ebenso liebevollen wie kindgerechten Szenen mit gelegentlichen pantomimischen Einlagen entwickelte sich die Geschichte um das federlose Wildgänsekind, die von auf Leinwände projizierten Illustrationen fantasievoll begleitet und kommentiert wurde. (Weiterlesen: YEAH!-Festival meißelt Ergebnisse in Legostein) 

Einsätze von Tambourin, Mundharmonika, Fingerklavier, Zimbeln oder Wasserflaschen unterstrichen das Geschehen auf der Bühne mitsamt der vielseitig verwendbaren Requisite. Wenn etwa Gänsemutter Platschmann über ihrem Nest aus weißen Kissen kauerte, kündigten sich alle sechs Eier mit Glockenspiel und Flötengetriller an.

Zu Borka (Marie Neckermann) gesellten sich fünf charakterlich höchst unterschiedliche Geschwister mit der trotzigen Thusnelda, der anhänglichen Aurelia, der heiteren Hulda, dem klugen Kasimir und dem juchzenden Jonathan. Anders als sie trägt Nesthäkchen Borka jedoch keinen grauen Federflaum an den Armen, sondern steht frierend im Unterhemd auf der Bühne. (Weiterlesen: „YEAH!“-Leiterin Lydia Grün will Festival fest verankern) 

Weil sich aber auch Gänsekinder nicht von ihren Geschwistern unterscheiden wollen, lässt sich Borka von der besorgten Mutter auf Rezept der Gänseärztin einen Pullover aus unauffälliger grauer Wolle stricken. Damit kann sie allerdings von der schneidig-sportlichen Gänselehrerin weder Fliegen noch Schwimmen lernen und wird von ihrer gen Süden aufbrechenden Familie im herbstlich verregneten England zurückgelassen.

Neues Zuhause

Für die passenden Regensounds sorgten dabei – mit Beteiligung des Publikums – Händereiben, Fingerschnippen und Füßetrampeln, was die Traurigkeit der Szene abmilderte. Aber weil sich Borka nicht unterkriegen lässt, freundet sie sich an Bord eines Hamburger Schiffes mit Hund Mingo samt Besatzung an.

In Hamburg findet die federlose Wildgans im Tierpark inmitten einer munteren Schar (karnevals)bunter Vögel ein neues Zuhause, an dem sie ohne Vorurteile aufgenommen wird. Neue Freunde dürfte „Borka“ auch im Publikum gewonnen haben. Denn mit seinem Abstecher ins Kindertheater ist dem Theater der Generationen eine tolle Produktion gelungen.

 Weitere Vorstellungen: am 17. Juni um 17 Uhr im Rahmen des „ Yeah“-Festivals im Festivalzelt auf dem Domvorplatz sowie am 27./28. Juni jeweils um 15 Uhr in der Melanchthonkirche.